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Die Vernichtungspolitik gegen die Sowjetunion

Bereitgestellt von Reinhold Schramm

Die Bedeutung der kapitalfaschistischen Kriegsziele für die Vernichtungspolitik im Krieg gegen die Sowjetunion.

«Die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen war von Anfang an in ungleich stärkerem Maße als die der anderen Kriegsgefangenen an bestimmte Prinzipien der NS-Ideologie geknüpft; in mehr als einer Hinsicht sind eindeutige Parallelen zur Ausrottung der europäischen Juden unverkennbar. Ein Symptom dafür ist neben den bereits erwähnten Massenerschießungen die Tatsache, dass der technisch perfektionierte Massenmord mit dem Gas „Zyklon B“ im KZ Auschwitz im Herbst 1941 erstmals an 900 sowjetischen Kriegsgefangenen „erprobt“ wurde.[1] –

Diese enge Bindung des Schicksale der sowjetischen Kriegsgefangenen an einen bestimmten Bereich der NS-Ideologie erfordert es, zunächst kurz die nationalsozialistischen [kapitalfaschistischen] Kriegsziele in Erinnerung zu rufen, auch deshalb, weil eine Beschäftigung mit den Quellen sehr schnell zeigt, dass Wehrmachts- und Heeresführung in der Vorbereitungsphase mit ideologischen Forderungen der NS-Führung konfrontiert wurden.

Erst in den letzten Jahren [vor 1978] ist die – relativ zu verstehende – Geschlossenheit von Hitlers Weltanschauung und die erstaunlich konsequente Verfolgung eines seit der Mitte der zwanziger Jahre feststehenden Zielentwurfs herausgearbeitet worden.[2] Die Feststellung eines solchen Zielentwurfs Hitlers gestattet nun freilich nicht den Fehlschluss, dass Hitler die Verwirklichung  dieses Entwurfs – kraft seiner überragenden Persönlichkeit und eines totalitären Regimes  – gegen den Widerstand der deutschen Führungseliten erzwungen habe. Wenn im folgenden von „Hitlers Zielen“ und „Hitlers Krieg“ die Rede ist, dann immer unter dem Vorbehalt, dass damit  seine Gedankengänge, nicht aber deren Umsetzung in die Realität gemeint sind. Die Beschreibung des Prozesses der Realisierung seiner Pläne im Frühjahr 1941 wird zeigen, in welch weitgehendem Maße dies Pläne auch in Wehrmachts- und Heeresführung akzeptiert, wenn nicht geteilt wurden.

In Hitlers weltmachtpolitischen Phantasien – die nicht als durchrationalisierter Plan überbewertet werden dürfen, da sie nur grob umrissene Ziele vorgaben – sind drei Stufen erkennbar: [3]

• 1. Ein durch Verzicht auf überseeische Kolonien erreichtes Bündnis mit England erlaubt es, Kontinentaleuropa einschließlich der Sowjetunion zu unterwerfen und damit die Basis für die Erkämpfung einer deutschen Weltmachtstellung zu schaffen.

• 2. Das Ausgreifen nach Übersee von dieser Position aus und die damit verbundene Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten bringt die Vorentscheidung im Kampf um die Weltherrschaft.

• 3. Die rassisch bedingte Weltherrschaft über den Globus wird errichtet.[4]

Die erste Stufe betrachtete Hitler dabei als seine zentrale Aufgabe; für ihre Verwirklichung sah er im November 1937 den Zeitraum 1943–1945 vor.[5]

Sein Kalkül, die strategischen Voraussetzungen für die Errichtung dieses Ziels durch eine Reihe isolierter „Blitzfeldzüge“ zu schaffen, scheiterte, als entgegen seinen Erwartungen im September 1939 England und Frankreich den deutschen Überfall auf Polen mit Kriegserklärungen beantworteten und als England sich auch nach der Kapitulation Frankreichs nicht zum Einlenken bereit zeigte.[6] Hitlers Konsequenz daraus war der im Dezember 1940 beschlossene „improvisierte Kriegsplan“, der in Abänderung der ursprünglichen Konzeption den sofortigen Krieg gegen die Sowjetunion vorsah. Dies war nicht nur der Versuch, England seinen „Festlanddegen“ zu zerschlagen und dadurch zum Einlenken zu zwingen, sondern gleichzeitig der Entschluss für den „eigentlichen Krieg“, den Hitler seit den zwanziger Jahren  angestrebt hatte.[7] Diese Entscheidung bedeutete zugleich den Übergang vom Vorherrschen des „machtpolitischen Kalküls“ zu dem des „rassischen Dogmas“.[8] Mittel und Zweck sollten eins werden.

