Die Außenpolitik der Maoisten
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Mit Mao Tse-tung als „Kaiser“ an der Spitze
»Die Verbindung von Nationalismus, Großmachtchauvinismus und Gewalttheorie, die Aktionen zur vollständigen Zerschlagung der KP Chinas, der Versuch, die gesamte Jugend Chinas im nationalistischen und militaristischen Geist zu erziehen, die Bagatellisierung der Gefahren eines Atomkrieges bei gleichzeitiger fieberhafter Produktion von Atombomben in China – all das dient dem einen zentralen Ziel der Außenpolitik Mao Tse-tungs und seiner Anhänger: der Errichtung einer Vorherrschaft Chinas in der Welt mit dem unumschränkten Machthaber, dem nunmehr 82jährigen Mao als „Kaiser“ an der Spitze.
Die gegenwärtigen Fortschritte bei der Durchsetzung der Prinzipien der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung stoßen naturgemäß auf den verbissenen Widerstand der reaktionären, aggressiven Kreise des Imperialismus. Diese Kräfte sind an einer Rückkehr zu den Zeiten des kalten Krieges interessiert und richten ganz offensichtlich ihre Handlungen – wie der ehemalige Verteidigungsminister der USA, Schlesinger, und der der BRD, Leber [SPD], – nach der ersten gesamteuropäischen Staatenkonferenz im Juli/August 1975 darauf ein. Bei ihren entspannungsfeindlichen Aktionen haben sie immer enger und „zuverlässiger“ die maoistische Führung der VR China an ihrer Seite. Die chinesische Führung ist damit de facto zum engsten Verbündeten der Weltreaktion geworden. Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: „Wenn das Wasser sinkt, treten die Klippen zutage!“ Durch die trüben Wogen und den Dunstschleier der chinesischen Propaganda treten für die internationale Öffentlichkeit immer deutlicher die Klippen maoistischer Weltherrschaftsansprüche hervor, entlarven die Maoisten mit ihren Taten, mit ihrer Kumpanei mit dem Imperialismus ihr wahres, reaktionäres, volks- und sozialismusfeindliches Wesen.
Die neuen Züge der entspannungsfeindlichen und großmachtchauvinistischen Politik der Pekinger Führung gegen die Sowjetunion und gegen den Weltsozialismus treten immer unverhüllter zutage. Von der anfänglichen politischen und ideologischen Konfrontation mit der sozialistischen Staatengemeinschaft sind die Maoisten inzwischen zur globalen Konfrontation, das heißt zu zwischenstaatlichen Aktionen auf allen Ebenen, übergegangen. Ganz gleich wo, ob im Bereich der UNO, bei bi- oder multilateralen Verhandlungen mit anderen Staaten oder Organisationen, bei gegenseitigen Regierungsbesuchen, immer und überall versuchen die Maoisten und ihre „Abgesandten“, den Weltsozialismus zu verleumden und seinen Bestrebungen und Aktionen zu schaden.
Die Hamburger Zeitung „Die Welt“ zollte im Mai 1975 dieser Entwicklung mit den Worten Beifall: „Wer die Freiheit retten will, muss akzeptieren, was wie das riskanteste aller Risiken aussieht: das Einverständnis mit dem maoistischen China. Politische Freundschaft verlangt keine selbstverleugnende Identifizierung des einen mit dem anderen, sie basiert sicher genug auf gemeinsamen Interessen.“ Und diese „gemeinsamen Interessen“ bestehen in erster Linie im Kampf gegen die Politik der Sowjetunion. In diesem Kampf gegen die Sowjetunion biete sich nach Meinung der Zeitung „die hingehaltene Hand der Chinesen als unverdientes Geschenk an“.
Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis geworden, dass die Maoisten hinter der Losung des Kampfes gegen die „Supermächte“ das eigene Streben nach „Welthegemonie“ verbergen wollen. Sie träumen – und kämpfen mit allen Mitteln für die Errichtung dieses Zieles – von der Weltherrschaftsrolle der chinesischen Nation, die bereits unter den kaiserlichen Dynastien des „Reiches der Mitte“ mit „Feuer und Schwert“, mit grausamen und blutigen Kämpfen, angestrebt worden ist.«
[Fortsetzung folgt.]
Quelle: Rudolf Müller und Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Kontra Entspannung.