Die antisozialistische Politik der Maoisten in der „dritten Welt“
von W. N. Matwejew - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
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Die gesamte Praxis der maoistischen Führung in der „dritten Welt“ seit Beginn der sechziger Jahre zeugt davon, dass ihre Bemühungen, dort starke Positionen zu erobern, unmittelbar mit den Versuchen verbunden sind, die hohe Autorität der Sowjetunion und der anderen sozialisti- schen Länder unter den Völkern Asiens und Afrikas zu untergraben.
In dieser Hinsicht trat und tritt Peking faktisch in einer Front mit dem Imperia- lismus, dem eine solche Taktik der Maoisten nur recht sein kann.
Mehr noch, während Peking die UdSSR zum „Hauptfeind der dritten Welt“ erklärt, appelliert es beispielsweise gleichzeitig an die USA – die größte aggressive im- perialistische Macht –, nicht aus Südasien abzuziehen. Derartige Appelle wider- sprechen ganz eindeutig den Interessen der Völker dieser Region.
Peking verzichtet auf eine Politik der Konfrontation gegenüber den USA und Japan in Südostasien und ist bemüht, mit ihnen auf Kosten der Länder dieses Gebietes einen Kompromiss zu erreichen. Die Annäherung der VR China an die imperialistischen Länder erfolgt nicht nur durch die Verbesserung ihrer zwischenstaatlichen Beziehungen. Peking hat faktisch auch die Kritik an der neokolonialistischen Politik der imperialistischen militärpolitischen Gruppierungen (SEATO, CENTO u. a.) und einzelner imperialistischer Mächte (zum Beispiel Großbritannien) gegenüber den jungen, von kolonialer Abhängigkeit befreiten Völkern eingestellt und nimmt zur Existenz der kolonialen Enklaven Großbritanniens und Portugals auf chinesischem Territorium eine versöhnlerische Haltung ein.
Die Ausfälle der maoistischen Führung gegen den Befreiungskampf des Volkes von Bangladesh zeigen, dass sie im Interesse ihrer eigenen nationalistischen Ziele nicht davor zurückschreckt, die Interessen der nationalen Befreiungsbewegungen zu opfern und zu verraten und eine offene Allianz mit dem Imperialismus einzugehen.
In der UNO setzt die maoistische Führung ihre Hoffnungen auf die Unterstützung durch die Entwicklungsländer und nicht paktgebundenen Länder, die die Stimmenmehrheit in dieser internationalen Organisation besitzen. Sie versucht somit, in der UNO ihre Konzeptionen durchzusetzen und ihren Einfluss zu verstärken. Dabei versichert Peking den Entwicklungsländern, dass es immer entschlossen „in einer Reihe mit den Ländern der dritten Welt stehen“ werde. Peking versucht also, unter Verzicht auf seine früheren Bemühungen zur Schaffung einer „revolutionären UNO“, mit Hilfe der Stimmen der Länder der „dritten Welt“ die Organisation der Vereinten Nationen seinen Interessen unterzuordnen und sie von innen heraus zu erobern.
Die Teilnahme der VR China an der Arbeit der XXVI. und der XXVII. Tagung der UNO-Vollversammlung hat ihre geringschätzige Einstellung gegenüber den realen Interessen der Entwicklungsländer gezeigt, die mit der Lösung der wichtigsten Probleme der Gegenwart verbunden sind (Abrüstung, Gewährleistung des Friedens und der Sicherheit der Völker, Verbot von Kernwaffenversuchen, Umweltschutz usw.).
Es ist klar, dass die Versuche Pekings, eine Lösung dieser für alle Völker lebenswichtigen Aufgaben zu behindern – Aufgaben, die auch vor den Völkern der „dritten Welt“ stehen, denen im Ergebnis zweifellos spürbare ökonomische und politische Vorteile für die nationale Rekonstruktion erwachsen würden –, ein Kennzeichen dafür sind, wie die Maoisten die Interessen der Entwicklungsländer ignorieren.
