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Neuerscheinungen Klimakrise und Tiere

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Christian Stöcker: Männer, die die Welt verbrennen. Der entscheidende Kampf um die Zukunft der Menschheit, Ullstein, Berlin 2024, ISBN: 978-3-550-20282-7, 22,99 EURO (D)

Jahrzehntelang haben Ultrareiche sowie Unternehmen, die mit CO₂-Produktion gut verdienen, mit skrupelloser Desinformation Zweifel daran gesät, dass wir Menschen mit unserer Sucht nach fossilen Brennstoffen die Erde aufheizen. 
Nicht zufällig sind die Hauptprofiteure der Klimazerstörung Leute, die mit demokratischen Werten und Menschenrechten wenig am Hut haben ‒ oft geht die Begeisterung für fossile Brennstoffe und die Ablehnung von Klimaschutz einher mit reaktionären Positionen. Das Kartell der Verbrenner vereint Leute wie Mohammed bin Salman, Wladimir Putin, Rupert Murdoch, Donald Trump und Mathias Döpfner, flankiert von Akteurinnen wie Sahra Wagenknecht. In vielen politischen Diskursen und militärischen Konflikten der Gegenwart geht es letztlich um CO₂ – und um sehr viel Geld. 
Christian Stöcker zeigt: Es kommt jetzt darauf an, dass wir für unsere Kinder die Welt retten vor den Verbrennern und Verblendern, Lügnern und Kleptokraten, die von Öl und Gas profitieren. Und er liefert uns die Argumente, mit denen wir im öffentlichen und privaten Streit klar machen können, warum das fossile Zeitalter am Ende ist und die Zukunft in den erneuerbaren Energien liegt.

Stöcker legt hier ein informationsreiches Buch vor, das lesenswert ist, aber dennoch einige Schwächen aufweist.
Der Untertitel mit dem Slogan des Kampfes um die Zukunft der Menschheit ist natürlich ein reißerischer Slogan und übertrieben. 
Die Liste von Umweltzerstörern ließe sich beliebig fortsetzen wie die Herrschercliquen von Aserbaidschan, anderer arabischer Staaten oder Kasachstans.
Es ist nur teilweise richtig, dass die Hauptakteure der Klimazerstörung mit Menschenrechten und demokratischen Werten wenig gemein haben. Es sind auch demokratische Staaten und Konzerne der westlichen Welt, die Schuld an der Klimakrise sind und durch ihre Gier und Profitmaximierung ihren Anteil hatten und haben. 
Besser wäre es gewesen, dies und den Kapitalismus als solchen in den Blick zu nehmen und zu kritisieren. Es ist immer nur eine kleine Elite, die untereinander stark vernetzt ist, ihre Interessen schützen will und weder Macht noch Geld abgeben will. 
Dass das fossile Zeitalter zu Ende gehen muss und wird, das ist natürlich richtig und einer der wichtigen Meilensteine zur Reduktion von CO2.


Buch 2

Ulrich Brand/Markus Wissen: Kapitalismus am Limit. Öko-imperiale Spannungen, umkämpfte Krisenpolitik und solidarische Perspektiven, oekom, München 2024, 24 EURO (D)

Ulrich Brand und Markus Wissen unterziehen der Gegenwart einer kritischen Diagnose. Sie zeichnen nach, wie die Herrschaft der imperialen Lebensweise bröckelt, angegriffen von unübersehbaren Umweltkrisen, aber auch von denjenigen, die die Ausbeutung von Mensch und Natur nicht länger mittragen wollen. Diese Kämpfe entscheiden die Zukunft der Menschheit, und der Ausgang ist alles andere als gewiss. Wird der Status quo verteidigt und nehmen damit autoritäre Tendenzen zu? Werden wir einen »grünen Kapitalismus« entwickeln, und welche Folgen hätte dieser für den Rest der Welt? Oder finden wir in eine gerechtere, bessere Art des Lebens?

