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Maoisten und Monopolbourgeoisie

von I. Bednjak - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Die Politik der chinesisch-maoistischen Führung gegenüber Japan
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Die Politik der VR China gegenüber Japan hat sich entsprechend dem allgemeinen außenpolitischen Kurs der chinesischen Führung entwickelt. Sie verlief in zwei Hauptetappen: die Etappe von 1949 bis 1957 und die Etappe, die Ende der fünfziger Jahre mit der Herausbildung der besonderen Plattform der maoistischen Führung in der kommunistischen Weltbewegung begann. Trotz einzelner beachtenswerter Symptome entwickelte sich im Nachkriegsjahrzehnt die Politik der VR China gegenüber Japan insgesamt in Übereinstimmung mit den Bemühungen der Sowjetunion und der gesamten kommunistischen Weltbewegung. Der Grundzug der chinesischen Taktik bestand darin, sich auf die demokratischen Kräfte Japans zu stützen und sich zu bemühen, die Beziehungen zu Japan auf der Grundlage der Prinzipien der friedlichen Koexistenz zu gestalten.

In dem Maße, wie sich Ende der fünfziger Jahre die besondere Plattform Pekings herausbildete, wurde auch die Pekinger Japan-Politik nationalistisch entstellt. Während der allgemeinen antisowjetischen Umorientierung der Außenpolitik wurde der Annäherung an Japan besonderes Gewicht beigemessen. Unter Ausnutzung, rassistischer, ökonomischer und anderer Faktoren sowie der Gemeinsamkeit nationalistischer Ziele gegenüber den USA und insbesondere der Sowjetunion nahmen die maoistischen Führer Kurs auf die allseitige Erweiterung und Vertiefung der Verbindungen zum Monopolkapital und zur Regierungspartei Japans.

Es ist charakteristisch, dass dabei denjenigen, die bereits in der Vorkriegszeit enge Bindungen zu China hatten, besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. In Geschäftskreisen waren das die Vertreter des Großkapitals, die einst bedeutende Interessen in China hatten und dessen Wirtschaft gut kannten, wie Murata Sjozo, Kuhara Fusanoske, Takasaki Tatsunoske und andere. In Kreisen der Politiker waren das einflussreiche, engstens (auch durch verwandtschaftliche Bande) mit den Magnaten des japanischen Kapitals verbundene Männer, die bereits in den dreißiger Jahren eine Lösung der „Chinafrage“ auf dem Wege einer panasiatischen rassistisch-nationalistischen Vereinigung Chinas und ganz Asiens unter der Vorherrschaft Japans gesucht hatten. Diese Kräfte, die nicht an einen endgültigen Sieg der japanischen Waffen in China glaubten, hatten in der Verbreitung von rassistischen und nationalistischen Ideen eine Möglichkeit gesehen, China mit politischen Mitteln den Interessen des japanischen Imperialismus unterzuordnen. Das hätte ihnen gleichzeitig gestattet, die Anstrengungen auf den Kampf gegen den „Hauptfeind“ – die Sowjetunion – sowie auf die Verdrängung des westlichen Kapitals aus Asien zu konzentrieren.

Unter den Ideologen und „Praktikern“ einer rassistisch-nationalistischen japanisch-chinesischen Annäherung, auf die Peking seit Ende der fünfziger Jahre besondere Aufmerksamkeit richtete, muss man K. Matsumura nennen, dem die maoistischen Führer die Rolle einer Art Schirmherrn in den japanisch-chinesischen Beziehungen zugedacht hatten, sowie Kinkazu Sayonizi, Kazami Akira, Matsumoto Sigehara und andere. Viele von ihnen haben Erfahrungen bei der Verbreitung von projapanischen Stimmungen und Tendenzen der Kollaboration in China, besonders aus der Zeit des Guomindang-Regimes, als sie enge Bindungen zu Wang Jingwei und seiner Umgebung hatten. Hervorzuheben sind die engen Vorkriegsverbindungen dieser Kreise zum japanischen Geheimdienst und zur Generalität, deren Vertreter mit den ersten Anzeichen der nationalistischen Entartung der maoistischen Führung wieder im Bereich der japanisch-chinesischen Beziehungen auftauchten. Als Aktivisten einer japanisch-chinesischen „Freundschaft“ unter neuen Bedingungen traten zum Beispiel solche Leute auf wie der Kriegsverbrecher und ehemalige General der japanischen kaiserlichen Armee Endo Saburo, der unter anderem die Kontakte Pekings zum Mitsubishi-Kapital sicherte, sowie der erfahrene japanische Spion Tsuzi Masanobu, der seinerzeit das Vertrauen Wang Jingweis besass. -

Tsuzi Masanobu, der mehrmals auf Einladung der chinesischen Führung Peking besuchte und dort auf höchster Ebene, nämlich von Mao Tse-tung und Tschou En-lai, empfangen wurde, zog die besondere Aufmerksamkeit der Maoisten unter anderem dadurch auf sich, dass er für das maoistische Regime „ermutigende“ wohlklingende Prognosen von möglichen Resultaten eines „dritten Weltkrieges“ verbreitete, in dessen Verlauf, wie er schrieb und erklärte, sowohl die USA als auch die Sowjetunion von der Erdoberfläche verschwinden würden. [1]

Mit aktiver Unterstützung Pekings wurden einige dieser Ideologen der japanisch-chinesischen Verständigung auf rassistisch-nationalistischer Basis sogar für eine äußerst wichtige Rolle im demokratischen Lager Japans bestimmt. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass Kinkazu Sayonizi zu einer Art Sprachrohr der chinesischen Führung für Japan gemacht wurde. Er kam 1957 auf Einladung der maoistischen Führung in die VR China, wurde dort in die KP Japans aufgenommen und 1966 wegen seiner Bestrebungen, die Partei zu einer chinesischen Domäne zu machen, wieder ausgeschlossen. Kinkazu Sayonizi, Abkömmling eines der vornehmsten japanischen Geschlechter, Enkel des Prinzen Sayonizi, ist eng mit dem Kapital von Sumitomo und Mitsubishi verbunden. Er hatte sich bereits in den dreißiger Jahren um „eine harmonische Synthese“ „der drei Volksprinzipien“ der Guomindang mit der imperialistischen, expansionistischen Idee von einem „Groß-Ostasien“ bemüht.

Als Berater der Sozialistischen Partei Japans, als Leiter des Nationalen Rates für die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und der VR China und als Bevollmächtigter Pekings trat Kazami Akira auf, der seinerzeit Sekretär im Kabinett Konoe gewesen war.

Natürlich gingen die maoistischen Führer bei der Kontaktaufnahme zu den herrschenden Kreisen und bei dem Bemühen, die für diese Kreise traditionellen Hoffnungen auf eine mögliche „Zähmung“ des chinesischen Nationalismus zu beleben, von ihren eigenen Großmachtzielen aus. Angesichts des veränderten Kräfteverhältnisses in Asien verfolgten sie eine elastische Taktik des Manövrierens zwischen dem Antiamerikanismus und dem Antisowjetismus. Die maoistischen Führer rechneten damit, Japan zu ihrem politischen Verbündeten machen zu können und einen Zugang zum japanischen Kapital und zur japanischen Technik zu erhalten, die sie zur forcierten Entwicklung ihrer Wirtschaft und der Rüstungsindustrie einsetzen wollten. Die Anstrengungen der VR China waren in den letzten Jahren darauf gerichtet, von Japan die neueste und modernste Technik, Materialien und wissenschaftlich-technische Geheiminformationen zu Problemen der Kernenergie, der Produktion, der Ausrüstung und dem Start von kosmischen Raketen und Fernlenkraketen sowie anderer Waffenarten zu erhalten. Gewisse Erfolge sind auf diesem Gebiet offensichtlich. Die chinesischen Führer bedienten sich zu diesem Zweck in großem Maße sogenannter befreundeter Firmen, deren Tätigkeit in einer Reihe von Fällen an Wirtschaftsspionage grenzt.

Dabei glaubten die maoistischen Führer, denen die Taktik der imperialistischen Bourgeoisie Japans gut bekannt ist, nicht an eine Uneigennützigkeit oder Leichtgläubigkeit der japanischen Bourgeoisie hinsichtlich der wahren Ziele Pekings beim Aufgreifen der diskreditierten Lösungen des Panasiatismus. Sie erwarteten zwar von Japan umfassende wirtschaftliche und politische Unterstützung, waren aber keineswegs bereit, dafür Interessen Chinas aufzugeben. Die Vorteile ihrer Partnerschaft mit Japan wollten sie durch den Verrat der Interessen der Arbeiterklasse und der demokratischen Kräfte Japans, der Entwicklungsländer Asiens und Afrikas sowie der Sowjetunion und der sozialistischen Staatengemeinschaft demonstrieren.« {...}
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Anmerkung

1 Für die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und China. Bericht der Delegation der SPJ über ihren Besuch in der VR China, Tokio 1957, S. 120-129, jap.

Quelle: Die antisozialistische, entspannungsfeindliche Außenpolitik der Pekinger Führer. Dietz Verlag Berlin 1974. Vgl.: I. Bednjak, UdSSR, Die Politik der chinesischen Führung gegenüber Japan in der gegenwärtigen Etappe. Herausgegeben vom Institut für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED, Lehrstuhl Internationale Arbeiterbewegung, und vom Institut für Internationale Beziehungen der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR