Die Entstehung der marxistischen Philosophie (Teil 38)
von Teodor Oiserman .- Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte aus dem Jahre 1844" und die antimarxistische Interpretation des Marxismus.
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Jean-Yves Calvez versucht in seiner umfangreichen Monographie „Karl Marx“, die in einer für zahlreiche katholische Marxismus-Kritiker typischen objektivistischen Manier geschrieben ist, beharrlich zu beweisen, dass allein der Begriff der Entfremdung Schlüssel zum Verständnis der Grundgedanken der Marxschen Lehre ist. „Es gibt eine wirkliche Einheit im Gesamtwerk von Marx“, konstatiert Calvez in bezug auf das „Kapital“. Jene „philosophischen Entfremdungskategorien, die er in seiner Jugend von Hegel übernahm, werden im großen Werk seiner Reifejahre ausgebaut“. [26] Und weiter: „Marx nimmt auf der Wirtschaftsebene das Entfremdungsthema neu auf ... Das Kapital ist nichts anderes als eine Theorie der grundlegenden Entfremdung, die übrigens die Entfremdung der ökonomischen Ideologie nach sich zieht.“ [27] Nach dieser Auffassung besteht die Marxsche Lehre aus zwei Hauptteilen – der Analyse der religiösen Entfremdung einerseits und der Analyse der weltlichen Entfremdung andererseits. Natürlich erweist sich die religiöse Entfremdung als das Urphänomen des menschlichen Lebens, dessen Wurzeln bereits in der alttestamentarischen Legende vom Sündenfall sichtbar werden. Was die weltliche Entfremdung betrifft, so werdenihre vielfältigen Formen, sowohl materielle als geistige (Ökonomie, Politik, Philosophie usw.) von dem katholischen Marxismusforscher als abgeleiteter, säkularisierter Ausdruck der grundlegenden religiösen Entfremdung, deren Wesen in der Abkehr des Menschen von Gott bestehe, charakterisiert, während die soziale Entfremdung die Abkehr vom menschlichen Geschlecht sei. Hieraus wird auch der folgende, nicht ganz verständliche Satz Calvez’ klarer: „Das Wesen der Religion und der religiösen Entfremdung hatten sich in der Existenz des Widerspruchs zwischen Privatmann und Staatsbürger gezeigt.“ [28]
Im letzten Abschnitt seines Buches „Die katholische Kirche und der Marxismus“ fasst Calvez die Interpretation des Marxismus als einer angeblich ihrem wesentlichen Inhalt nach religiösen und nur der Form nach irreligiösen Lehre zusammen. So steht, sagt Calvez, „im Mittelpunkt des Marxismus die Idee einer revolutionären Vermittlung, die den Menschen von der Entfremdung befreien und die Aussöhnung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft herbeiführen soll“. [29] Dieser Grundgedanke von Marx sei christlichen Ursprungs, belehrt uns Calvez, denn das Herzstück des christlichen Glaubens bilde die Idee der göttlichen Vermittlung durch den Gottmenschen Christus. „Christus ist ein Mittler, wie ihn Marx sich vorgestellt hat. Er vollendet die Revolution, die die Aufgabe des Proletariats ist.“ [30] Es liegt auf der Hand, dass durch eine solche Interpretation des Marxismus sein Inhalt, der zunächst auf die frühen Werke von Marx reduziert wird, im weiteren völlig durch theologische Moralpredigten ersetzt wird, die dann aber als der wahre Sinn des Marxismus ausgegeben werden.
Natürlich unterstellen nicht alle bürgerlichen Interpreten der „Ökonomischphilosophischen Manuskripte“ den Begründern des Marxismus ein religiöses Weltverständnis. Aber fast alle stellen sie den Marxismus, ausgehend von diesem frühen
Werk und seinen konkreten ökonomischen Inhalt ignorierend, als ein spekulatives System von Schlussfolgerungen dar, die von dem tatsächlichen Inhalt des sozialhistorischen Prozesses sehr weit entfernt sind. -
In diesem Zusammenhang ist es angenehm festzustellen, dass Marx sozusagen schon im voraus gewusst hat, welcher Kritik sein Werk sich einmal gegenübersehen wird. In der Vorrede zu den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ schrieb er: „Dem mit der Nationalökonomie vertrauten Leser habe ich nicht erst zu versichern, dass meine Resultate durch eine ganz empirische, auf ein gewissenhaftes kritisches Studium der Nationalökonomie gegründete Analyse gewonnen worden sind.“ [31]
Bekanntlich werden in den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ solche Fragen behandelt wie der Arbeitslohn, der Profit des Kapitals, die Akkumulation des Kapitals und die Konkurrenz zwischen den Kapitalisten, das Privateigentum und die Arbeit, die Grundrente, das Geld usw. In diesem Zusammenhang analysiert Marx die Ansichten der Merkantilisten, der Physiokraten, von Adam Smith, David Ricardo und seiner Schule. Das ist die eigentliche Grundlage der „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“, von der ausgehend Marx das Problem der entfremdeten Arbeit untersucht. [32] Diese Grundlage bestimmt auch, dass neue Fragen in den Vordergrund rücken, Fragen, die bei Hegel und Feuerbach nur geringen Raum einnehmen bzw. einfach nicht vorkommen. -
Es handelt sich um die ökonomische Struktur der kapitalistischen Gesellschaft, um die Herrschaft des Kapitals über die Arbeit, um den unversöhnlichen Gegensatz der Interessen von Proletariat und Bourgeoisie, um die Knechtung des Menschen durch die spontanen Kräfte der gesellschaftlichen Entwicklung, um die historische Notwendigkeit der Aufhebung des Privateigentums.
Bürgerliche Marxismus-Kritiker, die Marxens Gedankengang und jene Tatsachen, deren Erforschung ihn zu neuen Erkenntnissen führte, ignorieren, unterstellen dem Marxismus das spekulative Schema, das sie bei Hegel finden. Wahr dagegen ist, dass der von Marx in den Manuskripten entwickelte Entfremdungsbegriff erstens antispekulativen und zweitens materialistischen Charakter trägt. -
Gerade die Tatsache, dass Marx in den Manuskripten einen speziellen Abschnitt der gründlichen Kritik der idealistischen Entfremdungskonzeption Hegels widmet, wird von bürgerlichen Interpreten des Marxismus aus irgendeinem Grunde übersehen. Dabei lässt sich gerade hieran eindeutig ablesen, dass Marx der idealistischen Theorie der Entfremdung bewusst seine dialektisch-materialistische, historisch-konkrete Auffassung dieses Phänomens entgegensetzt. Die religiöse Entfremdung, über die Feuerbach so ausführlich geschrieben hat,wird in den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ fast gar nicht behandelt, weil sich Marx vor allem mit der materiellen, der ökonomischen Grundlage nicht nur der ideologischen, sondern auch der politischen Formen der Entfremdung beschäftigt.
Auf den ersten Blick mag es scheinen, Marx habe den Begriff der entfremdeten Arbeit durch die Anreicherung des Hegelschen (und Feuerbachschen) Entfremdungsbegriffs mit konkretem ökonomischen Inhalt geschaffen. Das ist jedoch eine vereinfachte Vorstellung. Der Kern der Sache ist der, dass die sozialistische Kritik der bürgerlichen politischen Ökonomie Marx gestattete, die Tatsache der Entfremdung der Arbeit, die die bürgerlichen Ökonomen nur als natürliche Bedingung der Produktion ansehen, aufzudecken. -
„Wir gingen aus von einem nationalökonomischen Faktum“, schreibt Marx, „der Entfremdung des Arbeiters und seiner Produktion. Wir haben den Begriff dieses Faktums ausgesprochen: die entfremdete, entäußerte Arbeit. Wir haben diesen Begriff analysiert, also bloß ein nationalökonomisches Faktum analysiert.“ [33] Marx unterstreicht, dass der Begriff der entfremdeten Arbeit als Resultat der Analyse der Ausgangsthesen derbürgerlichen politischen Ökonomie gewonnen wurde. Der Hegelsche und der Feuerbachsche Entfremdungsbegriff konnten ihn lediglich auf den Gedanken bringen, dass eine solche Entwicklung des Begriffs möglich ist.
Die Reduzierung der „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“, und erst recht des gesamten Inhalts des Marxismus auf die Hegelsche Lehre der Entfremdung, auf die Theorie der Entfremdung überhaupt, ist nichts anderes als ein raffinierter Versuch, den Marxismus auf das Niveau der Lehren herabzudrücken, über die er hinausgegangen ist. Bezeichnenderweise hält es jedoch keiner von denen, die den wissenschaftlichen Kommunismus mit der Entfremdungstheorie gleichsetzen, für notwendig, auf die Frage einzugehen, warum Marx schon Mitte der vierziger Jahre die Reduzierung der konkretenProbleme des Sozialismus auf die Frage der Entfremdung und ihre Überwindung kritisierte. Gerade im Kampf gegen die „wahren Sozialisten“ hat Marx, wie wir noch sehen werden,gezeigt, dass die Lehre von der Entfremdung und ihrer Überwindung keine adäquate Form der Auffassung und Darlegung des wissenschaftlichen Sozialismus ist. Keiner von denen, die den Marxismus durch die Theorie der Entfremdung ersetzen, hält es für erforderlich zu erklären, warum der Begriff der Entfremdung in Marxens „Kapital“ eine untergeordnete Rolle spielt und in der Hauptsache zur Charakterisierung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse verwendet wird, die als Verhältnisse von Sachen (und folglich als verdinglichte Verhältnisse) auftreten, die über die Menschen herrschen. [34]
Während bürgerliche Kritiker des Marxismus diese Lehre als spekulatives System von Anschauungen interpretieren und des öfteren ihre Übereinstimmung mit dem „authentischen“ Marxismus erklären, verkünden rechtssozialistische Kritiker, die gleichfalls den Marxismus seines realen Inhalts berauben, es sei notwendig, den Marxismus durch eine Theorie zu ersetzen, die auf Tatsachen beruhe, oder sie rufen dazu auf, auf die gesamte Theorie zu verzichten, um nicht dogmatisch zu sein. Diese paradoxe Situation, in der sich bürgerliche Ideologen mit dem Marxismus „solidarisieren“ und diejenigen, die sich Sozialisten nennen, von ihm abwenden, symbolisiert die tiefe Krise der bürgerlichen und der kleinbürgerlichen Ideologie.
Die Gegner des Marxismus haben immer die materialistische Dialektik angegriffen, indem sie behaupten, sie sei mit dem Materialismus unvereinbar, weshalb sich auch die MarxscheMethode eigentlich als die idealistische Methode Hegels erweise. Auch die „Ökonomischphilosophischen Manuskripte“ wurden in diesem Kampf gegen die materialistische Dialektik als angeblich neue Bestätigung einer alten Auffassung benutzt. Der Neothomist Hommesversucht unter Berufung auf die „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ zu beweisen, dass Marxens Dialektik bis jetzt nicht richtig verstanden wurde, da man sie sowohl als Lehre von der immanenten Entwicklung des Objektiven als auch als Theorie des wissenschaftlichen Denkens betrachtete. Tatsächlich sei die Dialektik jedoch keine Theorie der Entwicklung, sondern eine Theorie der Entfremdung, die die fortwährende Spaltung des menschlichen Wesens und sein Bestreben, diese Selbstentfremdung zu überwinden, beschreibe. Die Dialektik, schreibt Hommes, ist „der Weg des Menschen aus seiner Selbstentfremdung“ [35], ist die „ekstatische ,Gegenständlichkeit’ des ,geschichtlichen’ Menschen“ [36], dessen Ursprung in einem „uralten mystischen, ja ersatzreligiösen Traum der Menschheit“ liegt. [37]
Das Subjekt-Objekt-Verhältnis, wie Hommes zu beweisen sucht, existiert nur infolge der Entfremdung. Der dialektische Widerspruch wird auf die Antithese zwischen dem menschlichen Wesen und seinem entfremdeten Sein reduziert. Die Objektivierung der Arbeit, ihre Vergegenständlichung, Verdinglichung wird als Entfremdung des menschlichen Wesens interpretiert. Und all das wird Marx zugeschrieben, wird als etwas ausgegeben, was aus der Marxschen Konzeption der Arbeit als Tätigkeit, durch die der Mensch die äußere Welt und seine eigene Natur verändert, entspringt. Hommes gelangt am Ende zu dem Ergebnis, der wahre Sinn der Dialektik, dem sich Marx näherte, bestehe in der Bewegung des menschlichen Seins zu seinem göttlichen Schöpfer, denn die Hauptquelle der Entfremdung ist selbstverständlich der Sündenfall.
Calvez, der, wie oben gezeigt, die marxistische Auffassung der Wege zur Überwindung der Entfremdung ebenfalls als eine Wiedervereinigung des Menschen mit Gott erscheinen lässt, behauptet, bei Marx komme, wie bei Hegel, die Dialektik in zwei Formen vor – einer phänomenologischen und einer ontologischen Form. Die phänomenologische Dialektik (das Verhältnis des Subjekts zu seiner Entfremdung) wird zum wichtigsten methodologischen Prinzip des wissenschaftlichen Kommunismus erklärt. Nicht nur in den „Ökonomischphilosophischen Manuskripten“, sondern auch im „Kapital“ sieht Calvez „zwei sehr verschiedene Formulierungen der Dialektik, eine logische und eine phänomenologische, miteinander wetteifern“. [38] Im Grunde genommen wird der gesamte historische Materialismus, da er die Produktivkräfte, die gesellschaftlichen Verhältnisse und politischen Einrichtungen, das heißt all die Lebensbedingungen und Lebensformen der Menschen, die von diesen selbst geschaffen worden sind, untersucht, von Calvez auf die phänomenologische Dialektik zurückgeführt. Deren Präsenz im Marxismus „erklärt“ er damit, dass Marx die Hegelsche „Phänomenologie des Geistes“ übernommen und in der Terminologie der politischenÖkonomie dargelegt habe. Was dagegen den dialektischen Materialismus anbelangt, so gründet er sich nach Calvez auf die aus Hegels „Wissenschaft der Logik“ übernommene ontologische Dialektik, denn dort handelt es sich um Gesetze, die unabhängig von der Existenz des Menschen der Wirklichkeit zugehören. Offen lässt Calvez die Frage, welche der beiden Formen der Dialektik für den Marxismus besonders charakteristisch sei, wobei er den Eindruck erweckt, Marx und Engels hätten den Gegensatz der beiden Formen der Dialektik nicht erkannt. Indem er den historischen Materialismus in die phänomenologische Dialektik und den dialektischen Materialismus in die ontologische Dialektik verwandelt, versucht Calvez, die Einheit der marxistischen Weltanschauung zu sprengen.
Wir können hier nicht auf die Unterschiede von Hegels Interpretation der Dialektik einerseits in der „Phänomenologie des Geistes“, andererseits in der „Wissenschaft der Logik“ eingehen. Das würde den Rahmen dieses Buches sprengen und berührt außerdem auch nicht die Frage, in welchem Verhältnis die materialistische Geschichtsauffassung und der dialektische Materialismus zueinander stehen. Wie die meisten bürgerlichen Marxologen, verfälscht auch Calvez offenkundig das wirkliche Verhältnis zwischen dialektischem und historischem Materialismus. Dass die Dialektik des gesellschaftlichen Lebens im Unterschied zur Dialektik der Natur die Existenz des Menschen zur Voraussetzung hat, gibt keinerlei Anlass, den sozialhistorischen Prozess im Sinne einer phänomenologischen Korrelation von Subjekt und Objekt zu interpretieren. Die materialistische Geschichtsauffassung setzt nicht nur die Anerkennung der Existenz der vom Bewusstsein und Willen der Menschen unabhängigen Natur, sondern auch der objektiven Produktionsverhältnisse voraus, ungeachtet der Tatsache, dass diese von der sich geschichtlich entwickelnden Tätigkeit der Menschheit selbst geschaffen werden.