Die destruktive Haltung Pekings zeigte sich auch in anderen Fragen, die die Interessen dieser Länder betreffen. In der UNO-Debatte über die infolge der israelischen Aggression im nahen Osten entstandene Lage versagten die chinesischen Vertreter dem Resolutionsentwurf der afro-asiatischen Länder ihre Unterstützung. Sie solidarisierten sich mit der Haltung der USA in der Frage des indisch-pakistanischen Konflikts. Peking versagte dem Volk von Bangladesh Unterstützung und diplomatische Anerkennung und behinderte dessen Aufnahme in die UNO. Diese destruktive Politik zeugt davon, dass die Pekinger Clique auf eine Position herabgesunken ist, die schlimmer ist als die eines Renegaten. Sie beweist überzeugend die wahre Einstellung der Maoisten gegenüber den Völkern, die um Freiheit und nationale Befreiung kämpfen.
In dem Bemühen, das Vertrauen der Entwicklungsländer zu erringen, betont Peking in letzter Zeit verstärkt eine historische Gemeinsamkeit Chinas mit diesen Ländern und die „Identität“ ihrer Ziele. „Das Volk unseres Landes“, so schrieb „Renmin Ribao“ am 9. April 1972, „besitzt ein gemeinsames historisches Schicksal mit den unterdrückten Völkern und unterdrückten Nationen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas ... Vor uns stehen außerdem die gleichen Aufgaben.“
Gestützt auf rassistische und nationalistische Vorurteile, betont die Pekinger Propaganda in dem Versuch, Positionen zu gewinnen, dass „die Kontinente Asien und Afrika die Wiege der menschlichen Zivilisation“ seinen. Unter Bezug darauf, dass die gegenwärtige „Zivilisation des Westens“ (ohne Unterscheidung der kapitalistischen und der sozialistischen Welt) „von der Kraft der Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas gezehrt“ habe (Rede des chinesischen Vertreters Huang Zhen auf der Tagung der UNESCO am 25. Oktober 1972), versucht Peking unmittelbar, den Osten und den Westen einander gegen überzustellen und auf rassistisch-geopolitischer Grundlage eine Trennlinie zu ziehen. -
Auch hier verfolgen die Maoisten mit besonderem Nachdruck die Politik des Antisowjetismus, indem sie ungeheuerliche Behauptungen aufstellen, wonach die UdSSR in Erweiterung der alten zaristischen Pläne zur Errichtung eines „slawischen Imperiums“ bestrebt sei, ein „Kolonialimperium“ zu schaffen, „das sich über Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika erstreckt“. [4]
Die maoistischen Strategien brauchen die Propagierung einer großen Ähnlichkeit Chinas mit den Ländern der „dritten Welt“ zur Begründung der These, dass China ein Entwicklungsland sei und zur „dritten Welt“ gehöre. Diese These propagieren die chinesischen Vertreter hartnäckig in der Presse und von der Tribüne der UNO und deren Spezialorgane aus.
Die Maoisten unternahmen offiziell (allerdings erfolglos) den Versuch, die Aufnahme der VR China in die Gruppe der „77 Länder“ zu erreichen.
Dabei wenden sich die Maoisten an alle Länder der „dritten Welt“ bewusst von einer klassenindifferenten Basis aus. Trotz der unterschiedlichen Struktur dieser Länder differenzieren sie nicht zwischen fortschrittlichen und reaktionären Regimes, zwischen den Ländern, die eng mit den imperialistischen Mächten verbunden sind, und den Ländern mit sozialistischer Orientierung usw. Ein derart wahlloses herangehen zeugt von dem Bestreben Pekings, eine möglichst große Zahl von Entwicklungsländern auf der nationalistischen Grundlage irgendwelcher „besonderen Gemeinsamkeiten“ unter seiner Ägide zu vereinen.
Durch diese Fragestellung wollen die Maoisten sich nicht nur politisch mit den Entwicklungsländern zusammenschließen, sondern auch andere, nicht weniger wichtige Ziele erreichen. In der Tat, wenn die VR China von den Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas als Entwicklungsland, als gleichwertiges Mitglied jener Ländergruppe anerkannt würde, die als „dritte Welt“ bezeichnet wird, so hätte sie es bedeutend leichter, ihre Großmachtbestrebungen mit einer Vertretung der Interessen dieser Länder zu tarnen und als Verkünder ihrer Ziele aufzutreten. Mit der Unterstützung der „dritten Welt“ besässen die Maoisten eine Grundlage dafür, lauthals die Rechte der VR China als Großmacht gegenüber den imperialistischen Mächten als auch der sozialistischen Staatengemeinschaft [- 1972 -] zu verkünden, ohne über ein eigenes adäquates militärisch-ökonomisches Potenzial zu verfügen.
