Die Entstehung der marxistischen Philosophie (Teil 55)
von Teodor Oiserman - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die historische Entwicklung der Eigentums- formen. Der Widerspruch zwischen Produk- tivkräften und Produktionsverhältnissen. Das Problem des Staates und der Revolu- tion.
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In den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“ kam Marx im Grunde genommen schon zu dem Ergebnis, dass die ökonomische Basis (die bürgerliche Gesellschaft) den politischen und ideologischen Überbau bestimmt. Aber der Begriff der Produktionsverhältnisse war dort noch nicht formuliert. Es ging hauptsächlich um die Eigentumsverhältnisse, die, wie Marx später vermerkt, der juristische Ausdruck der Produktionsverhältnisse sind.
Aber in den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“ wird noch nichts über die entschei- dende Rolle der materiellen Produktion für die Entwicklung der Gesellschaft ge- sagt. Diese Entdeckung wurde erst in den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844" gemacht, in denen wir allerdings den Begriff der Produktionsver- hältnisse auch noch nicht finden.
Erst in der „Heiligen Familie“ kommt Marx, wie wir gesehen haben, ganz nahe an diesen Begriff heran, der dann in der „Deutschen Ideologie“ systematisch entwickelt wird. Und während Marx und Engels den Begriff der Produktionsverhältnisse ausarbeiten und den historisch einander ablösenden Typen von Produktionsverhältnissen nachgehen, entdec- ken sie das Grundgesetz des revolutionären Übergangs von einer Gesellschafts- formation zur anderen: „Alle Kollisionen der Geschichte haben also nach unsrer Auffassung ihren Ursprung in dem Widerspruch zwischen den Produktivkräften und der Verkehrsform.“ [13]
Marx und Engels formulierten bei der Verallgemeinerung der historischen Er- fahrungen vom Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffassung folgende Schlussfolgerungen:
- Die Entwicklung der materiellen Produktion unter historisch überholten Produktionsverhältnissen hat zur Folge, dass die Produktivkräfte zu Destruktionskräften werden. Mit diesem negativen gesellschaftlichen Prozess findet die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise ihren gesetzmäßigen Abschluss.
- Historisch bestimmte, antagonistische Produktionsverhältnisse bedingen die Herrschaft einer Klasse über die andere. Die politische Form dieser Herrschaft ist der Staat. Jeder revolutionäre Kampf richtet sich gegen die herrschende Ausbeuterklasse.
- Die kommunistische Revolution unterscheidet sich wesentlich von allen bisherigen sozialen Revolutionen. Sie beseitigt nicht diese oder jene Ver- teilung des Privateigentums an den Produktionsmitteln zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft, sondern das Privateigentum überhaupt, und setzt der Herrschaft von Ausbeuterklassen ein Ende.
- Die kommunistische Revolution bedeutet nicht nur Aufhebung der alten ökonomischen und politischen Verhältnisse, sondern auch eine massen- hafte Veränderung der Menschen, die massenhafte Erzeugung kommu- nistischen Bewusstseins. Die Aufgaben einer kommunistischen Umgestaltung der Gesellschaft können nur in einer Revolution gelöst werden. Die Revolution ist nicht nur nötig, „weil die herrschende Klasse auf keine andre Weise gestürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden“. [14]
Diese Feststellungen von Karl Marx und Friedrich Engels sind von unschätzbarer Bedeutung. Während bürgerliche Ideologen die Notwendigkeit der Revolution be- streiten und kleinbürgerliche Theoretiker sich nur dann mit der Revolution abfinden wollen, wenn es keinen anderen Ausweg gibt, weisen Marx und Engels nach, dass die kommunistische Revolution durch kein anderes, nichtrevolutio- näres Mittel zur Beseitigung der kapitalistischen Verhältnisse ersetzt werden kann. Die kommunistische Revolution hat wahrhaft umwälzende Bedeutung!
