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Dialektik der Erkenntnis der Wahrheit

Bereitgestellt von Reinhold Schramm

Das wichtigste in der Erkenntnistheorie des dialektischen Materialismus, das uns in erster Linie im Zusammenhang mit der gestellten Aufgabe interessieren muss, ist das Problem der Wahrheit. Was ist Wahrheit? Ist es möglich, die Wirklichkeit wahrhaft zu erkennen? Wenn ja, wie wird wissenschaftliches Wissen gewonnen, wozu dient es? Diese und ähnliche Fragen ergeben sich in irgendeiner Form in jeder Sphäre der menschlichen Tätigkeit, auf allen Gebieten der Theorie und Praxis. Und wie besonders geartet der Gegenstand jeder Einzelwissenschaft, jedes Wissenszweiges auch sein mag, von der richtigen Beantwortung dieser Fragen hängen, direkt oder indirekt, Ziel und Richtung der wissenschaftlichen oder praktischen Tätigkeit sowie die Ziele der Schulung, die Methoden und Verfahren der Wissensvermittlung in jedem dieser Zweige ab.

Die Wahrheit lässt sich als ein Wissensinhalt charakterisieren, der mit den realen Prozessen und Erscheinungen übereinstimmt, oder, wie die Philosophen sagen, die Wirklichkeit adäquat widerspiegelt. Mit anderen Worten, die objektive Wahrheit ist der adäquate, der Wirklichkeit entsprechende Wissensinhalt. Die Erkenntnis dient nur dann der Praxis (und darin besteht auch ihre Aufgabe), wenn sie objektive Wahrheit enthält.  Das ist kurz der Standpunkt der marxistisch-leninistischen Philosophie zu dieser Frage. Mit der Anerkennung oder Negierung der Objektivität des Inhalts unserer Empfindungen, Begriffe und Vorstellungen hängt letzten Endes der Unterschied der zwei Hauptrichtungen in der Philosophie – des Materialismus und des Idealismus – zusammen. W. I. Lenin analysierte eingehend diese Frage in seinem Werk „Materialismus und Empiriokritizismus“.[1]

Wenn es aber so ist, dass die menschliche Erkenntnis objektive Wahrheit enthält, dass sie imstande ist, die Wirklichkeit richtig wiederzugeben, warum sind die Menschen dann nicht immer in der Lage, Fehler und Irrtümer zu vermeiden? Millionen Menschen vermögen in Jahrhunderten nicht, sich von bestimmten falschen Vorstellungen, von verschiedenen Vorurteilen zu befreien. Haben vielleicht doch in gewissem Maße die Verfechter des Agnostizismus recht, die behaupten, es sei unmöglich, die Welt zu erkennen? Natürlich nicht. Das nicht richtige Verständnis der Wirklichkeit lässt sich nicht dadurch erklären, dass die Erscheinungen prinzipiell nicht erkennbar seien; denn in diesem Fall gäbe es auch keine zielgerichtete menschliche Tätigkeit, die sich nur in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Wirklichkeit realisieren lässt. Fehler und Irrtümer sind durch die mit dem komplizierten und widersprüchlichen Charakter des Erkenntnisprozesses selbst verbundenen Schwierigkeiten bedingt.  Die Welt ist prinzipiell erkennbar.

Worin besteht aber diese Widersprüchlichkeit und Kompliziertheit? Verfolgt man aufmerksam die Entwicklung der Wissenschaft und Kultur sowie der menschlichen Kenntnisse, so kann man feststellen, dass dieses Wissen in jedem historischen Zeitabschnitt eine gewisse relative Wahrheit enthält, die trotz ihres objektiven Charakters die vielfältigen Seiten, Beziehungen, das Wesen der Erscheinungen nicht voll widerspiegelt. Ein mehr oder minder vollkommenes, ziemlich tiefgründiges und allseitiges Verstehen des Wesens eines Gegenstandes wird nur allmählich erreicht. Anders ausgedrückt, die Erkenntnis der Wahrheit ist historisch ein grenzenloser Prozess der Vervollkommnung des menschlichen Wissens. Gerade darin besteht der Sinn der bekannten These Lenins, dass sich die Erkenntnis über eine unendliche Reihe relativer Wahrheiten der absoluten Wahrheit nähert.

