Mao-Deng-Revanchisten für die imperialistische „Wiedervereinigung Deutschlands“
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (DDR 1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
»Es ist nicht genau bekannt, worüber man in Maos Winterwohnsitz bei Hangzhou in der Provinz Zhejiang gesprochen hat, als sich die „neuen Freunde“ – Strauß und Mao – im Januar 1975 zu Geheimgesprächen zurück- zogen.
Doch eines ist sicher:
Es war bestimmt nicht im Interesse der Völker, im Interesse der Gesundung des inter- nationalen Klimas, des Friedens und der Entspannung.
Doch auch andere Politiker vor und nach Strauß entdeckten plötzlich ihre Liebe für das maoistische China. Zu ihnen gehörten in den letzten Jahren neben Ministern, Wirtschaftsexperten und Politikern der BRD auch die Herren Genscher, Jaeger, Scheel und Kohl. -
Auch Bundeskanzler Helmut Schmidt befand sich Ende Oktober 1975 auf Ein- ladung der Regierung offiziell in der VR China, hatte Begegnungen mit Mao Tse-tung und mit Deng Xiaoping und erhielt Gelegenheit, als erster westlicher Staatsmann in der Provinz Xinjiang die Kriegsvorbereitungen der Maoisten an der mehrere tausend Kilometer langen Grenze zur UdSSR zu „besichtigen“.
Wie bereits vorher schon beim Besuch des amerikanischen Außenministers Kissinger Mitte Oktober 1975 in China betonte der stellvertretende chinesische Ministerpräsident Deng Xiaoping im Verlauf der Gespräche mit Bundeskanzler Helmut Schmidt erneut, dass die chinesische Seite der Bedeutung der in Helsinki unterzeichneten Schlussakte „völliges Unverständnis“ entgegenbringe.
Wenige Tage vor dem Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte am 12. Oktober 1975 die „Renmin Ribao“ einen von der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua herausgegebenen Kommentar veröffentlicht. Zielscheibe der groben Verleumdungen in diesem Artikel war der am 7. Oktober 1975 in Moskau unter- zeichnete Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand zwischen der UdSSR und der DDR.
Das Vokabular ging von „Ostdeutschland“, „Zementierung der Spaltung“ bis zu Begriffen wie „Entspannungsgerede“. Also selbst die korrekte Bezeichnung unseres Staates [ - Deutsche Demokratische Republik - ], mit dem die VR China seit immerhin 25 Jahren diplomatische Beziehungen unterhält, wird hier durch die unter Revanchisten in der BRD gebräuchliche Sprachregelung ersetzt. Was dann folgt, sind ausgesprochene Hetztiraden.
Im Gassenjargon erbosten sich die Maoisten durch Entstellungen, Schmähungen und Verleumdungen über die sich ständig vertiefenden brüderlichen Beziehungen [1975] zwischen der DDR und der UdSSR, die den Pekinger Führern seit langem ein Dorn im Auge sind.
Warum, so ist zu fragen, zieht Peking gegen diesen Freundschaftsvertrag so erbittert zu Felde? Deshalb, weil angeblich nicht sein kann, was nicht sein darf. Peking hat mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass es die wahrhaft historischen Veränderungen, die neuen politischen Realitäten in Europa aufgrund seiner antisozialistischen Position negiert. Besonders betrifft das die nach 1945 entstandenen Grenzen und die Grundprinzipien der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung, wie sie in Helsinki vertraglich festgelegt wurden.
Besonderen Unmut Pekings ruft die im Vertrag vom 7. Oktober 1975 erneut bekräftigte gemeinsame internationalistische Verpflichtung zur Festigung und zum Schutz der sozialistischen Errungenschaften hervor. Deshalb, weil bekanntlich für die maoistische Propaganda das sozialistische Weltsystem längst aufgehört hat zu existieren. Die Maoisten haben sich von jeglicher Verantwortung für die Entwicklung des Sozialismus in der Welt losgesagt, im Gegenteil, sie stehen dem Geschehen im Sozialismus diametral gegenüber.
Interessant ist, dass die Mao-Clique in diesem Kommentar Krokodilstränen darüber vergießt, dass der Vertrag nicht auf die „Wiedervereinigung Deutschlands“ zielt. Indem dies noch mit Zitaten aus der BRD belegt wird, rundet sich das Bild: Hier wird offen für die revanchistischen Tendenzen in der BRD Partei ergriffen. Unschwer lässt sich erkennen, dass man nicht zufällig mit den politischen Ansichten von Strauß voll übereinstimmte, der bei seinen zweimaligen Besuchen im Jahre 1975 in China Wahlkampfmunition für seinen Wiederauftritt 1976 sammelte.
Die Maoisten sind dafür bekannt – zum Beispiel durch ihre Auftritte in der UNO –, dass sie versuchen, den Mangel an Argumenten mit wichtigtuerischem Eigenlob, mit Geschrei und Gezänk, mit üblen Verleumdungen wettzumachen. Doch Geschrei war noch nie Ausdruck besonderer Stärke und Überzeugungskraft. Mit ihren Attacken gegen den Vertrag UdSSR-DDR im antisozialistischen Chor der Entspannungsgegner beweisen sie nur, dass sie infolge ihres politischen Abenteurertums und ihres Antisowjetismus sich ein weiteres Mal mit den aggressivsten und reaktionärsten Kreisen [- historisch erfolgreich für die vereinten Antikommunisten und Revanchisten -] verbunden haben, die Europa in den kalten Krieg zurückzerren möchten. Aber sie werden sich – damit abfinden müssen, dass unser Bündnis mit der UdSSR für alle Zeiten und in jeder Situation unzerstörbar ist [- so die Überzeugung der Autoren im Jahr 1975]. -
Die Angriffe, die Pekings Führung gegen den Freundschaftsvertrag [UdSSR-DDR] richtet, sind schlicht gesagt, Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR und liegen auf der gleichen Wellenlänge wie die Versuche, Japan gegen die UdSSR vor den maoistischen Karren zu spannen. Was die DDR betrifft, so ist das ein Unterfangen, was von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.« [Anmerkung: Im historischen Rückblick jedoch erfolgreich im Dienst des deutschen Revanchismus und Imperialismus, der deutsch-europäischen Finanz- und Monopolbourgeoisie. - R. S.]
Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Chinas liebster Europäer.