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Marx statt Klassenkampf? Zur Kritik des Strukturmarxismus

von Assoziation Dämmerung

Eine Veranstaltung mit dem Marxismusforscher Werner Seppmann


wer dieser Tage das politische Geschehen verfolgt, kann Entscheidungen und Konflikte von historischer Bedeutung miterleben: Das gilt für die Krisendynamik des Finanzkapitalismus ebenso wie für die Aufstände in den nordafrikanischen Ländern, den Niedergang der Mittelklassen oder den neoliberalen Umbau der sozialen Sicherungssysteme sowie des Bildungssystems.

All diesen Entwicklungen ist eines gemein: Die radikale, antikapitalistische Linke spielt in ihnen kaum eine Rolle, und sie setzt kaum theoretische Diskussionsprozesse oder Fragen revolutionärer Organisation in Gang.

Schlimmer noch – große Teile der bundesdeutschen Linken bemühen marxistische Terminologie, um fortschrittlichen Kräften die Legitimität und die Solidarität zu entziehen: Deren Kapitalismuskritik sei „verkürzt“, „fetischistisch“, „personalisiert“ oder sogar „strukturell antisemitisch“.

In freien Radiosendern wird die „Occupy“-Bewegung als „potentieller Mob“ diffamiert, vorgeblich kritische studentische Veranstaltungsgruppen wollen mit Marx die Sinnlosigkeit von Bildungsprotesten begründen und in autonomen Zentren wird die Kritik am neoliberalen Umbau von Großstädten („Gentrifizierung“) als potentiell antisemitisch bezeichnet.

Parallel dazu wird von marxistischen Akademikern wie Michael Heinrich oder Ingo Elbe eine Auslegung des Marx'schen Werks popularisiert, die den politischen Stellenwert des „Kapital“ für soziale Kämpfe völlig unterschlägt. Kapitalismus wird als anonymes, apersonales Herrschaftsverhältnis präsentiert, in dem die Menschen von Abstraktionen und Strukturen beherrscht werden. Getreu dem neoliberalen Paradigma „There is no alternative!“ kann bestehende Unterdrückung so als notwendiges, kaum erfassbares Übel gerechtfertigt und Widerstand als irrational und ressentimentgeladen delegitimiert werden.  

Auf unserer Veranstaltung möchten wir beleuchten, welche Annahmen einem solchen Marx-Verständnis zugrunde liegen und was politisch daraus folgt. Wie kann es sein, dass marxistische Gesellschaftstheorie, die der praktischen Befreiung der menschlichen Gesellschaft verpflichtet war, zur strukturalistischen Rechtfertigungsideologie von Herrschaft und Ausbeutung verkommen kann? Und in welcher Tradition steht ein solcher „Strukturmarxismus“? Darüber möchten wir mit Euch und dem Referenten Werner Seppmann diskutieren.

VERANSTALTUNG:
Mittwoch, 7. Dezember 2011, 19.30 Uhr
MAGDA-THÜREY-ZENTRUM (MTZ)
Lindenallee 72 (Hamburg-Eimsbüttel)

Werner Seppmann hat nach Berufstätigkeit Soziologie und Philosophie studiert. Vorstandsmitglied der Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal. Tätig im Projekt Klassenanalyse@BRD, Mitherausgeber der Marxistischen Blätter. Langjährige Zusammenarbeit mit Leo Kofler. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Sozialstrukturanalyse, Klassentheorie, Ideologietheorie und zur Marxismusforschung. Zuletzt erschienen: „Subjekt und System“ (2011), „Die verleugnete Klasse“ (2011) und „Dialektik der Entzivilisierung“ (2011).

http://www.assoziation-daemmerung.de/2011/11/veranstaltung-marx-statt-klassenkampf-zur-kritik-des-strukturmarxismus