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Vom Wesen des Imperialismus

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Verfasser Albert Norden

[Übersicht]

»Sprechen wir von den Wesenszügen des amerikanischen Imperialismus! Denjenigen, die seine Existenz leugnen, weil Imperialismus mit offener Gebietsannektierung gleichzusetzen sei, muss geantwortet werden, dass die Annexion nur ein, aber keineswegs das einzige Kennzeichen des Imperialismus ist. Worin besteht sein Wesen?

Die fünf seiner wichtigsten Merkmale sind:

1. die Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen;

2. die Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und die Entstehung einer Finanzoligarchie auf des Basis dieses „Finanzkapitals“;

3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung;

4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen;

5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet.

Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausbildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist. Monopol, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen - all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. [1]

Heute ist der Imperialismus in eine neue Entwicklungsphase eingetreten, den staatsmonopolistischen Kapitalismus. Dieses staatsmonopolistische System ist gekennzeichnet durch die Verschmelzung der konzentrierten Macht der Trusts, Konzerne und Großbanken mit der Macht des Staates zu einem einheitlichen Funktionsmechanismus.

Einerseits vermögen die Herren der kapitalistischen Großwirtschaft ihre Herrschaft in der Gesellschaft und ihr Profitsystem nur noch mit der sich auf immer neue Gebiete erstreckenden Einschaltung des Staates aufrechtzuerhalten. Andererseits wird gerade in Verbindung mit dieser Entwicklung des staatsmonopolistischen Systems die Herrschaft der Monopole über alle Bereiche des Lebens absolut.«

[1] Siehe W. I. Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. In: Werke, Bd. 22, Berlin 1960, S. 304/305.

Vgl. Albert Norden: So werden Kriege gemacht! Über Hintergründe und Technik der Aggression. Übersicht, S. 238-239. Dietz Verlag Berlin 1968.

Info.-Empfehlung: Von A. Norden: Fälscher. Zur Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen. Dietz Verlag Berlin 1970.