Außerdem würden sich für China infolge seiner ökonomischen, militärischen und politischen Überlegenheit im Vergleich zur Mehrheit der Entwicklungsländer (große Bevölkerung und riesiges Territorium; die größte Militärmaschinerie in der „dritten Welt“ – Kernwaffen und eine Armee von nahezu drei Millionen Mann, für deren Entwicklung und Modernisierung ein Drittel des Staatshaushalts aufgewendet wird [1973]; Rechte eines ständigen Mitglieds im Sicherheitsrat der UNO) günstigere Möglichkeiten eröffnen, diesen Ländern seinen Willen zu diktieren und gewissermaßen von innen heraus eine dominierende Position zu erringen.
Gleichzeitig käme China in den Genuss jener Vorteile, die die Entwicklungsländer im Rahmen der internationalen Entwicklungsprogramme genießen und insbesondere jener Vorzugsbedingungen, die den schwach entwickelten Ländern in einigen Fällen gewährt werden. Des weiteren könnte es auch auf die Solidarität regionaler Vereinigungen der Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas rechnen.
Auch im Dialog mit der kapitalistischen Welt misst die maoistische Führung der Behandlung der VR China als „Entwicklungsland“ große politische Bedeutung bei. Unter Hervorhebung ihrer Zugehörigkeit zur „dritten Welt“ grenzen sich Mao Tse-tung und seine Anhänger gleichzeitig verstärkt von der sozialistischen Gemeinschaft ab. Ihre Abkehr vom Sozialismus unterstreichen sie vor allen durch den Antisowjetismus in der Innen- und Außenpolitik, durch ihr faktisches Paktieren mit dem Imperialismus in einer Reihe von Fällen (zum Beispiel während der Krise auf dem indischen Subkontinent 1971/1972), durch die demonstrative Unterstützung antikommunistischer Regimes (Sudan, Zaire) sowie jener Kräfte in der „dritten Welt“, die auf einer der Sowjetunion und dem Sozialismus feindlichen Plattform stehen. Dadurch suchen die Maoisten die kapitalistische Welt von der Unwiderruflichkeit ihres Bruchs mit dem sozialistischen System zu überzeugen, wobei diese den Schluss ziehen soll, dass man China nicht als sozialistisches, sondern als Entwicklungsland betrachten müsse, das zur „dritten Welt“ gehört.
Die chinesische Führung versucht, die Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas davon zu überzeugen, dass die Politik des Lavierens in einer „multipolaren Welt“ den Entwicklungsländern größere Vorteile bringe als eine einseitige Orientierung. Das Beispiel des Abbruchs der Beziehungen zur sozialistischen Staatengemeinschaft, worauf eine Welle der Anerkennung der VR China durch kapitalistische Länder folgte, wird als gewaltige Errungenschaft Chinas hingestellt. Man muss bemerken, dass die nationalistisch eingestellten Führer einiger Entwicklungsländer zuweilen den Verlockungen der chinesischen Linie nachgeben und ihre „Selbständigkeit“ und sogar Feindseligkeit gegenüber der sozialistischen Staatengemeinschaft und der UdSSR demonstrieren. -
Die chinesische These von der „Einheit der Ziele der Länder der ersten und zweiten Zwischenzone“, die die Widersprüche zwischen ihnen wie auch die Widersprüche der imperialistischen Staaten untereinander verwischt, dient den Interessen der reaktionären Kräfte in den Entwicklungsländern, die sich für die Aufrechterhaltung enger Beziehungen zu den imperialistischen Mächten und für eine proimperialistische Orientierung ihrer Länder einsetzen. [- 1973 -]
Mehr noch, das Eintreten Pekings für eine Konsolidierung der militärpolitischen und ökonomischen Gruppierungen der kapitalistischen Länder, insbesondere der NATO und der EWG, birgt neue ernste Probleme für die „dritte Welt“ in sich, die mit einer noch mächtigeren imperialistischen Front konfrontiert werden würde.