Die Tatsache, dass der Ostkrieg einerseits funktionale Bedeutung für den Gesamtkrieg hatte, zugleich aber der „eigentliche“ Krieg war, den nicht nur die NS-Führung seit den zwanziger Jahren angestrebt hatte, bedeutete, dass für die Art der Kriegführung auch langfristige Zielsetzungen wirksam wurden. In diesen Zielsetzungen verbanden sich vier Motivationen:[9]

• 1. die Ausrottung der „jüdisch-bolschewistischen“ Führungsschicht der Sowjetunion einschließlich der ostmitteleuropäischen Juden, die als „biologische Wurzel“ des „jüdischen Bolschewismus“ galten;

• 2. die Unterwerfung der slawischen Massen [und ihre Dezimierung (10)];

• 3. die Gewinnung eines durch deutsche Siedler zu germanisierenden Kolonialreichs in den besten Teilen der Sowjetunion [11];

• 4. die Schaffung eines autarken „Großraums“ Kontinentaleuropa unter deutscher Herrschaft als sichere Basis für die weitere Auseinandersetzung mit den verbliebenen Gegnern, den angelsächsischen Seemächten.

Neben den Zielen, die – außer dem ersten – im wesentlichen erst nach der Niederwerfung der Sowjetunion in Angriff genommen werden sollten und die zunächst nur als Globalforderungen vorgegeben waren, erwarteten NS- und Wehrmachtsführung von der Eroberung der Sowjetunion, die Erfüllung vor allem eines konkreten Nahziels, das für die Weiterführung des Gesamtkrieges für notwendig gehalten wurde.

Mit der Erkenntnis, dass das Konzept mehrerer isolierter Blitzkriege zur Erreichung des Hauptziels „Lebensraum im Osten“ am Widerstand Englands gescheitert war, hatte für die gesamte deutsche Führung das Trauma einer erneuten Hungerblockade und eines „erneuten Zusammenbrechens der Heimat“ an Gewicht gewonnen.[12] Das Blitzkriegskonzept selbst war wesentlich dadurch bestimmt gewesen, dass man glaubte, damit dem „totalen Krieg“ entgehen zu können, ein Mittel zu haben, „Krieg zu führen, ohne die [deutsche] Zivilbevölkerung schwer zu belasten und damit ein Regime zu stören, das sich seiner Stellung keineswegs ganz sicher war“.[13] Das Scheitern des Blitzkriegskonzepts musste aber diese Belastungen unweigerlich zur Folge haben. Für die deutsche Führung war deshalb die Hoffnung, mit einem schnellen Sieg über die Sowjetunion und kolonialer Ausbeutung der eroberten Gebiete die deutsche Rohstoff- und Ernährungsbasis mit einem Schlag entscheidend zu bessern, ein ausschlaggebender Faktor für den Entschluss zum Ostkrieg. Aus Hitlers Tischgesprächen geht sehr deutlich hervor, welch grotesk übertriebene Erwartungen er einerseits in das Ernährungspotenzial der Ukraine setzte und welche große Bedeutung er andererseits der Sicherstellung der „Moral“ der deutschen Bevölkerung durch die Erhaltung eines friedensmäßigen Ernährungs- und Lebensstandards beimaß.[14] Mit der Ausbeutung der eroberten Ostgebiete sollte als quasi im Vorgriff das langfristige Kriegsziel „Bildung eines autarken, blockadefesten Großraums“ zumindest teilweise verwirklicht werden. Nicht zufällig verwendete Hitler in seinen „Tischgesprächen“ im Herbst 1941 erstmals das Schlagwort von der „Festung Europa“.[15] 

Ebenso sollte bereits während des Feldzuges das erste der vier Fernziele in Angriff genommen werden: die Vernichtung des „jüdischen Bolschewismus“. Dabei ist festzustellen, dass dieses Ziel noch während der Vorbereitungsphase radikalisiert wurde.[16]

