Wende um 180 Grad
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (DDR 1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Politik der Maoisten aus der reaktionären Küche.
»Welches ist nun die Ursache für eine der- art auffällige Wandlung der maoistischen Führer, die noch vor Jahren die Völker Europas aufriefen, einen „entschiedenen Kampf für den Sturz der imperialistischen Regierungen“ zu führen.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt einfach darin, dass die Maoisten in der Sowjetunion und in der ganzen sozialistischen Gemeinschaft das Haupthindernis für die Verwirklichung ihrer abenteuerlichen Hegemoniepläne sehen. Auch die Imperialisten sehen in der UdSSR und in den anderen sozialistischen Ländern ihre Gegner. [- 1975 -] Ausgehend vom Prinzip [der Prinzipienlosigkeit] „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, betreiben die Pekinger „Revolutionäre“ seit Beginn der siebziger Jahre eine unverhüllte Blockbildung mit den reaktionärsten Kräften.
Die chinesischen Führer, die allzu gern das alte Märchen vom Affenkönig wiederholen, der auf dem Berg sitzend beobachtet wie sich im Tal zwei Tiger zerfleischen, die er aufeinandergehetzt hat, machen kein Hehl daraus, dass sie eine ebensolche Position im internationalen Geschehen einnehmen möchten.
Alle Ergüsse der reaktionären Westgazetten über die „sowjetische Gefahr“ finden in der Regel ein lebhaftes Echo in der maoistischen Presse. Die Agentur Xinhua zitiert in ihren Berichten über Außenministertagungen der NATO-Länder begeistert all jene Stellen aus den Reden der NATO-Strategen, die gegen den Frieden und die Entspannung in Europa gerichtet sind. So geiferte Peking aufrührerisch: „Die NATO darf sich durch die Entspannungseuphorie auf keinen Fall verwirren lassen.“ Xinhua äußerte in unverhüllt provokatorischer Absicht ihr Bedauern darüber, dass die Warschauer Vertragsstaaten angeblich über viel umfassendere Streitkräfte als die NATO verfügen, und verlangte eine stärkere Aufrüstung des imperialistischen Blocks, damit er „künftig als verlässliche Garantie für die Verteidigung des Westens fungieren kann“. „Renmin Ribao“ unterstützte sogar den Beschluss der NATO-Tagung, die Militärausgaben der Teilnehmerstaaten dieses Blocks zu erhöhen. -
Ist es verwunderlich, dass eine derartige Haltung von den rechten und ausgesprochen revanchistischen Kreisen der BRD mit Beifall begrüßt wurde? Die Neofaschisten in der BRD zum Beispiel haben unlängst in der Zeitschrift „Nation Europa“ vernehmlich erklärt, dass ihnen die Politik Pekings „für die Ausarbeitung einer gemeinsamen Strategie günstig“ erscheine.
Argumente aus der reaktionären Küche
Peking tritt immer offener als Sprachrohr der imperialistischen Kreise auf und schöpft seine „Argumente“ immer häufiger aus der Küche der reaktionären Propaganda. Die BRD-Zeitung „Die Welt“ behauptete, die UdSSR wolle anderen Ländern „ihren Willen aufzwingen“. Die Pekinger Propaganda wiederholte unverzüglich diese Erfindung. Eine reaktionäre österreichische Zeitung brachte die Lüge über eine „Gefahr“ seitens der sowjetischen Armee. Die chinesische Presseagentur Xinhua nimmt auch diese Verleumdung gern in ihr Rüstzeug auf. Und das alles nur zu einem Zweck, die antisowjetische Ausrichtung der NATO zu fördern.
Heute [- 1975 -] versucht Peking sogar seinerseits, den Reaktionären in Westeuropa und Übersee selbst erfundene „Argumente“ „frei Haus“ zu liefern. Wahrscheinlich aus einer solchen Überlegung heraus verfassten Pekings Schreiberlinge ihre Versionen vom Kampf um die allgemeine und vollständige Abrüstung in Europa: Die Gespräche in Genf und Wien „sind in eine Sackgasse geraten“, die Entspannung ist „ein Mythos“, Westeuropa geriete „in der nächsten Minute unter die uneingeschränkte Kontrolle Moskaus“ – lauteten ihre Schlagworte.
Der einzige Lichtblick in diesem düsteren Gemälde für Xinhua: In der NATO und in der EWG „hat man begonnen, sich mit der Frage über eine engere Zusammenarbeit hinsichtlich der Verteidigung Westeuropas stärker zu beschäftigen“. „Nehmt die Hellebarden, der Feind steht vor dem Tor“, rät Xinhua und preist die Maoisten als Partner an.
Nachdem die chinesischen Führer mit ihren Versuchen, die Verträge der sozialistischen Länder mit der BRD zu hintertreiben, einen Misserfolg erlitten haben, setzen sie nunmehr auf andere Mittel, mit deren Hilfe ein Spannungsherd im Herzen Europas geschaffen werden könnte. In letzter Zeit [- 1975 -] stellten sie die These von der „Abnormität“ der Existenz zweier deutscher Staaten auf. Die chinesischen Führer nehmen die revanchistischen Losungen von der „einheitlichen deutschen Nation“ und der „Wiedervereinigung des deutschen Volkes“ in ihr Konzept auf.
Im November 1973 erklärte Tschou En-lai, dass China „das Ziel, die deutsche Einheit zu erreichen, unterstützt“. Peking solidarisierte sich somit mit den reaktionärsten Kreisen der BRD, die, wie das Organ der DKP „Unsere Zeit“ hervorhob, mit Hilfe der Formel von der „Einheit Deutschlands“ versuchen, „die sozialistische DDR zu liquidieren“ und „den Sozialismus auf deutschem Boden zu vernichten“.«
[Fortsetzung folgt.]
Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Wende um 180 Grad. Argumente aus der reaktionärsten Küche.