Auch die außenwirtschaftlichen Beziehungen der VR China zu den Ländern der „dritten Welt“ widerspiegeln die Besonderheiten des maoistischen politischen Kurses. Dieser Kurs basiert darauf, die Unzufriedenheit der Entwicklungsländer mit der neokolonialistischen Politik der imperialistischen Mächte zu berücksichtigen und diese Unzufriedenheit zur Erleichterung des wirtschaftlichen Eindringens Pekings in diese Länder, zur Festigung seines Einflusses und zur Herstellung enger Beziehungen auf der Grundlage des Nationalismus und Antisowjetismus auszunutzen.
Auf verschiedenen internationalen Foren (Tagungen der UNO-Vollversammlung und der Spezialorgane der UNO sowie in Verhandlungen der VR China mit Delegationen aus Entwicklungsländern) versuchen die chinesischen Vertreter verstärkt, die Prinzipien und die Praxis der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen der sozialistischen Länder zu den Staaten der „dritten Welt“ zu verunglimpfen, wobei sie diese Beziehungen mit der von den imperialistischen Mächten betriebenen Politik der Nichtgleichberechtigung und des Raubes auf eine Stufe stellen. In ähnlicher Weise ist die chinesische Propaganda bestrebt, die UdSSR des Neokolonialismus zu bezichtigen und ihr die Verantwortung für die sozialökonomische Rückständigkeit der Entwicklungsländer – das Erbe der Kolonialherrschaft – aufzuerlegen. Diese Linie rechtfertigt in ihrem Wesen die neokolonialistische Politik des Imperialismus und vertuscht dessen Schuld an den Schwierigkeiten, mit denen die jungen Nationalstaaten der drei Kontinente nach wie vor konfrontiert sind.
Wie die Internationale Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien 1969 feststellte, bemüht sich der Imperialismus im Kampf gegen die nationale Befreiungsbewegung neben der hartnäckigen Verteidigung der Reste des Kolonialismus, „den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt der Entwicklungsländer, der Staaten, die ihre nationale Souveränität errungen haben, mit den Methoden des Neokolonialismus aufzuhalten“ [5]. Zu diesem Zweck wird ein ganzer Komplex von Mitteln eingesetzt – von der Aufzwingung militärpolitischer Pakte bis zur ökonomischen Expansion (Export von Kapital, nicht gleichberechtigte Handelsbedingungen, Preis- und Währungsmanipulationen, Kredite, verschiedene Formen der „Hilfe“ und der Druck der internationalen Finanzorganisationen). Die neokolonialistische Politik der imperialistischen Mächte verstärkt die ökonomische Rückständigkeit und die Schwierigkeiten der Entwicklungsländer. So ist zum Beispiel in den letzten zehn Jahren [vor 1973] der Anteil dieser Ländergruppe am Welthandel von 21,3 auf 17,6 Prozent gesunken. Im Ergebnis der nichtgleichberechtigten Stellung auf dem kapitalistischen Weltmarkt haben allein die Länder Afrikas in den Jahren 1960 bis 1970 mehr als 6 Milliarden US-Dollar verloren. Die wissenschaftlich-technische Revolution vergrößert die Abhängigkeit der Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas von den Westmächten. Außerdem bürden die Westmächte einen beträchtlichen Teil der mit der permanenten Krise des kapitalistischen Finanz- und Währungssystems verbundenen Last diesen Ländern auf.
Vor diesem Hintergrund versuchen die chinesischen Machthaber eine solche Fassade ihrer ökonomischen Beziehungen zur „dritten Welt“ zu errichten, die ihnen die Möglichkeit bieten würde, China als ein Muster der Uneigennützigkeit und der Nächstenliebe auszugeben.
Die Tatsachen beweisen jedoch, dass der chinesischen Wirtschaftspolitik das Bestreben zugrunde liegt, ein Maximum nicht nur an politischen, sondern auch an ökonomischen Vorteilen zu erzielen. Im Prinzip tritt die VR China ebenso als Ausbeuter der Entwicklungsländer auf wie der imperialistische Westen. -
Durch die Entwicklung des Handels mit den Entwicklungsländern erhält die VR China die Möglichkeit, ihre Waren und zum Teil auch Ausrüstungen zu exportieren, die nicht dem gegenwärtigen Weltstand entsprechen, und gleichzeitig dringend benötigte (darunter auch strategische) Rohstoffe und Materialien zu erhalten. Der Handel der VR China mit dieser Gruppe von Ländern ist durch einen positiven Saldo gekennzeichnet und dient als äußerst wichtige Quelle zur Einnahme harter Valuta.