Alle diese Thesen, in denen Marx und Engels ihre im wesentlichen bereitsausgereifte wissenschaftliche Geschichtsauffassung formulieren, lassen erkennen, dass der Mat- erialismus in der Soziologie notwendig zu kommunistischen Schlussfolgerun- gen führt. Nicht nur die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise, die in der „Deutschen Ideologie“ verhältnismäßig wenig Raum einnimmt, sondern auch die Unter- suchung der vielfältigen Widersprüche der bisherigen Geschichte der Klassengesellschaft macht deutlich, dass die antagonistischen gesellschaft- lichen Verhältnisse nur durch eine kommunistische Umgestaltung der Gesellschaft überwunden werden können.
Marx und Engels charakterisieren den Kommunismus als die höchste, nicht nur auf ein einzelnes land beschränkte Form des sozialen Verkehrs zwischen den Menschen, als eine Gesellschaft ohne Klassen und ohne Staat, und erklären, der Sieg des Kommunismus in einem einzelnen Lande sei unmöglich. -
„Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völker ,auf einmal’ und gleichzeitig möglich, was die universelle Entwicklung der Produk- tivkraft und den mit ihm zusammenhängenden Weltverkehr voraussetzt.“ [15] -
Eine solche Problemstellung hatte um die Mitte des 19. Jahrhunderts zweifellos eine gewaltige fortschrittliche Bedeutung, da sie die Negierung jener utopischen Theorien bedeutete, nach denen kommunistische Zustände in jedem beliebigen Land (und sogar in einem einzelnen Landesteil), ohne eine radikale Umgestaltung der Staatsordnung und unabhängig vom Stand der ökonomischen Entwicklung herbeigeführt werden könnten. -
Da hier von der höheren Stufe des Kommunismus die Rede ist, in dem es schon weder Klassen noch einen Staat geben wird, bewahrt diese Schlussfolgerung auch für die folgende Periode eine gewisse Bedeutung. In einer neuen historischen Epoche, der Epoche des Monopolkapitalismus, hat Lenin bewiesen: „Der Sozialismus kann nicht gleichzeitig in allen Ländern siegen. Er wird zuerst in einem oder einigen Ländern siegen, andere werden für eine gewisse Zeit bürgerlich oder vorbürgerlich bleiben.“ [16]
Die weitere Entwicklung der marxistisch-leninistischen Theorie erlaubt die Schlussfolgerung, dass die höhere Phase des Kommunismus im Rahmen des sozialistischen Weltsystems selbst bei Existenz eines ihm feindlichen Weltsystems verwirklicht werden kann. [= Eine idealistische und falsche Einschätzung der objektiven Realität in der Welt vor und nach 1980 von Teodor Oisermann. / R. S.]
Schon in der „Deutschen Ideologie“ erscheint also der historische Materialismus als eine wissenschaftliche philosophische Theorie, die es ermöglicht, durch die Erforschung des gegenwärtigen Zustandes der Gesellschaft und ihrer Entwicklungstendenzen die künftige Entwicklung vorauszusehen [= ? ]. Der Kommunismus, erläutern Marx und Engels, ist nicht nur die Zukunft, die gesetzmäßig an die Stelle der kapitalistischen Ordnung treten wird. Er ist auch Gegenwart, nämlich die kommunistische Bewegung, der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie. „Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung.“ [17] -
Eine solche Fragestellung unterscheidet den wissenschaftlichen Kommunismus prinzipiell von den utopischen sozialistischen Lehren, deren Anhänger den Kapitalismus als eine unsittliche Gesellschaftsordnung verdammten, aber auch den Klassenkampf ablehnten. Der kapitalistischen Gesellschaft stellen diese Utopisten eine abstrakt verstandene Gesellschaft gegenüber. Durch die detaillierte Schilderung dieser Ordnung suchten sie den in ihren Lehren fehlenden Nachweis der objektiven Notwendigkeit des Kommunismus zu ersetzen. -
Marx und Engels interessierten sich am allerwenigsten für eine detaillierte Schilderung der kommunistischen Zukunft. Sie weisen lediglich auf einige ihrer Grundzüge hin, deren materielle Voraussetzungen im Kapitalismus entstehen. Ihr Hauptaugenmerk richtet sich auf die theoretische Begründung der Befreiungsbewegung des Proletariats. Sie untersuchen die Klassenstruktur des Kapitalismus, die Rolle des bürgerlichen Staates als Instrument zur Niederhaltung der Unterdrückten und Ausgebeuteten, die ökonomischen und politischen Voraussetzungen der sozialen Revolution des Proletariats. Diese Untersuchungen führen nahe an die Idee der Diktatur des Proletariats, an die Klärung des Hauptinhalts der sozialistischen Revolution heran.
