Studie zu Strategien und Risiken für CO2-Speicherung unter dem Meeresboden
Von NABU
Krüger: Ohne Entlastung der Meere keine sinnvolle Debatte möglich
In der Diskussion um die Reduzierung von CO2-Emissionen richtet sich der Blick immer stärker auf die geologische Speicherung von Kohlendioxid. Das Kohlenstoffspeichergesetz und die Carbon Management Strategie setzen voraus, dass die geologische Speicherung im Meer sicher und beherrschbar ist. Vor diesem Hintergrund hat der NABU untersuchen lassen, welche Risiken für marine Ökosysteme, humane Gesundheit und Klimaschutz durch Carbon Storage (CS) unter dem Meeresboden entstehen. Das mit der Untersuchung beauftragte Öko-Institut hat zudem Maßnahmen identifiziert, die potenzielle Gefahren minimieren.
Zu den relevantesten Risiken gehören nach Ansicht der Autoren mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Einspeicherung und Umweltauswirkungen auf marine Ökosysteme - beispielsweise durch Leckagen oder Lärmbelastung durch zunehmenden Schiffsverkehr. Außerdem bestehen Herausforderungen hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung und finanzieller Anreize. Um diese Risiken zu minimieren, muss jede potenzielle Speicherstätte intensiv geprüft und bewertet werden. Eine sorgfältige Auswahl ist ein Schlüsselfaktor, um Auswirkungen auf die Natur zu minimieren und mögliche spätere Havarien zu vermeiden.
Zentral sehen die Autoren das politische Risiko eines Lock-in-Effekts in fossile Energieträger. Dieser würde entstehen, wenn CS zur Speicherung von fossilem CO2 genutzt würde, Unternehmen aber keine Anstrengungen zur grundsätzlichen CO2-Vermeidung unternehmen.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger merkt an: „CCS kann die konsequente CO2-Vermeidung und die Stärkung natürlicher Senken wie Wälder, Moore, Salz- und Seegraswiesen nur ergänzen. Die Technologie steckt heute noch in den Kinderschuhen. CO2-Abscheidung ist energieintensiv und teuer. Eine Speicherung unter dem Meeresboden steht und fällt mit den Belastungsgrenzen der Meere. Die Ökosysteme von Nord- und Ostsee sind bereits heute überlastet und in schlechtem Umweltzustand. Weitere Belastungen verbieten sich, wenn es nicht zeitgleich durch die Regulierung der Fischerei und der Schifffahrt und streng geschützte Schutzgebiete zu Entlastungen kommt. Nur wenn Deutschland hier besser wird und die marine Raumordnung schnell und vorsorgend fortschreibt, können die Möglichkeiten einer möglichen CO2-Speicherung im Meer sinnvoll diskutiert werden.”
Die Studie betont die Notwendigkeit transparenter Überwachungsmaßnahmen und effektiver Notfallpläne für mögliche Havarien. Das Monitoring sollte von einer unabhängigen Stelle und nicht der Industrie selbst durchgeführt werden. Aus Sicht des NABU können auch zum Teil erhebliche Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung den Aufbau entsprechender Infrastrukturen verzögern. Beteiligung und Dialog sind hier von zentraler Bedeutung.
Sie finden die Studie (in englischer Sprache) unter: www.NABU.de/CCS-Studie