Der Klassenkampf ist eine gesetzmäßige Erscheinung der Ausbeuterordnungen – auch im 21. Jahrhundert
Bereitgestellt von Reinhold Schramm
Oder: Was die ostdeutsche Erwachsenenbevölkerung mit und ohne Parteibuch der Blockparteien, der Staatsorgane und Massenorganisationen, die Konsum- und Wirtschaftsflüchtlinge, die vorgeblichen und tatsächlichen Bürgerbewegten, die Arbeiterklasse und alle anderen Werktätigen, die Intelligenz, die Kunst-, Literatur- und Kulturschaffenden schon vor 1989/90 wissen konnten, wenn sie nur wollten.
»In allen Ausbeuterordnungen standen sich feindliche Klassen gegenüber. Auf Grund ihrer gegensätzlichen sozialen Stellung hatten sie entgegengesetzte und einander ausschließende materielle Interessen, die sie nur im Kampf gegeneinander geltend machen und durchsetzen konnten. Die Aufstände der Sklaven, die Kämpfe der leibeigenen Bauern gegen die Feudalherren und schließlich die Klassenschlachten zwischen Bourgeoisie un d Proletariat zeugen von dieser Wahrheit, die Marx und Engels im „Manifest der Kommunistischen Partei“ verkündeten.
Der Klassenkampf ist eine gesetzmäßige Erscheinung der Ausbeuterordnungen
Die herrschenden Klassen in den jeweiligen Ausbeutergesellschaften sind stets durch Klassenkämpfe in den Besitz ihrer ökonomischen und politischen Macht gelangt. Keine der herrschenden Klassen hat jemals freiwillig auf ihre Macht und die damit verbundenen ökonomischen und politischen Privilegien verzichtet. Die aufstrebende Bourgeoisie kämpfte zum Beispiel in der bürgerlichen Revolution gegen den Feudaladel, weil dieser eine Produktionsweise repräsentierte und verteidigte, die mit der Entwicklung der modernen Produktivkräfte in Konflikt geraten war und den Fortschritt der Produktion, des Handels und des Verkehrs sowie der Wissenschaft hemmte. In dieser Zeit betrieb die Bourgeoisie eine Produktionsweise, die derjenigen des Feudalismus überlegen war.
Die ökonomischen Erfordernisse der uneingeschränkten Entfaltung der kapitalistischen Produktion auf der Grundlage der sich entwickelnden Maschinerie fanden ihren konzentrierten Ausdruck in den Klasseninteressen der jungen Bourgeoisie. Diese ökonomischen Interessen durchzusetzen verlangte, die politischen Hindernisse, die staatlichen Machtverhältnisse des Feudaladels zu beseitigen. Die Bourgeoisie verfocht mit diesen ihren Klasseninteressen zu dieser Zeit Erfordernisse des allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritts, insofern es Erfordernisse waren, die auf eine ungehemmte Entwicklung der Produktivkräfte abzielten. Darum konnte und musste sie den Sieg davontragen.
Die allgemeingültige Schlussfolgerung, die aus diesen revolutionären Kämpfen zu ziehen ist, besteht darin, dass die Durchsetzung der ökonomischen Interessen einer Klasse stets vermittelt ist durch die Politik, durch die politische Aktion bestimmter Klassenkräfte, gegebenenfalls, wie in der Revolution, durch den politischen Klassenkampf Klasse gegen Klasse um die politische Macht.
Auf ihrer gegenwärtigen Entwicklungsstufe sind in den entwickelten kapitalistischen Staaten die Produktivkräfte wiederum mit den Produktionsverhältnissen in Konflikt geraten. Die unter der Herrschaft der Bourgeoisie entstandenen Produktionsverhältnisse sind zum Hemmnis der gesellschaftlichen Entwicklung geworden. Das zeigt sich in vielfältigen Erscheinungen. Die [Finanz- und] Monopolbourgeoisie in den imperialistischen Staaten ist nicht in der Lage, Bedingungen zu schaffen, unter denen sich die Produktivkräfte der Gesellschaft ungehindert entfalten können. Die Sicherung ihrer Macht, ihres Privateigentums an Produktionsmitteln verbieten es ihr, die Werktätigen als die Hauptproduktivkraft zu entwickeln. Ihre Profit- und Machtgier lassen sie auch die Produktivkräfte in militärische Destruktivkräfte verwandeln, die sie nutzen, um den Fortschritt aufzuhalten.
