BBU: Atomkraft ist in Niedersachsen noch lange nicht „Geschichte“
Von BBU
Aus aktuellem Anlass erklärt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU, dass die Bevölkerung in Niedersachsen weiterhin vielfältig von den Gefahren der Atomindustrie betroffen ist. Damit widerspricht der BBU einer Aussage von Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer. Dieser hat am Donnerstag (26.9.24) in einer Pressemitteilung seines Ministeriums behauptet, dass die Atomkraft in Niedersachsen Geschichteist. Hintergrund der Pressemitteilung war die Erteilung der Stilllegungs-
und Abbaugenehmigung für das Atomkraftwerk Lingen 2 im Emsland.
https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/energieminister-christian-meyer-atomkraft-in-niedersachsen-ist-geschichte-235918.html
Hierzu erklärt BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz: „Gerade Niedersachsen ist nach wie vor ein Zentrum der internationalen Atomindustrie. In Lingen werden Brennelemente hergestellt, die den Betrieb von Atomkraftwerken in etlichen Ländern gewährleisten. Und in Lingen will auch noch die russische Atomindustrie mit einsteigen, damit zukünftig
dort auch Brennstäbe für osteuropäische Atomkraftwerke produziert werden können. Im Rahmen des dafür notwendigen atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens wurden in diesem Jahr rund 11.000 Einsprüche in Hannover beim zuständigen Umweltministerium eingereicht. Diese sollen ab dem 19. November 2024 bei einem Erörterungstermin in Lingen vertieft werden. Forderung der örtlichen Bürgerinitiativen, des Bundesverbandes Umweltschutz (BBU) und anderer Organisationen ist es: Keine Produkterweiterung bei der Brennelementefabrik in Lingen, stattdessen sofortige Stilllegung der ganzen Anlage. Die zuständige Atomaufsicht in Niedersachsen, für die Minister Meyer zuständig ist, könnte die bisher für die Brennelementefabrik erteilten Genehmigungen aufheben.“
Der BBU betont, dass das Thema Atomkraft in Niedersachsen noch lange nicht Geschichte ist. Das liegt aber nicht nur an der Brennelementefabrik in Lingen. Vielerorts in Niedersachsen ist die Bevölkerung weiterhin von laufenden oder geplanten Atommüllprojekten betroffen, zum Beispiel durch die so genannten Atommüll-Zwischenlager in
Gorleben und in der Nachbarschaft des geplanten Atommüll-Endlagers Schacht Konrad bei Salzgitter. Zudem wird die Bevölkerung in Niedersachsen immer wieder durch zahlreiche Atomtransporte gefährdet, zum Beispiel durch Urantransporte zur Brennelementefabrik in Lingen. Und nicht zuletzt fällt auch beim Rückbau der stillgelegten
niedersächsischen Atomkraftwerke weiterhin Atommüll an.
Dazu bilanziert Udo Buchholz vom BBU-Vorstand: „Weder in Niedersachsen noch anderswo ist die Atomkraft Geschichte. Die strahlenden Überreste werden noch unzählige Generationen belasten. Und so ist das Land Niedersachsen auch in der Verantwortung aus der bisherigen katastrophalen Geschichte der Atomindustrie zu lernen. Die weitere
Atommüllproduktion in der Lingener Brennelementefabrik muss gestoppt werden. Und Niedersachsen muss sich zum Beispiel auch gegen den geplanten Neubau von Atomkraftwerken in den Niederlanden zur Wehr setzen.“
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, rufen Bürgerinitiativen und auch der BBU zur Teilnahme an einer Anti-Atomkraft-Demonstration am 26. Oktober 2024 in Lingen auf (Auftakt: 13 Uhr am Bahnhof in Lingen). Und möglichst viele Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner sollten ab dem 19. November 2024 in Lingen an dem Erörterungstermin zur Produkterweiterung der Lingener Brennelementefabrik teilnehmen.
Weitere Informationen:
https://atomstadt-lingen.de, https://www.bbu-online.de,
https://www.laka.org