Die „Wohltaten“ Pekings
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die Außenpolitik der Maoisten.
»Die Pekinger Führer haben in den sech- ziger und siebziger Jahren bisher 29 afrikanischen Ländern Kredite und andere ökonomische Hilfe versprochen.
Diese Versprechungen erwiesen sich in vielen Fällen als politischer Bluff. China leistete im wesentlichen nur Tansania, Sambia und einigen wenigen anderen afrikanischen Ländern eine größere ökonomische und militärische Hilfe.
Die „Wohltaten“ Pekings
Diese Länder zeigen sich jedoch über die „Wohltaten“ Pekings nicht sonderlich erfreut. Die Abgesandten Pekings, die vor allem auf ihre eigenen Interessen bedacht sind, bauen in diesen Ländern vielfach Betriebe, die sich auf keine beständigen Rohstoffquellen an Ort und Stelle stützen können, so dass die benötigten Rohstoffe aus China eingeführt werden müssen.
So verpflichtete sich China in der VR Kongo zum Bau einer Baumwollplantage und einer Textilfabrik, die die geerntete Baumwolle verarbeiten sollte. Die Fabrik wurde gebaut, die Plantage nicht. Damit wollte man die Textilfabrik von importierter chinesischer Baumwolle abhängig machen.
Was die Mehrzahl der Entwicklungsländer Afrikas betrifft, so haben sie nur einen geringen Teil jener Kredite erhalten, die ihnen Peking gemäß den abgeschlossenen Abkommen zu gewähren versprach. China hat seine Verpflichtung, bis 1973 den Bau von etwa 200 Betrieben in den Ländern Afrikas zu vollenden, nicht gehalten. Nur 60 kleine Fabriken der Nahrungsgüter- und der Leichtindustrie, Autostraßen sowie einige andere Objekte wurden ihrer Bestimmung termingemäß übergeben. Die weit und breit gepriesene ökonomische „Hilfe“ Chinas erwies sich für die Mehrheit der Länder Afrikas lediglich als Fata Morgana. Wenn man der großen Reklametrommel Glauben schenken kann, so hat die VR China angeblich in den Jahren 1953 bis 1973 einer Reihe afrikanischer Länder Finanzhilfen und Kredite in einer Gesamthöhe von 1,2 Milliarden US-Dollar gewährt, das heißt zumindest versprochen.
Nach einer Veranschlagung für Ende des Jahres 1971 übernahm die VR China die Verpflichtung, in den Entwicklungsländern 284 Objekte zu bauen, von denen 227 (etwa 80 Prozent) zu den Zweigen der Leicht- und der Nahrungsmittelindustrie, der Landwirtschaft, des Verkehrs- und Verbindungswesens und der Dienstleistungen gehören.
Schätzungsweise waren Anfang 1972 in den Entwicklungsländern mit Hilfe der VR China von den eingeplanten 284 Objekten erst 88 Objekte gebaut worden, davon 26 Betriebe der Leicht- und der Nahrungsgüterindustrie, elf kleine und mittlere Betriebe der Schwerindustrie, zwölf landwirtschaftliche und Bewässerungsobjekte und 39 Verkehrsanlagen und Dienstleistungsobjekte.
Trotz der Behauptungen der maoistischen Propaganda, die chinesische Hilfe sei „die zuverlässigste, effektivste und uneigennützigste“, zieht das Pekinger Regime aus den Krediten vor allem Nutzen für sich selbst.
Von 1960 bis 1970 hat sich der Handel der VR China mit den Ländern Afrikas um das 2,2fache erhöht. Besonders lebhaft entwickelte sich der Handel mit Guinea, Mali, Äquatorial-Guinea, Kenia, Marokko, Mauretanien, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Tansania, Tunesien und Sambia. Er entwickelte sich zwar ungleichmäßig, stieg aber in den letzten Jahren ständig an.
Es ist charakteristisch, dass bei einer solchen Steigerung des Handelsumsatzes die Zahlungsbilanz ständig zugunsten Chinas gestaltet wird. So wurde 1970 der Export der VR China nach Afrika mit 138,8 Millionen US-Dollar beziffert, der Import aber mit nur 65 Millionen US-Dollar. Also ein Übergewicht des Exports über den Import um mehr als das Doppelte.
Die Kluft im Handelsumsatz ruft auf der afrikanischen Seite ständige Unzufriedenheit hervor. „Wir sind enttäuscht darüber, dass die Handelsbilanz offensichtlich für China von Vorteil ist, obwohl es bei uns mehr Waren kaufen könnte, als es das gegenwärtig tut“, klagte der ehemalige Bundeskommissar für Industrie und Handel Nigerias, Shetima ali Monguno, in der 'Daily Times' – Lagos vom 27. April 1971. -
Die Ursache für die gegenwärtige Lage der Dinge ist verständlich: das geringe Interesse Chinas am Import afrikanischer Waren und im Gegensatz dazu das ständige Interesse Chinas an wertvollen afrikanischen Rohstoffen und vor allem an seiner Währung, die China für die Deckung seiner Passivsaldos im Handel mit den kapitalistischen Ländern dringend benötigt.
Wie die libanesische Zeitung „Al Shaab“ am 3. August 1973 feststellte, „ist China bestrebt, Afrika zu einem Absatzmarkt seiner Waren und zu einer Quelle der notwendigen Finanzmittel zu machen“.«
[Fortsetzung folgt.]
Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Die „Wohltaten“ Pekings.