Verstärkte Aggression nach innen, besonders gegen die kommunistische und Arbeiterbewegung, Aggression nach außen, Antikommunismus als Staatsdoktrin, Missbrauch der Wissenschaften gegen die Interessen der Völker, schließlich Manipulierung der Massen im Sinne der Verherrlichung der kapitalistischen Produktionsweise {...}
Die imperialistische Bourgeoisie selbst hat aufgehört, im System der gesellschaftlichen Organisation der Produktion eine notwendige Funktion auszuüben. Sie ist eine durch und durch parasitäre, reaktionäre Klasse geworden, überreif, von der historischen Bühne abzutreten. Doch freiwillig wird sie das nicht tun. Sie dazu zu zwingen kann nur das Werk der [aufklärenden] Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten sein.
Obgleich sich der kapitalistische Grundwiderspruch zwischen den Produktionsverhältnissen und dem Charakter und Niveau der Produktivkräfte in den entwickelten kapitalistischen Ländern bis zum äußersten verschärft hat, ist das ökonomische Erfordernis, diesen Widerspruch zu lösen, nicht immer unmittelbar Motiv des proletarischen Klassenkampfes in den kapitalistischen Ländern. Die Dialektik zwischen Ökonomie und Politik ist weitaus komplizierter, ihre Wechselbeziehungen über vielfältige Stufen vermittelt. Die unmittelbaren Impulse für die politischen Kämpfe der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten gegen den Imperialismus sind durch verschiedene Glieder mit dem genannten ökonomischen Grundwiderspruch verbunden.
Die Aufdeckung dieses Grundwiderspruchs in seiner reinen, abstrakten Form ist das Ergebnis wissenschaftlicher Analyse. Konkret sichtbar wird er in den Erscheinungen, in denen sich der Imperialismus als Reaktion auf der ganzen Linie offenbart. Diese konkreten Bedingungen und Aktionen der imperialistischen Bourgeoisie sind es, die zum Anstoß für antiimperialistische Bewegungen werden.
Von allen antiimperialistischen, demokratischen Kräften ist die Arbeiterklasse die konsequenteste. Sie ist durch ihre Existenzbedingungen, durch die Gefahr, die der Imperialismus für sie und alle Werktätigen heraufbeschwört, zur Empörung gegen die bestehenden Verhältnisse gezwungen.
Die Erfahrungen der Geschichte lehren: Siegreich war stets der Kampf derjenigen Klasse, deren Klasseninteressen mit dem Fortschritt der gesellschaftlichen Produktivkräfte übereinstimmen. Darin liegt auch der Schlüssel zum Verständnis für die historische Mission der Arbeiterklasse und ihre führende Rolle im Kampf um die Beseitigung des kapitalistischen Systems der Ausbeutung und Ausrottung des Menschen durch den Menschen.
Die Arbeiterklasse ist die einzige Klasse, die auf Grund ihrer materiellen Klassenlage fähig ist, ein wissenschaftliches Bewusstsein über ihre wirkliche Lage und ihre geschichtliche Mission auszubilden. Das tut sie durch ihren am weitesten fortgeschrittenen Teil, die marxistisch-leninistische Partei.
Alle antiimperialistischen, demokratischen Bewegungen und Kämpfe können nur dann von grundlegenden Erfolgen gekrönt sein, der Imperialismus nur unter der Voraussetzung gestürzt werden, dass sich die demokratischen Bewegungen nicht nur gegen bestimmte Symptome, sondern gegen die Ursachen der imperialistischen Reaktion auf der ganzen Linie richten. Dazu bedarf es jener Einsicht in die gesetzmäßigen Zusammenhänge und das Wesen des staatsmonopolistischen Kapitalismus, über die nur die marxistisch-leninistische Partei verfügt.
Die marxistisch-leninistische Partei, ihre theoretische, politisch-ideologische und organisatorische Tätigkeit sind die entscheidenden Voraussetzungen für den erfolgreichen Klassenkampf für den Sieg der Arbeiterklasse über die Bourgeoisie. Eine der grundlegendsten Einsichten, die die marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse und den anderen werktätigen Massen vermittelt, besteht darin, dass die Wurzel der Ausbeutung und der politischen Entrechtung der Arbeiterklasse und aller Werktätigen unter den Bedingungen des Imperialismus im Privateigentum an den Produktionsmitteln liegt. Die Arbeiterklasse kann sich nicht befreien, sich nicht den ganzen von ihr selbst geschaffenen Reichtum aneignen, ihre schöpferischen Fähigkeiten allseitig entfalten und die Produktion sinnvoll und planmäßig betreiben, wenn sie nicht das Privateigentum an den Produktionsmitteln beseitigt. Sie kann es nicht beseitigen, ohne das Hauptinstrument zu zerschlagen, mit dessen Hilfe die Bourgeoisie dieses Privateigentum sichert – ihre politische Macht, den bürgerlichen Staat. Folglich bildet der politische Kampf der Arbeiterklasse die Hauptform des Klassenkampfes.«
Quelle: Politisches Grundwissen. Dietz Verlag Berlin 1972.
29.05.2015, Reinhold Schramm (Bereitstellung)