Dieser Gedanke ist leicht zu verstehen. In der Tat weiß jedermann aus persönlichen Erfahrungen, dass gründliche Kenntnisse nicht auf einmal entstehen, sondern sich nur durch  allmähliches Speichern verschiedener Informationen, durch ihre Analyse, durch Überprüfung der aus dieser Analyse resultierenden Schlussfolgerungen, durch die Suche nach neuen Tatsachen usw. ergeben. Auf diese Weise kommt es auch zu einer Ergänzung, einer Bereicherung des Inhalts des bereits vorhandenen Wissens, werden Fehler und Ungenauigkeiten früherer Vorstellungen korrigiert. Wird außerdem berücksichtigt, dass jede neue Generation von Menschen an dem anknüpft, was ihre Vorgänger auf einem bestimmten Gebiet der Wissenschaft, der praktischen Tätigkeit erreicht haben, und sich nur auf dieser Grundlage vorwärtsentwickeln kann, so wird einem klar, dass Erkenntnis eine unendliche Bewegung des Denkens vom Nichtwissen zum Wissen, vom unvollkommenen Wissen zum  vollkommeneren Wissen ist. Daraus resultiert aber, dass die Wahrheit nicht irgend etwas Unveränderliches und Beständiges sein kann; der Inhalt der Erkenntnis ändert sich ständig. Folglich kann man sich nicht nur darauf beschränken anzuerkennen, dass die Wahrheit  objektiv ist. Das war übrigens auch den Vertretern des vormarxschen Materialismus bekannt. Sie vermochten jedoch nicht, das Wesen der Erkenntnis aufzudecken; ihr Inhalt stellte sich ihnen als einfache Widerspiegelung der Erscheinungen der Außenwelt dar.

Wie die Wirklichkeit im Bewusstsein, im Denken des Menschen widergespiegelt wird, kann man nur richtig verstehen, wenn man in Betracht zieht, dass diese Widerspiegelung  ein Prozess ist, dass sich das Denken dem Wesen der Erscheinungen über bestimmte Stufen, Formen des Herangehens usw. nähert. Wir sprechen noch nicht von den Triebkräften der Entwicklung der Erkenntnis, von ihren Stufen und Ebenen. Davon wird weiter unten die Rede sein. Hier sei nachdrücklich betont, dass der vom Gesichtspunkt seiner Resultate betrachtete Erkenntnisprozess nicht als etwas Endgültiges dargestellt werden darf, das über den Gegenstand erschöpfende Kenntnisse vermittelt.

Die marxistische Philosophie betrachtet das Wissen in dem Sinne als relativ, dass die Menschen in jeder historischen Entwicklungsetappe Theorien und Konzeptionen hervorbringen können, die sich dem Wesen der Erscheinungen und Prozesse der Wirklichkeit in der einen oder anderen Form annähern; sie wendet sich jedoch gleichzeitig gegen eine Verabsolutierung des Moments der Relativität der Erkenntnis. In seiner Arbeit „Materialismus und Empiriokritizismus“ zeigte Lenin, dass der Subjektivismus und Agnostizismus der Machisten sehr häufig gerade auf der Übertreibung, auf der Verabsolutierung des Prinzips der Relativierung unseres Wissens, oder wie es heißt, des Prinzips des Relativismus basieren. Die Dialektik schließt das Moment des Relativismus in sich ein, betonte Lenin, sie beschränkt sich aber nicht darauf.

