Wohnungsbaukrise: Zeit für mehr Ehrlichkeit
Von NABU
Wohnungsbau-Tag lenkt von Gründen des Wohnraummangels ab
Unter dem Motto „Konjunkturmotor Wohnungsbau: Worauf wartet Deutschland?“ findet heute der Wohnungsbautag der Immobilien- und Bauwirtschaft statt. Damit wird auf die eingebrochenen Fertigstellungszahlen im Neubau Bezug genommen, die im vergangenen Jahr mit 245.000 Wohnungen erneut weit unter dem im Koalitionsvertrag festgelegten Ziel von 400.000 Wohnungen lagen. Für das Jahr 2024 sind die Aussichten noch düsterer.
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller kommentiert: “Der Prognose folgt der Ruf nach staatlicher Unterstützung und vor allem nach leichterer Verfügbarkeit von Bauland. Bauen, bauen, bauen lautet die Devise. Dass dabei völlig vernachlässigt wird, was, wie und für wen gebaut wird, scheint keine Rolle zu spielen. Weder mehr Geld im System noch leichteres Bauen auf der grünen Wiese helfen, den vor allem in den Metropolen benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Nicht, wenn gleichzeitig die drängenden Fragen der sozialen Gerechtigkeit, des demografischen Wandels, der Mobilitäts- und Energiewende sowie des Natur- und Klimaschutzes beantwortet werden müssen.“
900.000 bereits genehmigte, aber nicht gebaute Wohnungen und 1,7 Mio. leerstehende Wohnungen machen deutlich, dass es weder an Genehmigungen noch am Bauland mangelt, sondern dass Spekulation, Fachkräftemangel und Inflation die Gründe für die rückläufigen Fertigstellungszahlen sind.
Den Forderungen der Baubranche wird folgenschwer mut- und ideenlos mit der Wiederholung früherer Fehler begegnet. Es werden gesetzliche Erleichterungen geschaffen, die für Demokratie, Klima- und Umweltschutz, Städtebild und Beteiligungskultur fatale Folgen haben. Der in den Startlöchern stehende § 246e BauGB untermauert das. Dazu hatte sich der NABU in einer Stellungnahme geäußert: www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nachbarnatur/240130-nabu-stellungnahme-wohnungsbau.pdf.
Deutschland ist fertig gebaut. Es braucht jetzt eine Optimierung dessen, was schon besteht und einen Wandel von der Neubau- zur Umbaukultur. Es gilt, und den Bestand in das Zentrum der Betrachtung zu rücken. Dieser bietet mindestens genauso viel wirtschaftliches Potential als „Konjunktur-Motor“, fordert Architekt*innen, innovative Lösungen zu finden und die Kommunen, die vorhandene Infrastruktur zu ertüchtigen.