Unheilige Allianz und Reaktion
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die Außenpolitik der Maoisten - Brunnenvergifter am Werk
»Anfang der siebziger Jahre vollzogen die Maoisten in ihrer Außenpolitik einen jähen Rechtsruck und gingen eine Allianz mit den erzreaktionären imperialistischen Kreisen ein. Der X. Parteitag der [antikommunistischen] KP Chinas sanktionierte diese Wende in der maoistischen Außenpolitik, deren Kernstück nunmehr der unverhohlene und wütende Antisowjetismus ist, der sich gleichzeitig gegen alle sozialistischen Länder richtet.
Um diesen antisozialistischen Kurs ideologisch zu rechtfertigen, sind die Maoisten Meister im ständigen Erfinden neuer „Theorien“ geworden, die jeder klassenmäßigen Einschätzung vom Standpunkt der Weltanschauung des Marxismus-Leninismus Hohn sprechen. -
Zu den neuesten Erfindungen der Pekinger „Theoretiker“ gehört eine recht seltsame politische Weltkarte. Sie zeigt „drei Welten“ beziehungsweise drei Gruppen von Staaten: 1. Die UdSSR und die USA; 2. die übrigen entwickelten Länder und 3. die Entwicklungsländer, zu denen Peking sich seit geraumer Zeit stark hingezogen fühlt. Die Maoisten bringen es unverfroren fertig, mit einem Federstrich die größte Errungenschaft der internationalen Arbeiterklasse seit Marx und Engels absolut zu negieren, indem sie behaupten, dass das sozialistische Weltsystem nicht mehr existiere.
Im gleichen Augenblick wird das erste Land des siegreichen Sozialismus, die UdSSR, als irgendeine „sozialimperialistische Supermacht“ bezeichnet, die laut „Renmin Ribao“ vom 20. Mai 1975 „zu zerschlagen“ sei.
Die Geschichte der beiden letzten Jahrzehnte zeigt, dass die alleinige Triebfeder der Politik der maoistischen Führung in der Welt ihre Hegemoniebestrebungen sind. Natürlich ist man sich darüber im klaren, dass China nicht allein darauf rechnen kann, den Verlauf der Weltprozesse nach eigenen Gutdünken verändern zu können. Deshalb der Versuch, Komplotte zu schmieden und Peking die Führungsrolle in der Weltpolitik zu sichern. Die wahre Grundlage der außenpolitischen Linie Pekings bildet eben das bestreben, anderen Ländern seinen Kurs aufzuzwingen und sie zu veranlassen, im Interesse der Maoisten vorzugehen. Das beweisen zahlreiche Tatsachen.
Brunnenvergifter am Werk
Immer nachhaltiger propagierten die Maoisten die These von „der Verlagerung des Zentrums der Weltrevolution“ vom Westen nach Asien, Afrika und Lateinamerika. So sind auch die Versuche einzuordnen, eine „Chinesische Mauer“ zwischen die guten Beziehungen der Länder der „dritten Welt“ zur sozialistischen Staatengemeinschaft, vor allem zur UdSSR, aufzurichten.
Über das „Monopol der zwei Supermächte“, gemeint sind die UdSSR und die USA, herfallend, stellen die Maoisten China als den einzigen Staat hin, der in der Lage wäre, der „Weltherrschaft der zwei Supermächte“ ein Ende zu setzen und die „kleinen“ und „schwachen“ Staaten unter seine Fittiche zu nehmen. Mit einem derartig unwissenschaftlichen und zugleich großmachtchauvinistischen herangehen werfen die Maoisten alles in einen Topf, verlieren jede Klassenposition und stellen unverfroren die UdSSR und die USA politisch und sozial auf eine Stufe. Sie bezichtigen die UdSSR eines „Komplotts“ mit den USA und betätigen sich einmal mehr als üble Brunnenvergifter. Die „Theorie“ von den „Supermächten“ brauchen die Pekinger Führer für die gleichen Ziele, wie ihre früheren „Theorien“ vom „Kampf des Weltdorfes gegen die Weltstadt“. Sowohl in der einen als auch in der anderen „Theorie“ wird das klassenmäßige Herangehen durch nationalistische Großmachtmotive ersetzt.
Die Argumentation Pekings über die Zugehörigkeit Chinas zu den Ländern der „dritten Welt“, zu den Entwicklungsländern, ist vollkommen haltlos. China ist eine der größten militärpolitischen Mächte der Gegenwart und als solche ständiges Mitglied des Sicherheitsrates der UNO. Die VR China verfügt über die größte reguläre Armee und gehört zu den kernwaffenproduzierenden Mächten. Die Politik der chinesischen Führer, die um die Durchsetzung der Vorherrschaft Chinas in der Welt kämpfen, steht im völligen Widerspruch zu den Interessen der „dritten Welt“. Die chinesische Führung möchte in der Hauptsache aus den Ländern der „dritten Welt“ einen neuen Block unter der Führung Chinas schaffen und feilscht mit den imperialistischen Mächten um die Aufteilung der Einflusssphären in den verschiedenen Teilen der Welt. Sie widersetzt sich ständig inner- und außerhalb der UNO einer Lösung der Abrüstungsprobleme und der Gewährleistung der internationalen Sicherheit.« {...}
[Fortsetzung folgt.]
Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Unheilige Allianz und Reaktion. Brunnenvergifter am Werk.