Ebendieser Handel und die Gewinnung von Valutareserven in Hongkong und Macao sowie die Kontakte zu den Auslandschinesen liefern die Mittel zur Deckung des Defizits im Handel mit den kapitalistischen Ländern und zur Finanzierung der chinesischen „Hilfe“ für die Entwicklungsländer. So erhöhte sich der Warenumsatz der VR China mit den Entwicklungsländern in den Jahren von 1960 bis 1970 auf das Doppelte und erreichte ein Drittel des gesamten Warenumsatzes. In den Jahren von 1965 bis 1971 übertraf der Aktivsaldo der VR China im Handel mit den Ländern der „dritten Welt“ 2,5 Milliarden US-Dollar. Nebenbei bemerkt, tritt China, das vorwiegend Rohstoffe und Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt anbietet, als Konkurrent vieler Entwicklungsländer mit einer analogen Exportstruktur in Erscheinung.
Die Gewährung materieller Hilfe steht voll und ganz im Dienst der politischen Ziele der Führung der VR China. Im Interesse eines maximalen propagandistischen Effektes ist die Regierung der VR China auf eine wesentliche Änderung der Kreditbedingungen im Vergleich zu anderen Staaten eingegangen. Sie verzichtet völlig auf die Erhebung von Zinsen für gewährte Kredite, räumt lange Tilgungsfristen ein (25 bis 30 Jahre), stundet die Rückzahlung von Krediten und erklärt sich mit Vorzugsbedingungen bei der Entsendung von Spezialisten einverstanden (Arbeit für die Dauer von 3 Jahren ohne Urlaub und ohne Übersiedlung der Familie, Entlohnung und Lebensbedingungen entsprechende dem Niveau der Versorgung des einheimischen Personals mit vergleichbarer Qualifikation).
Der Abschluss von Abkommen über die Gewährung von Wirtschaftshilfe durch China wird gewöhnlich von einer Propaganda im Geiste der Erklärung Tschou En-lais in Mali aus dem Jahre 1964 begleitet, als dieser die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder als „gegenseitige Hilfe“ und als „Hilfe armer Freunde untereinander“ qualifizierte. Gleichzeitig versucht Peking, die Hilfe der sozialistischen Staaten zu diskreditieren, indem es sie als Ausdruck einer Politik der „Expansion“ und des „Neokolonialismus“ hinstellt. Immer häufiger ist die Gewährung der chinesischen Hilfe unmittelbar mit dem Bestreben der Maoisten verbunden, die Positionen der sozialistischen Länder zu erschüttern und die Entwicklungsländer zur Schaffung gesonderter, mit Peking verbundener Wirtschaftsgruppierungen zu drängen.
Da Peking über keine großen Möglichkeiten verfügt, den Entwicklungsländern bei der Entwicklung der grundlegenden Zweige der Industrie Unterstützung zu erweisen (das technische Niveau der chinesischen Industrie gestattet es nicht, moderne Großbetriebe zu errichten), [- 1973 -] sucht es diesen Mangel durch ziemlich umfassende Verpflichtungen zur Unterstützung beim Aufbau kleiner und mittlerer Betriebe der Leicht- und Nahrungsmittelindustrie, kleiner Maschinenbaubetriebe, beim Bau von Straßen und Eisenbahnlinien sowie bei der Schaffung von kulturellen und landwirtschaftlichen Objekten und von Bewässerungsanlagen zu kompensieren. Diese Bauten können zwar nicht die wahre ökonomische Unabhängigkeit und die Industrialisierung der Entwicklungsländer gewährleisten, erleichtern aber doch die Befriedigung der bestehenden Bedürfnisse und bringen der VR China den angestrebten politischen und propagandistischen Gewinn.
Gleichzeitig beginnt die VR China in den letzten Jahren, Verpflichtungen zur Errichtung von Betrieben der Schwerindustrie sowie zum Bau von Straßen, Eisenbahnen, Häfen, Zementfabriken usw. zu übernehmen.
