Peking spielt mit gezinkten Karten
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die Außenpolitik der Maoisten
»Ein Teil jener Betriebe, die mit Hilfe der VR China in afrikanischen Ländern errichtet wurden, zeichnet sich durch rückständige Technik und durch weitestgehenden Einsatz von schwerer körperlicher Arbeit aus. Auch die Qualität der von China gelieferten Ausrüstungen wird vielfach reklamiert. -
Letztlich ist bekannt, dass die von ihnen angebotenen Projekte vor allem einen hohen Prestigecharakter haben und nur selten den wirklichen Bedürfnissen der afrikanischen Länder nach moderner Technik entsprechen.
Die Pekinger Propaganda hebt ständig die Tatsache des Aufenthaltes von technischem Personal aus China in Afrika hervor, wobei sie die Aufmerksamkeit auf deren Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit lenkt und dieses Moment zur Unterstreichung ihrer These von der „Selbstlosigkeit“ der chinesischen Hilfe benutzt. In Wirklichkeit läuft das Wesen der Sache – das eine offensichtliche politische Färbung hat – aber darauf hinaus, die Afrikaner zu veranlassen, von China als von einem zwar „armen, aber freigiebigen“ Staat zu sprechen. Das Gerede von der Anspruchslosigkeit des Personals aus China dient noch einem weiteren Ziel – die Aufmerksamkeit von der Qualifikation der „Spezialisten“ abzulenken, die oftmals weit unter dem erforderlichen Niveau ist, was eine gesetzmäßige Folge der Fehler im Bildungssystem in der VR China ist, ein Schaden, den die „Kulturrevolution“ verursachte.
Bekanntlich wickelt die VR China 80 Prozent ihres Außenhandels mit imperialistischen Staaten ab. Was weniger bekannt ist, weil die Maoisten dieses „Geheimnis“ sorgsam hüten, ist der schwunghafte Handel, den Peking ungeachtet aller gegenteiligen Beteuerungen mit reaktionären und kolonialen Regimes in Südafrika und Rhodesien treibt. [- 1975 -]
Von Jahr zu Jahr erweitern sich die Beziehungen der Maoisten zu den rassistischen Regimes im Süden des afrikanischen Kontinents und haben bei vielen zum Nachdenken über die Maoisten geführt, die sich gern in die Toga der „Treuesten Freunde“ hüllen. Unter Umgehung der UNO-Resolutionen unterhält die VR China [- 1975 -] zu ihnen enge Handelskontakte. -
Die nigerianische Zeitung „Sunday Post“ berichtet, dass Peking insgeheim aus Rhodesien etwa 70 Tausend Tonnen Chromerz im Jahr importiert. Die Johannesburger Zeitung „Sunday Times“ schrieb, das rhodesische Chrom für China gehe per Schiff nach Macao und werde von dort mit Lastkraftwagen oder per Eisenbahn auf chinesisches Territorium gebracht.
Auch mit den südafrikanischen Rassisten treibt Peking einen schwunghaften Handel. Nach bei weitem nicht vollständigen Angaben des Internationalen Währungsfonds beziffert sich der Warenaustausch zwischen der Volksrepublik China und der Republik Südafrika auf mehr als 12 Millionen US-Dollar im Jahr. [- 1975 -]
Soweit einige Tatsachen über die neue Taktik der Maoisten gegenüber den afrikanischen Ländern, wie sie in Form der „Offensive des Lächelns“ des großen „hilfreichen Bruders“ in vielfältiger Weise zum Ausdruck kommt. -
Immer häufiger machen jedoch die verschiedensten Presseorgane der Entwicklungsländer warnend auf die wahren Absichten der Maoisten aufmerksam. „China“, so stellte die Beiruter Wochenzeitung „Al diar“ fest, „trachtet danach, Stützpunkte für seinen Einfluss in der Welt zu schaffen, mit denen das Kräfteverhältnis auf dem internationalen Schauplatz zu Gunsten der Großmachtambitionen der Maoisten verändert werden soll.“ Nach den Worten dieser Wochenzeitschrift ist Afrika gegenwärtig [- 1975 -] einer der wichtigsten Schauplätze für die subversive Tätigkeit Chinas in der Welt.«
[Fortsetzung folgt.]
Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Peking spielt mit gezinkten Karten.