Die »Maotsetungideen« sind eine Spielart des Revisionismus
von Enver Hoxha - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
»Die ›Maotsetungideen‹ sind eine Spielart des Revisionismus, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Gestalt anzunehmen begonnen hat, besonders nach 1935, als Mao Tse-tung an die Macht kam.
In dieser Periode löste Mao Tse-tung mit seinen Gefolgsleuten unter der Parole des Kampfes gegen den ›Dogmatismus‹, die ›fertigen Schemata‹, die ›fremden Schablonen‹ usw. eine theoretische Kampagne aus und warf in Leugnung des universalen Charakters des Marxismus-Leninismus das Problem der Ausarbeitung des nationalen Marxismus auf.
Statt des Marxismus-Leninismus predigte er die ›chinesische Art‹ der Behandlung der Probleme und den ›... lebhaften und von Frische erfüllten, für die Ohren und die Augen des chinesischen Volkes angenehmen‹ (Mao Tse-tung, Ausgewählte Werke, alb. Ausgabe, Bd. 4, S. 84.) chineesischen Stil und propagierte damit die revisionistische These, der Marxismus müsse in jedem Land einen besonderen spezifischen Inhalt haben.
Die ›Maotsetungideen‹ wurden zur höchsten Stufe des Marxismus-Leninismus in der heutigen Epoche erklärt. Die chinesischen Führer haben erklärt, dass ›Mao Tse-tung mehr geleistet hat als Marx, Engels und Lenin ...‹. Im Statut der Kommunistischen Partei Chinas, dass auf ihrem 9. Parteitag verabschiedet wurde, der seine Arbeiten unter Mao Tse-tungs Leitung abhielt, heißt es, dass ›die Maotsetungideen der Marxismus-Leninismus der Epoche sind ...‹, dass ›Mao Tse-tung den Marxismus-Leninismus beerbe, verteidige und entwickelte und bewirkte, dass er in eine neue und höhere Etappe eintrat‹ (9. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas, Dokumente, S. 79-80, Tirana 1969.).
Dass der Tätigkeit der Partei nicht die Prinzipien und Normen des Marxismus-Leninismus, sondern die ›Maotsetungideen‹ zugrunde gelegt wurden, öffnete dem Opportunismus und dem Fraktionskampf un den Reihen der Kommunistischen Partei Chinas noch mehr die Türen.
Die ›Maotsetungideen‹ sind ein Amalgam von Auffassungen, in dem von Marxismus-Leninismus entliehene Ideen und Thesen mit anderen – idealistischen, pragmatischen und revisionistischen – philosophischen Prinzipien verquickt worden sind. Sie haben ihre Wurzeln in der alten chinesischen Philosophie und in der politischen ideologischen Vergangenheit Chinas, in seiner staatlichen und militaristischen Praxis.
Alle chinesischen Führer, sowohl die, die gegenwärtig die Macht innehaben, als auch die, die an der Macht waren und aus ihr gestürzt wurden, jedoch manövrierten, um ihre konterrevolutionären Pläne in die Tat umzusetzen, hatten und haben die ›Maotsetungideen‹ als ideologische Grundlage. -
Mao Tse-tung hat selbst zugegeben, dass seine Ideen von allen ausgenutzt werden können, von den Linken wie von den Rechten, wie er die verschiedenen Gruppen nennt, die die chinesische Führung bilden. -
In seinem Brief an Tschiang Tsching vom 8. Juli 1966 erklärte Mao Tse-tung, dass ›die Rechte an der Macht meine Worte benutzen kann, um für eine gewisse Zeit mächtig zu werden, doch die Linke kann andere meiner Worte benutzen und sich organisieren, um die Rechten zu stürzen‹ (›Le Monde‹ vom 2. Dezember 1972.) -
Dies zeugt davon, dass Mao Tse-tung kein Marxist-Leninist gewesen ist, dass seine Ansichten eklektizistisch sind. Das zeigt sich in Maos ganzem ›theoretischem Werk‹, das trotz der Verschleierung mit ›revolutionärer‹ Phraseologie und ›revolutionären‹ Schlagworten die Tatsache nicht verbergen kann, dass die ›Maotsetungideen‹ mit dem Marxismus-Leninismus nichts gemein haben.
Ein kritischer, sei es auch nur teilweiser Blick auf Maos Schriften, auf die Art und Weise der Behandlung der grundlegenden Probleme, die mit der Rolle der Kommunistischen Partei, mit den Fragen der Revolution, des Aufbaus des Sozialismus usw. zu tun haben, macht den tiefgreifenden Unterschied zwischen den ›Maotsetungideen‹ und dem Marxismus-Leninismus vollkommen klar.«
[Auszug.]
Quelle: Enver Hoxha: Imperialismus und Revolution. Verlag „8. Nëntori“, Tirana, 1979.