Das System der ökonomischen Zusammenarbeit der VR China umfasst etwa 35 Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas; der Gesamtumfang der chinesischen Verpflichtungen wird auf rund 2,7 Milliarden US-Dollar geschätzt (Mitte 1972). Zwei Drittel der zugesagten Hilfe entfallen auf jene Länder, denen ein wichtiger Platz in den politischen Kombinationen und die Rolle eines Schaufensters Pekings eingeräumt wird – Pakistan (mehr als 572 Millionen US-Dollar), Tansania und Sambia (rund 500 Millionen US-Dollar), Mali (105 Millionen US-Dollar), Ägypten (rund 100 Millionen US-Dollar), Äthiopien (84 Millionen US-Dollar), Chile (100 Millionen US-Dollar) und einige andere Staaten.
Man muss jedoch unterstreichen, dass Peking zwar mit Versprechungen nicht geizt, sich aber durchaus nicht beeilt, sie zu realisieren. Mitunter wird die Erfüllung dieser Verpflichtungen an bestimmte politische Bedingungen geknüpft. So stellte China Mitte der sechziger Jahre die Erfüllung des Hilfsprogramms für Burma, Indonesien, Ghana, Uganda und die Zentralafrikanische Republik ein. Im September 1972 war lediglich etwa ein Drittel der chinesischen Hilfsprogramme für die Länder der „dritten Welt“ realisiert.
Man muss auch die Lieferungen chinesischer Waffen und die Entsendung von Militärspezialisten erwähnen, durch die der chinesische Einfluss in den Armeen der Entwicklungsländer verstärkt werden soll. Die Waffen werden im wesentlichen unentgeltlich geliefert. Inzwischen wurde auch mit der Lieferung von Kampfflugzeugen begonnen (an Sudan und Tansania). [- 1973]
Eine Analyse der Politik der VR China gestattet die Schlussfolgerung, dass die maoistische Führung, die sich die Aufgabe gestellt hat, die Führung in der „dritten Welt“ zu erobern, in der gegenwärtigen Etappe [- 1973 -] vor allem die Positionen und die Autorität der sozialistischen Gemeinschaft bei den Entwicklungsländern zu untergraben sucht. Für dieses Ziel wendet sie einen ganzen Komplex von ideologischen und ökonomischen Mittel an, nutzt in breitem Maße die Widersprüche zwischen den Entwicklungsländern und den großen imperialistischen Mächten aus und spekuliert auf die nationalen und rassistischen Vorurteile, die in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas verbreitet sind. -
Ungeachtet einer Reihe ernster außenpolitischer Misserfolge in der „dritten Welt“ setzen die Maoisten, die eine große Elastizität und Anpassungsfähigkeit zeigen und den Einsatz bedeutender finanzieller Mittel nicht scheuen, ihre hartnäckigen Anstrengungen fort, sich mit den Entwicklungsländern zusammenzuschließen, um diese zu einem Instrument ihrer Politik zu machen. Im Interesse ihrer Großmachtziele scheuen sich die Maoisten dabei nicht, Kompromisse mit dem Imperialismus einzugehen, dem der auf die Untergrabung des Einflusses der sozialistischen Staatengemeinschaft [- 1973 -] in der Welt und auf die Spaltung der nationalen Befreiungsbewegung gerichtete Kurs Pekings nur recht sein kann.«
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Anmerkungen
4 Hongqi (Peking), 1972, Heft 11, S. 72
5 Die Aufgaben des Kampfes gegen den Imperialismus in der gegenwärtigen Etappe und die Aktionseinheit der kommunistischen und Arbeiterparteien, aller antiimperialistischen Kräfte. In: Internationale Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien. Moskau 1969, Berlin 1969, S. 14.
Quelle: Die antisozialistische, entspannungsfeindliche Außenpolitik der Pekinger Führer, Dietz Verlag Berlin 1974. Vgl.: W. N. Matwejew, UdSSR, Die antisozialistische Politik der Maoisten in der „dritten Welt“. Herausgegeben vom Institut für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED, Lehrstuhl Internationale Arbeiterbewegung, und vom Institut für Internationale Beziehungen der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR