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Nach der Entlassung: Klimaforscher, der sich weigerte zurückzufliegen, beginnt seine slow-travel Rückkehr von Papua-Neuguinea nach Deutschland

Von Scientist Rebellion 

Am 15. Oktober startete Dr. Gianluca Grimalda seine low-carbon Reise von Buka (Bougainville, Papua-Neuguinea) zurück nach Europa. In acht Wochen will er die rund 27 000 km zurücklegen. Dabei werden Frachtschiffe (1229 km), Fähren (5677 km), Reisebusse (11961 km), Fernzüge (6881 km), Busse (274 km) sowie Polizeibegleitung während der Reise in Belutschistan, Pakistan (1415 km) in Anspruch genommen. 

Dr. Grimalda geht davon aus, dass die Emissionen seiner Reise auf 535 kg CO2-Äquivalent begrenzt werden, was zehnmal weniger ist als die Emissionen, die er bei einer Reise mit dem Flugzeug verursachen würde, d. h., 5263 kg CO2-Äquivalent. Er beschloss, an seiner zuvor geplanten langsamen Reiseart festzuhalten, auch wenn er von seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), aufgefordert wurde, bis zum 2. Oktober ein Flugzeug zu besteigen, um nach Kiel zurückzukehren. Am 9. Oktober wurde Dr. Grimalda aufgrund seiner Weigerung zurückzufliegen vom IfW entlassen.  

"Das enorme Medienecho, das meine Entscheidung ausgelöst hat, bestärkt mich darin, dass es richtig war, so zu handeln", sagt Dr. Grimalda. "Wir leben in einer Zeit, in der die Ökosysteme buchstäblich vor unseren Augen kollabieren. Der vergangene Monat war der wärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen, und zwar in einem Ausmaß, das die meisten Klimaforscher schockiert hat. Die Wissenschaft ist sich darüber im Klaren, dass unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen die Hauptursache für die globale Erwärmung ist. Anstatt den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen sofort zu vollziehen, zögern Politik und Wirtschaft weiter. Das wirklich Irrsinnige ist nicht meine scheinbar irrationale Handlungsweise, sondern die Fortsetzung des "business as usual". 

Klimaforscher und IPCC-Hauptautor Prof. Wolfgang Cramer kommentierte, es sei ihm unverständlich, warum das Kieler Institut seinen internationalen Ruf aufs Spiel setzt, indem es einen hochproduktiven Wissenschaftler hart sanktioniert, der ausgerechnet den gesellschaftlichen Wandel lebt und umsetzt, den sich das Institut laut Webseite auf die Fahne schreibt.