Aus der Sicht des dialektischen Materialismus ist es durchaus kein Zufall, dass die Unvollkommenheit unseres Wissens einer der Faktoren ist, die zur Entstehung von Vorstellungen beitragen, die das wirkliche Bild der Welt und der Ereignisse unwahr widerspiegeln. Hier existiert ein objektiver Widerspruch der Erkenntnisentwicklung. Mit den Worten Friedrich Engels’ ausgedrückt heißt das, es gibt immer einen Widerspruch „zwischen dem notwendig als absolut vorgestellten Charakter des menschlichen Denkens ... und seiner Realität in lauter beschränkt denkenden Einzelmenschen“ [2]. Diese Beschränktheit ist aufgrund des jeweiligen Entwicklungsstandes unserer Praxis dadurch objektiv bedingt, dass die Aufgaben der Erkenntnis in jedem konkreten Fall durch bestimmte Ziele vorgegeben werden, die letzten Endes aus den Bedürfnissen dieser Praxis, aus den Bedingungen des Ortes  und der Zeit resultieren. Die Menschen stellen sich Aufgaben, sagte Marx, für deren Lösung im Grunde genommen bereits entsprechende Möglichkeiten vorhanden sind. Das bedeutet jedoch gleichzeitig, dass die Suche nach der Wahrheit und die Wahrheit selbst, die bei der Lösung der jeweiligen Aufgabe erzielt wird, selbstverständlich durch die vorhandenen Bedingungen und Möglichkeiten begrenzt sind.

Des weiteren wird die Dialektik des Prozesses der Wahrheitsfindung nicht nur durch die widersprüchliche Beziehung von Relativem und Absolutem in der Erkenntnis charakterisiert. Die Erkenntnis ist gleichzeitig die Einheit der emotionalen Wahrnehmung der Welt, der lebendigen Anschauung und der rationalen Erkenntnis. „Von der lebendigen Anschauung zum abstrakten Denken und von diesem zur Praxis – das ist der dialektische Weg der Erkenntnis der Wahrheit ...“[3], schrieb Lenin.

Der Sinn dieser These besteht in folgendem: Denken ist unmöglich ohne Sinnesorgane, die sozusagen als Kanäle dienen, über die der Mensch vielseitige Informationen über die ihn umgebenden Gegenstände erhält und die Welt wahrnimmt. Sie ermöglichen es, die Wirklichkeit in der lebendigen Mannigfaltigkeit ihrer Farben und Laute aufzunehmen, und liefern dem Denken Stoff zum Erfassen, zur Analyse, für wissenschaftliche Abstraktionen. Indem der Mensch aber abstrahiert und wissenschaftliche Begriffe bildet, erlangt er die Fähigkeit, vernünftig zu handeln, mit Sachkenntnis Pläne auszuarbeiten und sie praktisch zu realisieren.

Dabei muss auf einen wesentlichen Umstand hingewiesen werden. Häufig wird diese Leninsche These so ausgelegt, als seien lebendige Anschauung, sinnliche Wahrnehmung der Welt und abstraktes Denken einzelne Stadien, Entwicklungsstufen der Erkenntnis. Die Tatsache, dass sowohl die historische Entwicklung des menschlichen Bewusstseins als auch die Herausbildung der Erkenntnisfähigkeiten des einzelnen Menschen unbedingt das Vorhandensein von Sinnesorganen voraussetzt, bedeutet keineswegs, dass jeder einzelne Akt der Erkenntnis mit der sinnlichen Wahrnehmung beginnt und erst danach der Denkprozess als solcher folgt. Das Sinnliche ist die Voraussetzung des rationalen, und zwar in dem Sinne, dass ein Mensch ohne Fähigkeiten der lebendigen Anschauung, ohne Sinnesorgane, überhaupt nicht denken kann. Wenn wir jedoch den konkreten Erkenntnisprozess im Auge haben, so sind Sinnliches und Ratioales, in ihm zeitlich nicht voneinander losgelöst, sondern bilden eine untrennbare Einheit.

Wissen, das heißt, was man als Wahres oder Falsches einschätzen kann, wird immer in bestimmten Meinungen und Thesen ausgedrückt. Die Ergebnisse der sinnlichen Wahrnehmung werden nur dann zu realem Wissen und können auf ihre Wahrhaftigkeit oder Falschheit hin betrachtet werden, wenn sie in die Denksphäre einbezogen sind, durch das Denken verarbeitet wurden und in Schlussfolgerungen und Urteilen ihren Ausdruck gefunden haben. Ebendeshalb ist jeder Erkenntnisvorgang beim Menschen immer etwas Einheitliches, ein Prozess, in dem Sinnliches und rationales eine untrennbare Einheit bilden. Bereits das Kind lernt, indem es sich die Bezeichnungen der verschiedenen Gegenstände zu eigen macht, gleichzeitig mit Abstraktionen, allgemeinen Begriffen und Kategorien umzugehen, die im Inhalt der zu erlenenden Wörter verankert sind: Es weiß zum Beispiel nicht nur, dass das eine Birke, Fichte oder Tanne ist, sondern gebraucht auch das Wort „Baum“; es unterscheidet einen Schreib- oder einen Esstisch von einem Tisch schlechthin usw. Mit anderen Worten, selbst auf den frühesten Entwicklungsstufen des menschlichen Bewusstseins ist es unmöglich, die sinnliche Wahrnehmung vom Denken als etwas Selbständiges abzutrennen.