Die Verwirklichung dieser Ziele führte zur Erschießung von Hunderttausenden von Juden und Kommunisten, Zivilisten wie Kriegsgefangenen, durch die SS-Einsatzgruppen, aber auch durch Wehrmachtseinheiten. Das weitere Ziel der Dezimierung der sowjetischen Bevölkerung hatte überdies eine von Anfang an bewusst mit Vernichtungsabsicht gegenüber der slawischen Bevölkerung geführte „Partisanenbekämpfung“ zur Folge – noch bevor die Partisanenbewegung eigentlich entstanden war.[17] Die Ausbeutungspolitik schließlich wurde zur wichtigsten Ursache für den Hungertod von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilisten.

Es wurde bereits auf die Gefahr verwiesen, dass die Ostpläne der NS-Führung und damit auch die Zielstrebigkeit ihres Handelns überschätzt werden. Die Erkenntnis einer langfristigen Programmatik Hitlers und ihrer – in der Retrospektive! – beklemmend konsequenten Durchführung darf nicht zu der kurzschlüssigen Folgerung führen, das „totalitäre System“ des Nationalsozialismus [Kapitalfaschismus] habe nach der Gleichschaltung aller gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen in ein „monolithisch strukturiertes“ und „machiavellistisch durchrationalisiertes“ Herrschaftsgebilde die Verwirklichung der Hitlerischen Pläne unter Anwendung terroristischer Methoden erzwungen.[18] Dabei würde übersehen, dass es sich bei den nationalsozialistischen [kapitalfaschistischen] Kriegszielplänen um alles andere als systematisch durchdachte Pläne mit klar formulierten Prioritäten handelte. Eine Analyse der „Pläne“ Hitlers zeigt, dass sie sich in einem sehr groben Zielentwurf auf der einen und punktuellen, geradezu grotesk detailliert ausgemalten Zukunftsbildern auf der anderen Seite erschöpften.[19] Konkrete Pläne, wie man zur Verwirklichung dieser Phantasien kommen könne, existierten nicht [20]: Die Frage der Vermittlung zwischen Wunschbild und Realität stand offen. Da es der NS-Führung weder gelungen war, die traditionellen Führungseliten – hier vornehmlich die Wehrmachts- und die Heeresführung, aber auch die Ministerialbürokratie – völlig zu „bekehren“, noch sie durch eine eigene NS-Elite zu ersetzen, war die NS-Spitze auf die willige Mitarbeit der traditionellen Eliten bei der Verwirklichung dieser Ziele angewiesen. „Verwirklichung“ bedeutet dabei nicht nur die tatsächliche Durchführung, sondern auch die dazu notwendige konkrete Planung der Durchführung.

Die Integration der alten Eliten wurde dabei dadurch ermöglicht, dass das Globalziel nur ein grobes Raster bot, das von ihnen mit den eigenen Zielen aufgefüllt werden konnte, und dass gerade die Beteiligung an Planung und Durchführung die Gewähr für die Durchsetzung der eigenen Ziele zu bieten schien. Für die NS-Führung bedeutete dies, dass stets die Möglichkeit bestand, dass die traditionellen Führungsschichten durch die Erkenntnis der Unvereinbarkeit ihrer eigenen Ziele mit den NS-Zielen an einem bestimmten Punkt veranlasst werden konnten, die Zusammenarbeit aufzukündigen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die NS-Führung in den ersten Monaten des Jahres 1941 damit rechnen konnte, die Verwirklichung des Ziels der Vernichtung von Bolschewismus und Judentum in dem Maße zu erreichen, in dem dies dann im Sommer 1941 der Fall war. Ich möchte die unten näher zu belegende These aufstellen, dass dies nicht der Fall gewesen sein kann.[21]» {...}

 

Anmerkungen

 

1 Nach dem Bericht des damaligen Kommandanten von Auschwitz; Rudolf Höss, Kommandant in Auschwitz, hrsg. Martin Broszat, München 1963, S. 126 f., 159. Vgl. unten Kap. IX.