Marx und Engels gehen von der Feststellung aus: „So hat sich die Gesellschaft bisher immer innerhalb eines Gegensatzes entwickelt, der bei den Alten der Gegensatz von Freien und Sklaven, im Mittelalter der vom Adel und Leibeigenen, in der neueren Zeit der von Bourgeoisie und Proletariat ist.“ [18] -
Dieser durch den Charakter der Produktionsverhältnisse bedingte Gegensatz der Klassen bildet die reale Grundlage des Staates. Der Staat löst aber ungeachtet der Illusionen bürgerlicher Demokraten keineswegs die Widersprüche zwischen Gruppeninteressen und den gesamtgesellschaftlichen Interessen, da er die politische Herrschaft einer Klasse über eine andere ist. Zudem bleibt auch innerhalb der herrschenden Klasse der Widerspruch zwischen Einzelinteressen und Gesamtinteressen bestehen. -
Jedes Mitglied der herrschenden Klasse ist darauf bedacht, die vom Staat erlassenen Gesetze zu umgehen, obwohl die herrschende Klasse im ganzen daran interessiert ist, dass sie eingehalten werden. [= ] „... eben aus diesem Widerspruch des besonderen und gemeinschaftlichen Interesses nimmt das gemeinschaftliche Interesse als Staat eine selbständige Gestaltung, getrennt von den wirklichen Einzel- und Gesamtinteressen, an, und zugleich als illusorische Gemeinschaftlichkeit ...“ [19]
In welchem Verhältnis stehen der Wille des einzelnen und die Interessen einer sozialen Gruppe oder Klasse zueinander? Marx und Engels fragen nach der objektiv bedingten Umwandlung der Interessen der Person in Klasseninteressen. „Wie kommt es, dass die persönlichen Interessen sich den Personen zum Trotz immer zu Klasseninteressen fortentwickeln, zu gemeinschaftlichen Interessen, welche sich den einzelnen Personen gegenüber verselbständigen, in der Verselbständigung die Gestalt allgemeiner Interessen annehmen, als solche mit den wirklichen Individuen in Gegensatz treten und in diesem Gegensatz, wonach sie als allgemeine Interessen bestimmt sind, von dem Bewusstsein als ideale, selbst religiöse, heilige Interessen vorgestellt werden können?“ [20] -
Die Interessen der Person werden dadurch zu Klasseninteressen, weil sie durch die der ganzen Klasse (oder zumindest einem großen Teil dieser Klasse) gemeinsamen ökonomischen Bedingungen bestimmt werden. Da aber im Rahmen dieser der ganzen Klasse gemeinsamen Bedingungen wesentliche Unterschiede bestehen, werden durch die Umwandlung der persönlichen Interessen in Interessen der ganzen Klasse die zwischen beiden vorhandenen Widersprüche nicht beseitigt.
Die herrschende Klasse ist der herrschende Wille im Staat. „Nicht der Staat besteht also durch den herrschenden Willen, sondern der aus der materiellen Lebensweise der Individuen hervorgehende Staat hat auch die Gestalt eines herrschenden Willens.“ [21] Das bedeutet, dass das Wesen des Staates nicht die Gewalt, die Eroberung oder die Usurpation ist, sondern die durch die ökonomische Struktur der Gesellschaft bedingte Herrschaft nicht irgendeiner, sondern einer jeweils ganz bestimmten Klasse. -
Der Staat ist die Form, „in welcher die Individuen einer herrschenden Klasse ihre gemeinsamen Interessen geltend machen und die ganze bürgerliche Gesellschaft einer Epoche sich zusammenfasst“. [22]
Wie Marx und Engels feststellen, hatten schon Machiavelli, Hobbes und andere Denker der Vergangenheit erkannt, dass man das Recht nicht von der realen Macht, die sein Wesen ausmacht, trennen kann. Diese Denker verstehen jedoch unter Staat und recht eine Gewalt, die um des Gemeinwohls willen ausgeübt wird, während doch der Staat in einer antagonistischen Gesellschaft nur scheinbar den Interessen der gesamten Gesellschaft dient. -
So ist der bürgerliche Staat „weiter Nichts als die Form der Organisation, welche sich die Bourgeois sowohl nach Außen als nach innen hin zur gegenseitigen Garantie ihres Eigentums und ihrer Interessen notwendig geben“. [23]
Im Unterschied zu den bürgerlichen Demokraten messen Marx und Engels den Regierungsformen (Monarchie, Republik usw.) nur zweitrangige Bedeutung bei. Als wesentlich betrachten sie allein, welche Klasse regiert, welcher Klasse die Macht gehört. [24] Dementsprechend unterscheiden sie als die wichtigsten Staatstypen den Sklavenhalterstaat, den Feudalstaat und den bürgerlichen Staat.
Die bürgerlichen Demokraten verabsolutieren gerne den Unterschied zwischen Republik und Monarchie und verwischen dadurch die Frage nach dem Klassencharakter des Staates, insbesondere des bürgerlich-demokratischen. Dagegen betonen Karl Marx und Friedrich Engels, dass selbst der demokratischste Staat unter kapitalistischen Verhältnissen nur die Organisation der politischen Herrschaft der Bourgeoisie ist. Dies bedeutet natürlich nicht, dass sie den Unterschied zwischen der bürgerlichen Demokratie und der bürgerlichen Monarchie unterschätzen. Im Gegenteil, als proletarische Kämpfer für die Demokratie unterstreichen sie die Bedeutung bürgerlich-demokratischer Reformen, die für den Kampf des Proletariats um den Sozialismus günstige Voraussetzungen schaffen. Sie halten es jedoch für ihre Pflicht, die bürgerlich-demokratischen Illusionen zunichte zu machen, die der Entwicklung des sozialistischen Bewusstseins der Arbeiterklasse im Wege stehen.
Marx und Engels beweisen, dass jede nach der politischen Macht strebende Ausbeuterklasse im Anfang als Vertreter der ganzen Gesellschaft auftritt, weil sich ihre Interessen während des Kampfes gegen eine herrschende reaktionäre Klasse weitgehend mit den Interessen der anderen nichtherrschenden Klassen decken. Erst wenn diese Klasse die politische Macht erobert hat, tritt die Unvereinbarkeit ihrer Interessen mit denen der anderen Gesellschaftsklassen völlig zutage. -
Marx und Engels verallgemeinern die historischen Erfahrungen der bürgerlichen Revolutionen und formulieren folgende Gesetzmäßigkeit: „Jede neue Klasse bringt daher nur auf einer breiteren Basis als die der bisher herrschenden ihre Herrschaft zustande, wogegen sich dann später auch der Gegensatz der nichtherrschenden gegen die nun herrschende Klasse um so schärfer und tiefer entwickelt.“ [25] Die Diktatur der Bourgeoisie verfügt über eine erheblich breitere soziale Basis als die Diktatur der Feudalherren, aber in der bürgerlichen Gesellschaft verschärfen sich auch die antagonistischen Widersprüche in einer vorher nie dagewesenen Weise. Dieses Gesetz der sozialen Revolution bedingt das Anwachsen der Rolle der [werktätigen] Volksmassen in der Geschichte.