Eine weitere Seite der Wahrheitsfindung besteht darin, dass dieser Prozess als Bewegung vom Abstrakten zum Konkreten vor sich geht, das heißt als Reproduktion der konkreten Vielfalt der Wesensmerkmale des Gegenstandes im Bewusstsein durch Bildung unterschiedlicher Abstraktionen, die diese Mannigfaltigkeit von verschiedenen Seiten her erfassen.

Einfacher lässt sich dieser Gedanke bei erster Betrachtung folgendermaßen ausdrücken: Die Probleme, die die Menschen auf den verschiedenen Gebieten lösen müssen, haben viele Seiten und Aspekte. Die Menschen entwickeln sie in ihrer Tätigkeit und stellen in jedem Einzelfall bestimmte Merkmale und Beziehungen heraus, die den realen Prozessen eigen sind. Zu jedem dieser Merkmale und Gesetzmäßigkeiten bilden sich Begriffe, Vorstellungen, mit einem Wort, Abstraktionen heraus. Jeder dieser Begriffe, jede dieser Vorstellungen kennzeichnet das Objekt jedoch nicht gänzlich, nicht voll und ganz, sondern nur von einer bestimmten, der konkreten Erkenntnisaufgabe entsprechenden Seite. Wenn sich aber eine Reihe von Vorstellungen angehäuft hat, kann man bereits davon sprechen, dass sie, in ein einheitliches System gebracht, eine umfassendere und tiefgründigere Vorstellung vom jeweiligen Objekt vermitteln. Indem wir verschiedene wissenschaftliche Begriffe, verschiedene Abstraktionen bilden, erhalten wir in unserem Denken ein allgemeines Bild der realen Prozesse   und Erscheinungen und bewegen uns, wie die Philosophen sagen, vom Abstrakten zum Konkreten.

Aus dem Gesagten können wir uns bereits einen Begriff davon machen, was vom Standpunkt der Philosophie des dialektischen Materialismus unter dem Terminus „Konkretheit“ verstanden wird. Unter „Konkretheit“ versteht man in erster Linie die realen Dinge selbst in der gesamten Mannigfaltigkeit ihrer Eigenschaften, ihrer äußeren und inneren Beziehungen und Bindungen. Mit anderen Worten, „Konkretheit“ ist hier die Charakteristik des Objektes selbst. Unter „Konkretheit“ versteht man aber auch die Widerspiegelung bestimmter Objekte in der Mannigfaltigkeit ihrer Merkmale, Beziehungen und Bindungen im Denken. Wir sprechen von Konkretheit, wenn sich das Denken vom Abstrakten zum Konkreten bewegt. Folglich ist „Konkretheit“ auch die Charakteristik eines bestimmten Wissens. Darauf wollen wir etwas näher eingehen.

Da alle Eigenschaften, Beziehungen und Bindungen, die einem Ding oder einer Erscheinung eigen sind, innerlich zusammenhängen, stellen sie objektiv eine Einheit der Mannigfaltigkeit dar. Um ein Objekt genügend vollständig zu verstehen, müssen seine verschiedenen Seiten, Beziehungen und Bindungen erfasst und untersucht werden. „Die G e s a m t h e i t  aller Seiten der Erscheinungen, der Wirklichkeit und ihre (Wechsel-)B e z i e h u n g e n – das ist es, woraus sich die Wahrheit zusammensetzt“,[4] schrieb Lenin.

Das Denken fixiert die verschiedenen Seiten der Gegenstände und Erscheinungen in Abstraktionen, in einzelnen Bestimmungen. Konkret aber ist in der Erkenntnis das System dieser Bestimmungen, Formulierungen und Begriffe, die miteinander logisch in einer Gesamtkonzeption vom jeweiligen Objekt verbunden sind und ein gedankliches Bild von ihm  vermitteln, das die angehäuften Kenntnisse vom Objekt zusammenfasst.  „Das Konkrete ist konkret“, schrieb Marx, „weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen. Im Denken erscheint es daher als Prozess der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als Ausgangspunkt und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstellung ist.“ Und weiter führt er aus, dass „... die Methode, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen, nur die Art für das Denken ist, sich das Konkrete anzueignen, es als ein geistig Konkretes zu reproduzieren“[5].

Bemerkenswert ist, dass die Erkenntnis, unabhängig davon, welches Problem sie löst, in jedem Einzelfall bestimmte Ziele hat, auf den einen oder anderen Gegenstand, auf seine vielfältigen Eigenschaften und Besonderheiten, Beziehungen und Verhältnisse, ausgerichtet ist. Dadurch ist das Wissen konkret und nicht deshalb, weil es dem sinnlichen Abbild des Gegenstandes nahekommt, wie die Vertreter des metaphysischen Materialismus annahmen. Wissen ist konkret, wenn es tiefgründig und allseitig die reale Vielfalt der Eigenschaften und Beziehungen des zu erkennenden Objektes in Abstraktionen erfasst. Übrigens wird häufig in der propagandistischen Praxis ein ähnlicher Fehler begangen, wenn man beispielsweise sagt: „Erklären Sie es konkret“, und annimmt, diese Erklärung müsste sich unbedingt auf den Hinweis auf irgendein sinnlich wahrnehmbares Objekt beschränken.

Echte wissenschaftliche Abstraktionen sind konkreter als die meisten empirischen Angaben, die nur die äußere Seite von Erscheinungen widerspiegeln. Lenin schrieb, dass alle wissenschaftlichen, richtigen, nicht unsinnigen Abstraktionen dazu beitragen, die Gesetzmäßigkeiten der objektiven Wirklichkeit tiefer, richtiger zu erkennen. [6] Kenntnisse, die nur einzelne Seiten einer Erscheinung ohne ihre Wechselbeziehungen und Bindungen erfassen, wie nahe sie dem sinnlich wahrnehmbaren Gegenstand auch sein mögen, sind einseitig und folglich nicht konkret. Es erweist sich, dass Konkretheit in diesem Sinne eine Charakteristik der Tiefe des Wissens, der Tiefe des Verstehens des Gegenstandes, der Forschung und des Studiums ist.

Die dargelegten Besonderheiten der Erkenntnis vermitteln eine Vorstellung davon, dass die Wahrheitsfindung ein komplizierter dialektischer Prozess ist mit eigenen inneren Gesetzmäßigkeiten. Es ergeben sich dabei Fragen wie beispielsweise: Was ist die Triebkraft der Erkenntnis? Wodurch sind diese inneren Gesetzmäßigkeiten bedingt? Eine zutiefst wissenschaftliche Antwort auf diese Fragen gab erstmals die marxistisch-leninistische Philosophie, nachdem sie die Rolle der praktischen Tätigkeit bei der Entwicklung der menschlichen Erkenntnis aufgedeckt hatte.»

Anmerkungen

1  Siehe W. I. Lenin: Werke, Bd. 14, S. 116–125.

2  Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft („Anti-Dühring“). In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Bd. 20, S. 80.

3  W. I. Lenin: Konspekt zu Hegels „Wissenschaft der Logik“. In: Werke, Bd. 38, S. 160.

4  Ebenda, S. 186.

5  Karl Marx: Einleitung [zur Kritik der politischen Ökonomie]. In: Marx/Engels: Werke, Bd. 13, S. 632.

6  Siehe W. I. Lenin: Konspekt zu Hegels „Wissenschaft der Logik“. In: Werke, Bd. 38, S. 160.

Quelle: Methodik der politischen Bildung. Dietz Verlag Berlin 1974. Vgl.: Theoretische Grundlagen. Kapitel III. Die Erkenntnistheorie des dialektischen Materialismus über die Besonderheiten des Erkenntnisprozesses. Dialektik der Erkenntnis der Wahrheit.

31.05.2015, Reinhold Schramm (Bereitstellung)