2 Im Ansatz bei Ernst Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 54 f.; jetzt vor allem Eberhard Jäckel, Hitlers Weltanschauung, Tübingen 1969; Klaus Hildebrand, Deutsche Außenpolitik 1933–1945, Stuttgart 1971, und, als knappste Zusammenfassung, Andreas Hillgruber, „Die ,Endlösung’ und das deutsche Ostimperium“, VfZ 20 (1972), S. 133–53.

3 Nach Hildebrand, Außenpolitik, S. 27 f.

4 Vgl. die Reden Hitlers vom 25. 1. 1939 (Hans-Adolf Jacobsen/Werner Jochmann, Ausgewählte Dokumente zur Geschichte des Nationalsozialismus [Kapitalfaschismus], Bielefeld 1961, S. 5) und 8. 5. 1943 (in der Aufzeichnung Goebbels: Hans-Adolf Jacobsen, Der Zweite Weltkrieg. Grundzüge der Politik und Strategie in Dokumenten, Frankfurt 1965, S. 198). – Den sinnfälligsten Ausdruck fand dieses Ziel in Hitlers Bauplänen: die megalomane „große Halle“ sollte von einem Reichsadler bekrönt werden, der die Weltkugel in seinen Fängen hielt: vgl. Albert Speer, Erinnerungen, Berlin 1969, S. 175 mit Bildtafeln nach S. 160.

5 Vgl. die sog. Hoßbach-Niederschrift, ADAP, Ser.D., Bd. 1, Nr. 19; Hildebrand, Außenpolitik, S. 55–57.

6 Hillgruber, Strategie, S. 28–64.

7 A.a.O., S. 362. Vgl. den in Anm. 2 genannten Aufsatz Hillgrubers mit den dort angeführten Quellen.

8 Hildebrand, Außenpolitik, S. 107–21. Ähnlich Hillgruber, Strategie, S. 392.

9 Nach Hillgruber, a.a.O., S. 519 f. (in anderer Reihenfolge).

10 Vgl. die Äußerung Görings gegenüber dem italienischen Außenminister Ciano im Nov. 1941: Ciano’s Diplomatic Papers, hrsg. Malcolm Muggeridge, London 1948, S. 465. – Der persönliche Referent Rosenbergs, SA-Standartenführer Dr. Koeppen, der als Rosenbergs Verbindungsmann zum Führerhauptquartier fungierte, forderte R. am 17.10.1941 auf, sich angesichts der „außerordentlich scharfen und bestimmten Ausführungen“ Hitlers um eine klare Abgrenzung seiner Kompetenzen als RmfdbO gegenüber denen Himmlers als RKF zu bemühen. Der RmfdbO werde sonst „zu einer Nebensächlichkeit herabsinken [...]. Seine Aufgabe bestände dann noch darin, die in Reservaten zusammengepferchten Slawen möglichst bald zum Auswandern oder zum Aussterben zu bringen“, BA R 6/34a, Bl. 52.

11 Entgegen der Ansicht Hillgrubers (Strategie, S. 519 Anm. 13) war der Generalität das Ziel Hitlers, den eroberten Ostraum zu kolonisieren, von Anfang an bekannt. Bereits in seiner ersten Rede vor Reichswehrgeneralen nach der Machtübernahme, am 3. 2. 1933, hatte Hitler als ein Ziel seiner Politik die „Eroberung neunen Lebensraums im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung“ genannt; vgl. die sog. Liebermann-Niederschrift, VfZ 2 (1954), S. 435. Dass dieses Ziel in Vergessenheit geriet, belegt eine an Reichsminister von Blomberg gerichtete Denkschrift vom August 1937, in der der Oberbefehlshaber des Heeres, von Fritsch, betonte, dass das Heer im Vergleich mit den anderen Wehrmachtsteilen stets die letzte Entscheidung bringen werde, „solange die Ziele eines deutschen Sieges nur in Ost-Eroberungen liegen können [...].“: zit. nach Walter Görlitz (Hrsg.), Generalfeldmarschall Keitel, Göttingen 1961, S. 128.

12 Zur Bedeutung des November-Traumas vgl. Tim Mason „The Legacy of 1918 for national Socialism“, in: A. Nicholls-E. Matthias, German Democracy and the Triumph of Hitler, London 1971, S. 215–239. – Die Tatsache, dass sich Hitler vor dem 22. 6. 1941 nicht sicher sein zu können glaubte, ob in der Wehrmacht nicht doch „vom Kommunismus verseuchte Elemente“ seien (Hitlers Table Talk, ed. H. R. Trevor-Roper, London 1953, S. 34, 17./18. 9. 1941) unterstreicht ebenso wie seine noch zu belegende Furcht vor einer kommunistischen „Verseuchung“ der Industriearbeiterschaft durch sowjetische Kriegsgefangene die Bedeutung dieses Traumas.