Zunächst wird der mannigfaltige Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Klimakrise angesprochen. 
Im zweiten Kapitel wird gezeigt, wie die Klimakrise durch Trockenheit, Waldbrände, Stürme, Hochwasser oder andere extreme Klimaphänomen vor allem im globalen Süden zunehmend zur Alltagserfahrung wird. Anschließend geht es um die ökoimperiale Lebensweise, die dynamische Existenz des Kapitalismus und die Verschleierung von Krisenphänomenen. 
Dann geht es um die ökologische Modernisierung der imperialen Lebensweise in Richtung eines Grünen Kapitalismus. Diese Konturen und die damit verbundenen Transformationskämpfe werden nachgezeichnet.
Die ökologische Krise und seine unterschiedlichen Lösungsansätze, die Gesellschaften derzeit für sie finden, führen verstärkt zu imperialen Spannungen. Dies wird dann beleuchtet. Die autoritären Stabilisierungen der imperialen Lebensweise und grobe Strategien dagegen, werden dann in den Blick genommen. 
Zum Schluss geht es um Auswege durch emanzipatorische Forderungen, solidarische Ökonomie, die sich an der Bedürfnisproduktion orientiert, die Neuorganisation der gesellschaftlichen Reproduktion und der damit verbundenen Arbeitsteilung, Vergesellschaftung und Initiativen gegen ökoimperiale Strukturen.

Das Buch benennt ganz klar die Zusammenhänge zwischen Kapitalismus und Klimakrise, der bisherigen kosmetischen Anstrengungen und deren Gründe des tieferliegenden Scheiterns. Die Analyse ist radikal, das ist die Stärke des Buches. 
Die Auswege bieten nur zum Teil überzeugende Lösung für den Übergang in ein anderes Wirtschaftssystem, da zu viele Fragen offen bleiben.   
Trotzdem ist dies ein lesenswertes Buch, das das bedrohliche wirtschaftspolitische Dilemma, in dem wir uns angesichts der Klimakrise befinden, überdeutlich vor Augen führt.


Buch 3

Andrea Tellmann: Kräuterheilkunde für Schafe und Ziegen, Ulmer, Stuttgart 2024, ISBN: 978-3-8186-1743-1, 28 EURO (D)

Heilpflanzen-Expertin und Heilpraktikerin Andrea Tellmann stellt in diesem Buch die wichtigsten Heilkräuter für Schafe und Ziegen, ihre Inhaltsstoffe und Wirkung vor. Sie beschreibt bewährte Behandlungsvorschläge, Hausmittel und Rezepte für akute und chronische Beschwerden der kleinen Wiederkäuer. 
Das Buch besteht aus drei großen Teilbereichen. In der sehr umfangreichen Einleitung werden das Verhältnis zwischen Pflanzen und Tieren, natürliche Lebensbedingungen für eine ausgewogene Ernährung, die wichtigsten Inhaltsstoffgruppen und ihre Wirkungen und Giftpflanzen als Verwechslungsgefahr dargestellt. Darüber hinaus gibt es Anleitungen zum richtigen Sammeln, Trocknen, Aufbewahren und Verabreichen von Wildkräutern und Heilpflanzen. 
Der zweite Teil bietet Porträts der wichtigsten Heilpflanzen und Heilmittel. Diese sind alphabetisch geordnet, leider nicht immer mit Bild. Zuerst werden immer Name, Familie, verwendbare Pflanzenteile bzw. Inhaltsstoffe, danach die Wirkungen, Anwendungen und Darreichung in tabellarischer Form vorgestellt. 
Die praktische Anwendung folgt danach. In einer Beschwerdeübersicht geordnet nach Organsystemen werden Behandlungsmöglichkeiten durch Heilpflanzen und passende Rezepturen präsentiert. Diese reichen von Heilpflanzen für den Verdauungstrakt bis hin zu Heilpflanzen für Milchdrüsen und Milchbildung. Dazu werden auch immer althergebrachtes Wissen, die Wirkungen bei den entsprechenden Beschwerden und wichtige Hinweise gegeben.
Im umfangreichen Serviceteil werden Erste-Hilfe-Präparate für die Stallapotheke aufgelistet, die sekundären Pflanzenstoffe von Heilkräutern und mögliche Bezugsquellen für Fertigpräparate genannt und weiterführende Literatur vorgestellt. Abgerundet wird dies mit einem Register zum Nachschlagen und Informationen über die Autorin.

Das Buch bietet zahlreiche Rezepte, insgesamt ca. 150, mit dazugehörigen Hinweisen. Es ist gut strukturiert und erklärt für die verschiedensten Krankheiten passende Heilkräuter. Es gibt insgesamt eine klare und praxisnahe Anleitung, wie man ohne Medikamente Schafe und Ziegen bei Krankheiten unterstützen kann.