Die neuesten Kritiker des Marxismus behaupten nicht selten, dass die von ihnen vorgenommene Revision der marxistischen Lehre durch die Veröffentlichung der„Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ hervorgerufen wurde. Aber das stimmt natürlich nicht. Seit der Zeit, als der Marxismus sich mit der Arbeiterbewegung verband und die vormarxistischen sozialistischen Theorien aus ihr verdrängt wurden, befassen sich die Theoretiker des Opportunismus unablässig mit der Revision des Marxismus. Die „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ waren nicht die Ursache, sondern der Anlass, den die Gegner des Marxismus benutzen. -
Landshut, Mayer, Marcuse, de Man und andere sozialdemokratische Interpreten der„Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ haben schon vor deren Veröffentlichung den Marxismus revidiert und die gleichen Ideen eines angeblich klassenlosen ethischen Sozialismus propagiert, die sie dann unter Ausnutzung einzelner Formulierungen dieses bemerkenswerten, aber noch nicht zum reifen Marxismus gehörenden Werkes Marx unterstellt haben. -
So ist die Legende über die „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ entstanden. Die Widerlegung dieser Legende gehört zu den aktuellen Aufgaben der marxistischleninistischen Philosophiegeschichte. «
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Anmerkungen
26 J.-Y. Calvez: Karl Marx. Darstellung und Kritik seines Denkens, Olten/Freiburg 1964, S.279.
27 Ebenda, S. 280.
28 Ebenda, S. 146.
29 Ebenda, S. 506.
30 Ebenda, S. 503.
31 Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844. In: MEW, EB I, S. 467.
32 Übrigens sind es nicht nur Marxisten, die diese Tatsache klar erkennen. „Für Marx“, schreibt John O’Neill, „ist die Entfremdung ein Fakt der politischen Ökonomie und nicht der Phänomenologie.“ (J. O’Neill: Hegel and Marx on History as Human History. In: Akten des XIV. Internationalen Kongresses für Philosophie, Bd. II, Wien 1968, S. 102.) Diese Tatsache unterscheidet die Marxsche Position von der Hegels, die in der „Phänomenologie des Geistes“ entwickelt wird.
33 Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844. In: MEW, EB I, S. 518.
34 Keinerlei Beweiskraft hat daher die Behauptung von Herbert Lamm: „Es ist bemerkenswert, dass im ,Kapital’, das zweifellos ein Werk des ,reifen’ Marx ist, als Ausgangspunkt der ganzen Untersuchung der Anatomie der ,bürgerlichen’ oder kapitalistischen Gesellschaft das dient, was die Philosophen ,Entfremdung’ nennen.“ (H. Lamm: Marx as a Philosopher. In: Revue internationale de philosophie, T. XII, 1958, Nr. 45/46, S. 241.) Marx beginnt bekanntlich mit der Ware, das heißt mit einer ökonomischen Kategorie. Wenn man sagt, dass er mit der Entfremdung beginne, so bedeutet das, das Konkrete (die ökonomische Zelle der bürgerlichen Gesellschaft), welches der Gegenstand der Untersuchungen von Marx ist, durch einen allgemeinen Begriff, der sich auf die unterschiedlichsten Phänomene anwenden lässt, zu ersetzen.
35 J. Hommes: Der technische Eros, Freiburg 1955, S. 37.
36 Ebenda, S. 50.
37 Ebenda, S. 19. 38 J.-Y. Calvez: Karl Marx. Darstellung und Kritik seines Denkens, S. 355.
Quelle: Teodor Oiserman: Die Entstehung der marxistischen Philosophie. Dietz Verlag Berlin 1980. Vgl.: Die „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte aus dem Jahre 1844" und die antimarxistische Interpretation des Marxismus.