Schon im Jahre 1844 hatten Marx und Engels die These formuliert, dass die proletarische Revolution die politische Herrschaft der Bourgeoisie stürzt. Damals jedoch hatten sie die Frage der Errichtung der Diktatur des Proletariats noch nicht aufgeworfen. Die „Deutsche Ideologie“ führt unmittelbar an dieses äußerst wichtige Problem heran, denn hier wird gezeigt, dass „jede nach der Herrschaft strebende Klasse, wenn ihre Herrschaft auch, wie dies beim Proletariat der Fall ist, die Aufhebung der ganzen alten Gesellschaftsform und der Herrschaft überhaupt bedingt, sich zuerst die politische Macht erobern muss“. [26] -
Daraus folgt, dass die politische Herrschaft der [hochentwickelten (auch sozial) und differenzierten, technischen und wissenschaftlichen] Arbeiterklasse sich auch in einer qualitativ neuen Form realisiert, die eine Übergangsstufe zur Liquidierung der Klassen überhaupt bildet. Die proletarische Revolution kann sich also nicht darauf beschränken, die Diktatur der Bourgeoisie zu stürzen. Die Arbeiterklasse muss die politische Macht erobern. -
Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus dem Gesamtzusammenhang der „Deutschen Ideologie“, namentlich aus der Analyse der Erfahrungen der bürgerlichen [ und gescheiterten bürgerlich-demokratischen] Revolutionen, des Wesens und der Entwicklung des Staates und des Klassenkampfes.«
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Anmerkungen
13 Karl Marx/Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. In: MEW, Bd. 3, S. 73.
14 Ebenda, S. 70.
15 Ebenda, S. 35.
16 W. I. Lenin: Das Militärprogramm der proletarischen Revolution. In: Werke, Bd. 23, S. 74.
17 Karl Marx/Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. In: MEW, Bd. 3, S. 35.
18 Ebenda, S. 417.
19 Ebenda, S. 33.
20 Ebenda, S. 227.
21 Ebenda, S. 312. Diese Feststellung geht von folgender theoretischer Überlegung aus: „Das materielle Leben der Individuen, welches keineswegs von ihrem bloßen ,Willen’ abhängt, ihre Produktionsweise und die Verkehrsform, die sich wechselseitig bedingen, ist die reelle Basis des Staats und bleibt es auf allen Stufen, auf denen die Teilung der Arbeit und das Privateigentum noch nötig sind, ganz unabhängig vom Willen der Individuen ... Die unter diesen Verhältnissen herrschenden Individuen müssen, abgesehen davon, dass ihre Macht sich als Staat konstituieren muss, ihrem durch diese bestimmten Verhältnisse bedingten Willen einen allgemeinen Ausdruck als Staatswillen geben, als Gesetz – einen Ausdruck, dessen Inhalt immer durch die Verhältnisse dieser Klasse gegeben ist, wie das Privat- und Kriminalrecht aufs Klarste beweisen ... Ihre persönliche Herrschaft muss sich zugleich als eine Durchschnittsherrschaft konstituieren ... Der Ausdruck dieses durch ihre gemeinschaftlichen Interessen bedingten Willens ist das Gesetz.“ (Ebenda, S. 311.)
22 Ebenda, S. 62.
23 Ebenda.
24 Dabei halten die Begründer des Marxismus auch Übergangsformen des Staates für möglich, wenn nämlich keine Klasse die vollständige politische Herrschaft innehat: „Die Selbständigkeit des Staats kommt heutzutage nur noch in solchen Ländern vor, wo die Stände sich nicht vollständig zu Klassen entwickelt haben, wo die in den fortgeschrittneren Ländern beseitigten Stände noch eine Rolle spielen und ein Gemisch existiert, in denen daher kein Teil der Bevölkerung es zur Herrschaft über die übrigen bringen kann. Dies ist namentlich in Deutschland der Fall.“ (Ebenda.) Hier ist offensichtlich der Absolutismus gemeint.
25 Ebenda, S. 48.
26 Ebenda, S. 34.
Quelle: Teodor Oiserman: Die Entstehung der marxistischen Philosophie. Dietz Verlag Berlin 1980. Zweiter Teil. Erstes Kapitel. Vgl.: 10. Die historische Entwicklung der Eigentumsformen. Der Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Das Problem des Staates und der Revolution.