13 Alan S. Milward, Die Deutsche Kriegswirtschaft 1939–1945, Stuttgart 1966, S. 15.

14 Vgl. zur Bedeutung der Ukraine in Hitlers Kalkül z.B. die Tischgespräche vom 19./20. 8. 1941; 17./18. 9. 1941: Die Ukraine werde Weizen für ganz Europa liefern: Table Talk, S. 28 f., 34. – Zur Bedeutung der „Stimmung“ der Bevölkerung vgl. etwa das Gespräch vom 9. 7. 1942 (mittags) H. Picker, Hitlers Tischgespräche, hrsg. v. Andreas Hillgruber, München 1968, S. 230.

15 Tischgespräch vom 17./18. 9. 1941, Table Talk, S. 31.

16 Vgl. unten Kap. III und VI.6.

17 Es war zumindest Hitler und der Wehrmachtsführung vor Stalins Aufruf zum Partisanenkampf klar, dass eine Partisanenbewegung schon „infolge vorauszusehender Hungersnot in großen Teilen der eroberten Gebiete“ entstehen würde: so der Chef des OKW, Keitel, am 5. 7. 1941 an den Befh. des Ersatzheeres, Fromm (OKW/WESs/Abt. I., Nr. 441158/41 gKdos.Chefs. [höchster Geheimhaltungsgrad], BA/MA RW 4/v. 578, Bl. 105 f. – Vgl. die Reaktion Hitlers auf Stalins Aufruf: „Die Russen haben jetzt einen Befehl zum Partisanen-Krieg hinter unserer Front gegeben. Dieser Partisanen-Krieg hat nun auch wieder seinen Vorteil: er gibt uns die Möglichkeit, auszurotten, was sich gegen uns stellt“. (Vermerk Bormanns über Bespr. Hitlers mit Bormann, Göring, Keitel, Lammers am 16. 7. 1941, IGM XXXVIII, S. 88, 211–L; Hv. im Orig.) 

18 Die dieser Sicht zugrundeliegende Totalitarismustheorie, durch die der größte Teil der frühen Arbeiten über den NS [Kapitalfaschismus – R. S.] geprägt war und die heute noch das konservative Bild vom Nationalsozialismus [Kapitalfaschismus] bestimmt, ist in den letzten Jahren [vor 1978] überzeugend widerlegt worden, vgl etwa Hans Mommsen, Beamtentum im Dritten Reich, Stuttgart 1966; Martin Broszat, Der Staat Hitlers, München 1969. Das bedeutet natürlich nicht, dass der totalitäre Anspruch des Regimes und der Einsatz von Terror zur Disziplinierung des einzelnen übersehen werden.

19 Vgl. dazu die „Tischgespräche“ Hitlers, Juli 1941 bis Herbst 1941, in denen die Gestaltung des zukünftigen Siedlungsraumes im Osten ständig wiederkehrendes Thema war: Tischgespräche und Table Talk, passim.

20 Der vom Leiter des Planungsamtes im Stabshauptamt des RKF, SS-Staf. Prof. Meyer-Hetling, am 15. 7. 1941 Himmler in erster Version vorgelegte „Generalplan Ost“, der einen ersten Versuch systematischer Planung darstellte, ging auf einen Auftrag Himmlers vom 24. Juni 1941 zurück: G. Eisenblätter, Grundlinien der Politik des Reichs gegenüber den Generalgouvernement, Frankfurt 1969, S. 206 f. mit Anm. 4.

21 Vgl. unten Kap. III.5 und VI.6.

Quelle: Christian Streit: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1978. Vgl.: II. Die Bedeutung der nationalsozialistischen Kriegsziele für die Vernichtungspolitik im Krieg gegen die Sowjetunion. // Studien zur Zeitgeschichte. Herausgegeben vom Institut für Zeitgeschichte.

 

06.05.2015, Reinhold Schramm (Bereitstellung)