Die “Kulturrevolution“ liquidierte die Kommunistische Partei Chinas
von Enver Hoxha - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
»Der Verlauf der Ereignisse zeigte, dass die große Proletarische Kulturrevolution weder eine Revolution, noch groß, noch kulturell und schon gar nicht proletarisch war. Sie war ein Palastputsch im gesamtchinesisch- en Maßstab, um eine Handvoll von Reaktionä- ren zu liquidieren, die die Macht ergriffen hatte.
Diese Kulturrevolution war natürlich eine Mystifikation. Sie liquidierte sowohl die Kommunistische Partei Chinas als auch die Massenorganisationen und stürzte China in ein neues Chaos. Diese Revolution wurde von nichtmarxistischen Ele- menten geführt, die von anderen antimarxistischen und faschistischen Elemen- ten durch einen Militärputsch liquidiert wurden.
In unserer Presse wurde Mao Tse-tung als großer Marxist-Leninist bezeichnet, niemals jedoch haben wir die Definition der chinesischen Propaganda gebraucht und anerkannt, die Mao als Klassiker des Marxismus-Leninismus und die ›Maotsetungideen‹ als dessen dritte und höchste Etappe bezeichnete. Unsere Partei hat die Aufblähung des Kults um Mao Tse-tung in China als mit dem Marxismus-Leninismus unver- einbar betrachtet.
Der chaotische Verlauf der Kulturrevolution und ihre Ergebnisse bestärkten noch mehr die noch nicht richtig herauskristallisierte Ansicht, dass man den Marxis- mus-Leninismus in China nicht kannte und nicht anwandte, dass die Kommunis- tische Partei Chinas und Mao Tse-tung keine marxistisch-leninistischen Ansichten hatten, ungeachtet der Fassade und der Parolen, derer sie sich bedienten – ›für das Proletariat, für seine Diktatur, für das Bündnis mit der armen Bauernschaft‹ und dergleichen Formeln mehr.
Im Licht dieser Ereignisse begann unsere Partei die Ursachen der Schwankungen tiefer zu erkennen, die an der Haltung der chinesischen Führung gegenüber dem Chruscht- schowrevisionismus aufgefallen waren, so 1962, als sie die Versöhnung und Vereinigung mit dem Sowjetrevisionismus im Namen angeblich einer gemeinsamen Front gegen den amerikanischen Imperialismus anstrebte, oder 1964, als Tschou En-lai, in Fortsetzung seiner Bemühungen um die Aussöhnung mit den Sowjets, nach Moskau fuhr, um den Machtantritt der Breschnewgruppe zu begrüßen. Diese Schwankungen waren kein Zufall, sie spiegelten den Mangel an revolutionären Prinzipien und an revolutionärer Konsequenz wider.
Als Nixon nach China eingeladen wurde, und als die chinesische Führung mit Mao Tse-tung an der Spitze die Politik der Annäherung und Vereinigung mit dem amerikanischen Imperialismus verkündete, zeigte sich klar, dass die chinesische Linie und Politik in vollen Widerspruch zum Marxismus-Leninismus und zum proletarischen Internationalismus gerieten. -
Danach begannen die chauvinistischen und hegemonistischen Ziele Chinas deutlicher zu werden. Die chinesische Führung begann offener gegen die revolutionären und Befreiungskämpfe der Völker, gegen das Weltproletariat und die wahre marxistisch-leninistische Bewegung aufzutreten. Sie entrollte die sogenannte Theorie der drei Welten, die sie der gesamten marxistisch-leninistischen Bewegung als Generallinie aufzuzwingen versuchte.
Ausgehend von den Interessen der Revolution und des Sozialismus und in der Meinung, die Fehler, die in der Linie der Kommunistischen Partei Chinas festzustellen waren, rührten von der unrichtigen Einschätzung der Situation und von verschiedenen Schwierigkeiten her, bemühte sich die Partei der Arbeit Albaniens mehr als einmal, der chinesischen Führung dabei zu helfen, diese Fehler zu berichtigen und zu überwinden. Unsere Partei hat gegenüber Mao Tse-tung und den anderen chinesischen Führern aufrichtig und kameradschaftlich ihre Ansichten über eine ganze Reihe von Handlungen Chinas geäußert, die die Generallinie der marxistisch-leninistischen Bewegung, die Interessen der Völker und der Revolution direkt verletzten; ihre kritischen Hinweise und ihr Nichteinverständnis hat sie dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas offiziell und schriftlich zur Kenntnis gegeben.
Doch die richtigen und prinzipienfesten Hinweise unserer Partei hat die chinesische Führung nie gut aufgenommen. Sie hat nie darauf geantwortet und nicht eingewilligt, dass darüber diskutiert wurde.
Inzwischen wurden die antimarxistischen Handlungen der chinesischen Führung innerhalb wie außerhalb des Landes offener und augenscheinlicher. All das zwang unsere Partei wie alle anderen Marxisten-Leninisten, die Linie der Kommunistischen Partei Chinas und die politischen und ideologischen Konzeptionen, von denen sie sich leiten ließ, ihre konkrete Tätigkeit und deren Auswirkungen neu zu bewerten. -
Als Folge davon erkannten wir, dass die ›Maotsetungideen‹, von denen sich die Kommunistische Partei Chinas leiten ließ und lässt, eine gefährliche Spielart des modernen Revisionismus darstellen, gegen die auf theoretischer und politischer Ebene ein allseitiger Kampf geführt werden muss. «
[Auszug.]
Quelle: Enver Hoxha: Imperialismus und Revolution. Verlag „8. Nëntori“, Tirana 1979. Vgl.: Die „Maotsetungideen“ – eine antimarxistische Theorie.