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Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea

von Albert Norden - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

[Teil 4 von 4]

Die Trommler für den Völkermord der USA in Korea wie später in Vietnam, die drei Bundeskanzler des Bonner Regimes ebenso wie ihre sozialdemokratischen Bundesgenossen Wehner, Brandt und Helmut Schmidt, schlagen das Paukenfell für die mörderischsten Kolonialkriege und für die Kriegsgewinnler. -

Man hat es mit einer Politik und einem Geschäft ohne Moral zu tun. Und um das alles zu rechtfertigen, behauptete die offizielle Presse der Bundesrepublik und Westberlins, dass die unerhörte Intervention der Amerikaner in Korea als eine „politische Aktion“ der „Vereinten Nationen“ zu werten sei, obwohl bei der Beratung und Beschlussfassung der Vereinten Nationen ein Drittel der Menschheit überhaupt nicht einmal vertreten waren.

Aber was die Leute verschweigen möchten, ist die Tatsache, dass die militärische Intervention der USA erfolgte, bevor ihre Satelliten am 27. Juni in der UNO Stellung nahmen. Eine Meldung der Associated Press, die am 26. Juni 1950 frühmorgens von den westlichen Zeitungen in Riesenaufmachung publiziert wurde begann so:

„Die Regierung der USA hat sich entschlossen, die südkoreanische Republik mit militärischen Hilfsmitteln zu versorgen. General MacArthur wurde angewiesen, von Japan aus schnellstens Ausrüstungen und Waffen nach Südkorea zu schicken. Wie hierzu in Washington verlautet, soll sich der Nachschub bereits auf dem Wege nach Südkorea befinden.“

Hier wird also bestätigt, dass, ohne die Stellungnahme der UNO abzuwarten, der ganze militärische Apparat der USA bereits am 25. Juni, dem Tag des Überfalls auf Nordkorea, in Bewegung gesetzt wurde. Diese Promptheit beweist einmal, wie großartig die Spitzen des amerikanischen Staatsapparates über die bevorstehende Aktion Li Syng Mans informiert gewesen sein müssen, und zum anderen, dass Washington auf diese Aktion wartete, um „von der Politik der Vorbereitung der Aggression zu offenen Aggressionshandlungen gleichzeitig in einer Reihe von asiatischen Ländern“ überzugehen, wie es in der Erklärung des sowjetischen Außenministeriums vom 4. Juli 1950 hieß.

Die amerikanische und westdeutsche Geschichtsschreibung und die zu jeder Fälschung bereite imperialistische Journaille behaupten, von Nordkorea sei an jenem 25. Juni 1950 der Angriff ausgegangen. Lesen wir, was dazu der britische Diplomat Sir John Pratt zu sagen hat. Dieser Sachbearbeiter für Ostasien im Foreign Office trat im Dezember 1951 von seinem Posten zurück und veröffentlichte eine Erklärung, in der es hieß:

„Am Morgen des 25. Juni griff Li Syng Man Nordkorea an. Das State Department wandte sich sofort an den Sicherheitsrat und forderte, dass die Nordkoreaner zu ,Aggressoren’ erklärt würden. Dies geschah noch am gleichen Nachmittag, ohne dass der beschuldigte Teil auch nur gehört worden wäre und ohne dass man irgendwelche Beweise für die Richtigkeit der Beschuldigung vorweisen konnte“. [1]

Tatsächlich zerschlug die Volksarmee die südkoreanischen Angriffsspitzen und befreite drei Tage später die Stadt Söul.

Aber bereits drei Wochen, bevor die südkoreanischen Wachhunde losgelassen wurden, also lange vor Beginn der Feindseligkeit, hatten die USA unter Bruch aller internationalen Abkommen die 24. Infanteriedivision und kurz darauf die 2. und die 25. Infanteriedivision, die 1. Kavallerie-Panzerdivision und die 1. Marine-Infanteriedivision in Südkorea gelandet. -

Jetzt, als die Misserfolge der Südkoreaner sich abzuzeichnen begannen, griffen die USA am 26. Und 27. Juni massiv ein, bombardierten koreanische Städte und Dörfer, beschossen die Häfen, landeten Truppentransporter unter dem Schutz der Stillen-Ozean-Flotte und der 7. Flotte, die in die nordkoreanischen Hoheitsgewässer eindrangen. -

So nahm der mit amerikanischer Hilfe vorbereitete südkoreanische Überfall den Charakter eines internationalen Krieges an. Es sollte der bis dahin viertgrößte Krieg in der Geschichte der USA werden, die nach dreijährigen erbitterten Kämpfen geschlagen und zum Waffenstillstand gezwungen wurden. Fast fünfundzwanzigtausend Tote und über hunderttausend Verwundete verzeichnet die offizielle Verlustliste der Vereinigten Staaten.

Um so reicher waren die Gewinne der amerikanischen Trusts. Aus dem wirtschaftlichen Krebsgang wurde über Nacht ein Aufschwung. Wörtlich bestätigte „Wallstreet-Journal“, die Zeitung der amerikanischen Finanzoligarchie: „Der Krieg in Korea ist ein außerordentlich einträgliches Business für die USA-Monopole.“

Nein, es war alles andere als Zufall, dass der amerikanische Überfall auf Korea in dem Augenblick begann, als die USA-Wirtschaft in einer Überproduktionskrise steckte. Die offiziellen Rüstungsausgaben, die 1949 etwa neunzehn Milliarden Dollar betragen hatten, schnellten bis 1953 auf 54,3 Milliarden hoch.

Schon am 9. Oktober 1950, ein Vierteljahr nach Beginn des Überfalls, konnte „Wallstreet-Journal“ erfreut mitteilen, dass die Armee der USA bereits zu diesem Zeitpunkt fünfhundert Prozent mehr für Waffenkäufe ausgegeben hatte, als vor Beginn der Aggression kalkuliert worden war (1962 Millionen statt 312 Millionen Dollar). Das USA-Kriegsministerium bezifferte seine Ausgaben für den Koreakrieg auf achtzehn Milliarden Dollar. Der Leiter des bekannten Massachusett Institute of Technology, Professor P. A. Samuelson, ließ an den Ursachen des Wirtschaftsbooms keinen Zweifel: „Der Koreakrieg und andere Verteidigungsausgaben der Regierung lagen unserer Prosperität zugrunde.“ [2]

Diese Wirtschaftsblüte nahm dann auch sofort nach dem im Juli 1953 abgeschlossenen Waffenstillstand ein Ende. Die industrielle Produktion sank um 10 Prozent. Über fünf Millionen Arbeiter flogen auf die Straße. Es musste erst ein neuer Überfall auf ein fremdes Volk kommen, auf Vietnam, um der USA-Wirtschaft wieder eine galvanisierende Injektion zu geben. Aber was ist das für ein Gesellschaftssystem, das der Rüstung und Kriege bedarf, um seine industriellen Produktionsmöglichkeiten auch nur annähernd auszunutzen und dessen Herren eben darum Krieg anzetteln! Ohne die Trusts und ihre Bedürfnisse und Wünsche hätten Außenminister Dulles und Präsident Truman nicht die USA in das blutige Abenteuer stürzen können. Wie schrieb in seinem nach dem zweiten Weltkrieg erschienenen Buch ein Wirtschaftswissenschaftler, der alles andere als ein Feind des Imperialismus ist: „Die Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts mögen der Todeskampf des Kapitalismus sein. Aber der Krieg dient auch dazu, die Agonie zu verlängern.“ [3]

Lieber den Krieg als die Krise! Nach diesem Imperativ handelt der amerikanische Imperialismus, und damit hat er seinen moralischen Offenbarungseid geleistet. Hinter dem antikommunistischen Schrei verbirgt sich das nackte Profitinteresse, das kein nationales und soziales Selbstbestimmungsrecht anderer Völker anerkennt und alle Schranken menschlicher Gesittung niederreißt, um König Dollar noch eine geschichtliche Herrschaftsfrist mit Blut zu erkaufen.

Fassen wir zusammen:

  • Die USA schürten den Krieg, um nach dem Sieg der chinesischen Revolution ihre Stellung in Asien zu halten und um den Wunsch des amerikanischen Imperialismus nach der Weltherrschaft durch gesteigerte Aggression durchzusetzen.
  • Die USA benötigten aus wirtschaftlichen Gründen die Aggression gegen Nordkorea und führten sie herbei.
  • Die USA griffen von Beginn der Feindseligkeiten an unmittelbar in diese ein.
  • Die USA benutzten den von ihnen geschaffenen Konflikt zu dem Versuch, neue Gebietsannexionen vorzunehmen.
  • Propagandamäßig erfuhr die von Gnaden des amerikanischen Auslands und nur für das amerikanische Ausland herrschende südkoreanische Clique ihre Glorifizierung als eine nationale Regierung.
  • Obwohl sie nach ihren eigenen Worten ausschließlich der Aggression verpflichtet ist, wird sie in eine friedliche Regierung umgelogen.
  • Ein faschistisches Regime, Gegenstand nationalen Hasses und internationaler Verachtung, wird in ein demokratisches umgefälscht.

Der amerikanische Interventionskrieg, geführt von amerikanischen Generalen und Soldaten, amerikanischen Bomben- und Jagdfliegern und amerikanischen Kriegsschiffen, verwandelte sich unter den Händen der Sprecher und Schreiber der Stimme Amerikas in einen sowjetischen Angriffskrieg.

