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Neuerscheinungen Klima

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Wundervolle Welt. Erde, DK, München 2024, ISBN: 978-3-8310-4917-2, 24, 95 EURO (D)

Dieses außergewöhnliche Kindersachbuch lädt zu einer spannenden Reise über und unter die Erde ein. Seltene Phänomene wie leuchtende Säurebecken, farbenfrohe Flüsse und mystische Polarlichter bringen alle zum Staunen. Texte
erzählen spannende Fakten und Geschichten über das Erdinnere, das Festland, über Seen, Flüsse und Meere und die Atmosphäre. Es wird die Vergangenheit beschrieben, wie sich die Erde im Lauf von Millionen Jahren entwickelt hat und auch ein Blick in die Zukunft gewagt, wie sie sich voraussichtlich entwickeln wird.
Im ersten Kapitel wird der Planet Erde vorgestellt. In diesem Zusammenhang werden zum Beispiel die Erdkruste, Fossilien oder Kohlenstoff behandelt. Weiter geht es mit dem Schwerpunkt Festland, wo unter anderem Säulen im Meer, Aschewolken oder Erdrutsche präsentiert werden. Wasser, das über 70 Prozent der Erdoberfläche bedeckt, wird dann anhand der Themen Flussläufen, Kratersee oder Fjorde vorgestellt.
Das Kapitel Luft beinhaltet zum Beispiel die Themen Wind, Wolken oder Regenbogen. Landschaften wie Taiga, die Karstlandschaft oder pilzförmige Felsen.
Die einzelnen Kapitel werden jeweils mit einer Einleitung versehen, dem dann Doppelseiten zu Unterkapitel folgen. Ein kleiner Text führt in das Thema ein. Dazu gibt es außergewöhnliche Illustrationen oder Zeichnungen, die visuelles Lernen ermöglichen sollen.  

Im Anhang finden sich noch ein kleines Glossar für Fachausdrücke, ein Bildwegweiser und ein Register zum Nachschlagen.

Man erhält hier eine interessante Mischung aus Enzyklopädie und Bildband. Je Doppelseite wird eine Thema kurz beschrieben, bzw. eine Eigenschaft oder Besonderheit vorgestellt. Die Infotexte sind leicht verständlich, nicht zu überladen mit Informationen, so dass es für Kinder einfach zu lesen ist.


Buch 2

John Doerr: Die Klimakrise lösen – Jetzt! Der Speed & Scale-Aktionsplan. Mit Geschichten von Al Gore, Bill Gates, Jeff Bezos und Mary Barra, Vahlen, München 2024, ISBN: ISBN 978-3-8006-6965-3, 34,90 EURO (D)

In diesem Buch stellt John Doerr praktische Maßnahmen, realistische Lösungen und notwendige wirtschaftliche Investitionen vor, die wir brauchen, um den Klimawandel zu bewältigen. Begleitet werden seine Ideen von Berichten aus erster Hand – von Laurene Powell Jobs, Al Gore, Jeff Bezos, Bill Gates und vielen anderen führenden Klimaschützern, Politikern, Innovatoren und Wissenschaftlern.
Doerr präsentiert einen 10-Schritte-Plan, der sich auf ein leistungsstarkes Instrument namens Objectives and Key Results (OKRs) stützt, um die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Nettonull zu reduzieren – das globale Ziel, das wir erreichen müssen, um eine lebenswerte Erde für kommende Generationen zu sichern.

Der erste Teil behandelt die sechs Bereiche, in denen die Emissionen stark reduzieren müssen: Verkehr, Elektrizität, Lebensmittel, Natur, Industrie und CO2-Reduzierung. Danach geht Doerr auf vier Arten von Interventionen ein, um diese Emissionsminderungsziele zu erreichen: Politik, Bewegungen, Innovation, Investitionen.

Dieser Aktionsplan hat Vor- und Nachteile: 
Dieses Buch kann als erster Einblick in die Klimafrage wertvoll sein: Die Einleitung liefert einige wichtige Fakten und Zahlen und vermittelt die Dringlichkeit des Problems. Es erwähnt auch einige notwendige Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, wenn die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius über der vorindustriellen Temperatur gehalten werden soll, wie etwa die Einstellung der gesamten Förderung fossiler Brennstoffe. Und es bietet einen guten Einblick in einige der technologischen Entwicklungen, die zur Bewältigung der Klimakrise notwendig sind.
Das Buch ist  quantitativ und präzise. In jedem der ersten sechs Kapitel werden die aktuellen jährlichen Emissionen dieses Bereichs und die Zielemissionen bis 2050 aufgeführt. Die Grafiken sind gut lesbar und erkenntnisreich.

Kritisch ist anzumerken, dass es hier eine viel zu starke Abhängigkeit von Marktkräften, um weitreichende Änderungen anzuregen. Heuchlerisch sind die Einlassungen von Bezos, dass Amazon den Verkauf und Transport weitgehend überflüssiger Waren weiter ausbauen soll, aber nur etwas umweltverträglicher, was sich widerspricht.  
Das Buch negiert auch den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Klimakrise. Die Profitgier einer Finanzelite und Staaten, das Streben nach immer mehr Wohlstand auf Kosten ökologischer Ressourcen und die Vorstellung, dass Fortschritt nur Materielles beinhaltet, tragen eine erhebliche Schuld an der Klimakrise. Nur durch eine Umhüllung eines grünen Mäntelchens wird sich an den Wurzel des Problems wenig ändern.


Buch 3

Achim Kampker: Zukunftslust. Woran wir heute forschen. Was wir längst über das Morgen wissen. Und weshalb wir Hoffnung haben können, bene!, München 2024, ISBN: 978-3-96340-299-9, 22 EURO (D)

Der Ingenieur Achim Kampker arbeitet an der Stadt der Zukunft, die er Humanotop nennt. Er will uns allen Hoffnung machen und zeigt, wie wir Nachhaltigkeit und Wohlstand in Einklang bringen können. Der Rahmen für eine lebenswerte Welt bilden Kreislauf, Wachstum, Wettbewerb und Gerechtigkeit. 
Der erfahrene Ingenieur beschreibt eine umsetzbare Vision für ein nachhaltiges Leben und ermutigt: »Für viele Probleme gelingt eine pragmatische Lösung durch die Kombination vorhandener Technologien mit einem regionalen Masterplan. Überall auf der Welt arbeiten Forscherinnen und Forscher daran, die schwierige Lage in den Griff zu bekommen. Sie versöhnen technischen Fortschritt mit Umweltschutz.“

Das Buch hat den Vorteil, dass es den aktuellen multipolaren Krisen und Zukunftspessimismus etwas entgegensetzt. Anstatt düstere Dystopien zu zeichnen, steht hier Optimismus, Mut und Bereitschaft zum Handeln im Vordergrund. Die technischen Forschungen und Erkenntnisse sind sehr spannend zu lesen, hier wird über den Tellerrand hinaus gedacht. Auf das Lernen von der Natur auch im Bezug auf Technik wird viel Wert gelegt. 
Allerdings gibt es auch einiges an Kritik anzumerken: 
Kampker führt aus, dass das bisherige politische und wirtschaftliche System nur in dem Maße zurückzuführen sei, in dem wir das neue System aufbauen können. Dabei berücksichtigt er allerdings viel zu wenig, was denn die tieferen Gründe für die Klimakrise sind: Gier, Profit, Fortschritt durch immer mehr Wachstum, sprich die Denk- und Wirkungsweise des Kapitalismus. Die These, dass das Streben nach Gewinn nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden muss, erscheint naiv. 
Auch die Verteilungsungerechtigkeit weltweit und die Tatsache, dass ärmere Länder besonders unter dem Klimawandel meist verursacht durch Industrieländer wird hier wenig berücksichtigt.