Mit der Reaktion in einem Boot
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die Außenpolitik der Maoisten –
»Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis geworden, dass die Maoisten hinter der Losung des Kampfes gegen die „Supermächte“ das eigene Streben nach der „Welthegemonie“ verbergen wollen. Sie träumen – und kämpfen mit allen Mitteln für die Errichtung dieses Zieles – von der Weltherrschaftsrolle der chinesischen Nation, die bereits unter den kaiserlichen Dynastien des „Reiches der Mitte“ mit „Feuer und Schwert“, mit grausamen und blutigen Kämpfen, angestrebt worden ist.
Mit der Reaktion in einem Boot
Um diese Ziele zu erreichen, sind den Maoisten alle Mittel recht, wie das offene Paktieren mit der Weltreaktion, das Schüren von Spannungen und Konflikten und das Auftreten der chinesischen Diplomaten im internationalen Geschehen beweisen. -
Offensichtlich fühlen sie sich in der gleichen politischen Landschaft zu Hause, wie der US-amerikanische Senator Jackson, der britische Tory-Politiker Heath, der CSU-Politiker Strauß in der BRD und wie der faschistische Diktator Pinochet in Chile, mit denen sie auf der Basis der hasserfüllten Feindschaft gegenüber der Sowjetunion und gegenüber dem Weltsozialismus eine dicke Freundschaft verbindet.
Die strategischen und taktischen Hauptrichtungen ihrer außenpolitischen Linie seit dem X. Parteitag der [antikommunistischen und nationalistischen] KP Chinas bestehen deshalb:
- in der Verstärkung der Konfrontation mit dem Weltsozialismus;
- in der verräterischen Blockbildung mit den Kräften des Imperialismus und der Reaktion;
- in den permanenten Versuchen, die Völker in die Zeiten des kalten Krieges zurückzuzehren;
- in den Bemühungen, die Entwicklungsländer mit „der Offensive des Lächelns“ für die eigenen Weltherrschaftspläne zu missbrauchen.
Es ist notwendig, ein wenig Rückschau zu halten bei gleichzeitiger Betrachtung der „Aktivitäten“ der Maoisten in einigen Gebieten der Welt.
Am 1. Oktober 1949 konnte wohl kaum jemand in China und anderswo in der Welt ahnen, dass dieses riesige Land, das damals den Weg zum Sozialismus einschlug, an seinem 25. Geburtstag, aufgrund der verbrecherischen Politik Maos und seiner Gruppe, als Brückenkopf des Kampfes gegen die Errungenschaften des Weltsozialismus, gegen den Frieden und die Sicherheit der Völker dastehen würde.
Im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens hatte die Außenpolitik der VR China im großen und ganzen internationalistischen Charakter. Die sozialistische Linie der VR China in den internationalen Angelegenheiten war damals durch solche beachtenswerte Tatsachen gekennzeichnet, wie die Hilfe für die KVDR bei der Zurückweisung der Aggression der USA und für die Völker Indochinas im Kampf gegen die französische Kolonialherrschaft, die aktive Suche nach einer Friedensregelung in Korea (1953) und nach der Wiederherstellung des Friedens in Indochina (1954) und die gemeinsam mit Indien im Jahre 1954 erarbeiteten fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz.
Im ersten Jahrzehnt des Bestehens der VR China wurde ihr internationales Ansehen durch die Erfolge im sozialistischen Aufbau, die zunehmende Stärke und das wachsende Wirtschaftspotenzial, durch die enge Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Bruderländern bestimmt. -
Während aber der überwiegende Teil der Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas und der Werktätigen der VR China in der Orientierung auf das sozialistische Weltsystem den Schlüssel zur sozialistischen Umgestaltung der chinesischen Gesellschaft sahen, rechneten Mao Tse-tung und seine Anhänger darauf, den aus der begonnenen Entwicklung der VR China auf dem sozialistischen Weg resultierenden Fortschritt auszunutzen, um im Endergebnis ihre eigenen Großmachtpläne verwirklichen zu können. -
Ende der fünfziger Jahre schlugen Mao und seine Anhänger auch einen besonderen Kurs in der Außenpolitik ein. Die Maoisten verfolgten nunmehr offen eine Linie, in der sich kleinbürgerliches Abenteurertum und Großmachtchauvinismus, mit „linken“ Phrasen verbrämt, paaren.
Seit ungefähr 1963 stellte sich China als Hauptziel, die Hegemonie in der nationalen Befreiungsbewegung Asiens, Afrikas und Lateinamerikas zu erlangen, die die Maoisten zur „Hauptzone der revolutionären Stürme“ erklärten. Dabei wurden keine Mittel ungenutzt gelassen – von den Versprechungen der finanziellen und wirtschaftlichen Hilfe bis hin zur Provozierung bewaffneter Konflikte.
Ende der sechziger Jahre wurde es jedoch deutlich, dass China alles andere als ein „Zentrum des Zusammenschlusses der revolutionären Kräfte der Welt“ geworden war, was sich die Maoisten erhofften, als sie den Kampf um die Hegemonie in der nationalen Befreiungsbewegung aufnahmen. Obendrein lieferten die letzten Jahre genügend Beweise, die die Pekinger Führer in den Augen der Völker als Verräter an der Sache der Revolution und der nationalen Befreiung entlarven.« {...}
[Fortsetzung folgt.]
Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Mit der Reaktion in einem Boot.