Hier liegt die Methode nackt zutage, mit der die Imperialisten ihre blutigen Unternehmen in legitime Defensivaktionen umzuwandeln trachten. Es wird ihnen nicht gelingen.

In dem Lagebericht, den die westdeutschen Sender am Morgen des 5. Juli 1950 verbreiteten, gab es diesen enthüllenden Satz: „Amerikaner fingen die in Panik zurückweichenden südkoreanischen Truppen auf und brachten sie wieder in Stellung.“

Das ist die klassische Geste der Sklavenhalter und Kanonenfutterkommandanten: Sie zwingen die Unterworfenen zum Kampf. Gestützt auf die verrottetste und verdorbenste faschistische Gesellschaftsschicht, von der Volk und Soldaten nichts mehr wissen wollen, geben die Unterjocher der Völker ihre dem Untergang geweihte Sache nicht auf, sondern suchen den Konflikt, den sie vom Zaune brachen, zu verlängern, zu verschärfen, zu verbreitern. Mögen sie sich tausendmal hinter den von ihnen unrechtmäßig diktierten Beschlüssen des Sicherheitsrates verstecken, an dessen Verhandlungen die größten Nationen nicht beteiligt waren – die demokratische Welt reißt den Mördern der Völkerfreiheit die Larve ab und erkennt die Fratze der amerikanischen Möchtegern-Retter des Weltfaschismus und Entzünder der Kriegsfeuer.

Unterwerfung oder Vernichtung – von einer anderen Alternative wollen die Diktatoren der USA nichts wissen. Der Pressetrustherr Henry Luce, finanziert vom Eisenbahn-, Schifffahrts- und Bankenkönig W. A. Harriman – bis 1950 Chef des Marshallplanes in Europa, seitdem politischer Berater Trumans und später des USA-Präsidenten Johnson –, proklamierte das „amerikanische Jahrhundert“. In westdeutschen Presseorganen (zum Beispiel „Der Spiegel“ vom 20. Juli 1950) träumte man von der amerikanischen Weltdiktatur, die „nach einem Imperator verlangt“, weil „noch nicht abzusehen ist, wie die Weltherrschaft auf die Dauer ohne Cäsarismus ausgeübt werden soll“. Die westlichen „Demokraten“ sind schon auf den Imperator heruntergekommen.

Dass es mit Cäsar übrigens ein ziemlich schnelles und mörderisches Ende nahm, scheinen sie vergessen zu haben.

„Ich möchte die Rolle, die von der Vorsehung den Vereinigten Staaten bestimmt ist, mit derjenigen des römischen Imperiums vergleichen“, erklärte Adenauer [4], der offensichtlich in Börsengeschäften mehr zu Hause war als in der Geschichte; sonst würde er nicht diesen unglücklichen Vergleich gewählt haben. Denn das aggressive Imperium, das die USA nach Trumans und Adenauers Wunsch imitieren sollen und wollen, wurde bekanntlich von den Slawen im Osten und den Germanen im Westen zertrümmert. Was man in Washington und Bonn nicht vergessen sollte ...

Vor 1914 war jeder imperialistische Krieg ein gewonnener Krieg. Seit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und besonders nach der Herausbildung des [historischen] sozialistischen Weltsystems haben sich die Dinge [zeitweilig] gewandelt. Die großen kriegerischen Aggressionen von Korea über Ägypten bis Kuba endeten mit schweren Niederlagen der imperialistischen Angreifer, und während diese Zeilen im Druck erscheinen, bemüht sich der USA-Imperialismus als selbsternannter Führer des kapitalistischen Weltsektors mit Hitlerischer Grausamkeit und doch vergeblich, das kleine vietnamesische Heldenvolk in die Knie zu zwingen.

Natürlich ist der Imperialismus kein Papiertiger. Denn ein Raubtier aus Papier kann nicht so unermessliches Leid über die Menschheit bringen und ungezählte Opfer verschlingen.

Aber die Geburt und siegreiche Aufwärtsentwicklung der sozialistischen Staaten [- 1968 - //], die nationale revolutionäre Bewegung auf drei Kontinenten und die Schlachten des Proletariats in den noch kapitalistischen Ländern verwandeln die Überfälle in schwere Debakel ihrer gewissenlosen Urheber. «
[4 von 4]

Anmerkungen

1 John Pratt: Tatsachen gegen Geschichtslügen. Die Wahrheit über die USA-Aggression im Fernen Osten. In: Friedenswacht (Berlin), Januar 1952, S. 40.
2 The Financial Times (London), 24. November 1954.
3 C. E. Ayres: The Divine Right of Capital, Boston 1946, S. 43.
4 New York Times, 24. August 1950

Quelle: Albert Norden: So werden Kriege gemacht! Über Hintergründe und Technik der Aggression. Dietz Verlag Berlin 1968. Vgl.: Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea.