Skip to main content Skip to page footer

Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea

von Albert Norden - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

[Teil 3 von 4]

In Südkorea hatte Dulles sich überzeugt, dass Li Syng Mans Regime vor dem Zu- sammenbruch stand. Sein Anhang war bei den südkoreanischen Wahlen vom 30. Mai 1950 im glühenden Volkszorn wie Butter an der Sonne geschmolzen.

Im neuen Parlament folgte ihm nicht einmal ein Viertel der Abgeordneten. Das wurde für die USA-Imperialisten ein zusätzlicher Anreiz zur Aggression. Da Li Syng Mans Sturz gewiss schien, konnte nur ein gewonnener Krieg sein Prestige heben. Am 21. Juni 1950 tauchte Dulles, von Korea kommend, in Tokio auf, wo er nach langer Aus- sprache mit MacArthur vor der Presse „eine positive Aktion der USA voraussa- gte“ [1].

An jenem verhängnisvollen 25. Juni 1950 befand sich der berühmte amerikanische bür- gerliche Publizist John Gunther im privaten Salonwagen MacArthurs auf einem Ausflug in die Umgegend Tokios. General C. Whitney, der politische Hauptberater MacArthurs, wollte mit ihm fahren, sagte aber im letzten Moment ab mit der Begründung, „MacArthur benötige ihn an diesem Sonntagmorgen.“

Statt dessen begleiteten zwei andere höhere Offiziere den Schriftsteller. Einer von ihn- en wurde „gerade vor dem Mittagessen unerwartet ans Telefon gerufen“. Als er zurückkam, „flüsterte er: ,Eine Riesengeschichte wird gerade bekannt. Die Südkore- aner haben Nordkorea angegriffen’.
(Unterstreichungen von mir – A. N.)“ [2]

Dieses Zeugnis eines Bewunderers MacArthurs wiegt schwer. Die Generalstäbe der USA wussten und sagten unter sich die Wahrheit: Li Syng Man hat den Überfall gestartet. In Washington musste man natürlich die Sache in ihr Gegenteil verkehren, um einen Vorwand zur Unterstützung der Aggression zu haben. Denn maßgebende Kreise dort suchten geradezu nach einem Krieg. Kein geringerer als der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Senats, Conally, gab das einige Wochen vor dem Überfall in Korea zu.

Auf die Frage der einflussreichen Washingtoner Zeitschrift „US News and World Report“, warum so viele Amerikaner an die Unvermeidlichkeit eines Krieges glaubten, antwortete Conally wörtlich: „Viele sagen: ,Da wir doch einmal Krieg führen müssen, warum nicht gleich.’“
[3]

Aus dieser Geistesverfassung entsprang die südkoreanisch-amerikanische Aggression.

Amerika hat interveniert, nicht Nordkorea. Einen Monat nach Kriegsausbruch wurde das in einer wirklich aufsehenerregenden Weise durch McArthur bestätigt, der im Tokioter Hauptquartier am 30. Juli 1950 einen seiner höheren Nachrichten-Stabsoffiziere vor den versammelten Pressekorrespondenten feststellen ließ:

Als der Krieg am 25. Juni begann, hatte die nordkoreanische Armee ihren Mobilmachungsplan nicht durchgeführt. Nur sechs Divisionen waren bereit, obgleich die nordkoreanischen Pläne für den Kriegsfall 13 bis 15 Divisionen erfordern.“ So gestand das USA-Hauptquartier selbst ein, dass es überhaupt keine Mobilmachung in Nordkorea gab.

Wie sollte da von einem nordkoreanischen Angriff die Rede sein? Originaldokumente der Li Syng Man-Regierung, die bei der Besetzung von Söul von der Koreanischen Volksarmee erbeutet und veröffentlicht und deren Echtheit von den Amerikanern und ihren Werkzeugen nie bestritten wurden, zeugen von der systematischen Vorbereitung der Invasion Nordkoreas. Li Syng Man schrieb am 30. September 1949 an Dr. Robert Oliver, einen seiner Freunde in den USA, wo er Jahrzehnte als Stipendiat der USA-Regierung verbracht hatte:

„Ich bin fest davon überzeugt, dass jetzt der psychologisch geeigneteste Augenblick gegeben ist, eine aggressive Maßnahme zu ergreifen... Wir werden Kim Ir Sens (Ministerpräsident Nordkoreas – A. N.) Leute in die Berge jagen und sie dort allmählich aushungern.“ [4]

Dass die amerikanischen Imperialisten den Überfall nicht nur inspirierten, sondern auch systematisch vorbereiteten, bezeugte der Chef der amerikanischen Militärmission in Korea, General Roberts, auf einer Konferenz mit den Divisionskommandeuren in Söul, die im Oktober 1949 stattfand.
Hier ist der Wortlaut seiner Erklärung:

Gewiss sind zahlreiche Angriffe auf das Gebiet nördlich des 38. Breitengrades auf meinen Befehl hin erfolgt, und es werden in den kommenden Tagen noch zahlreiche weitere erfolgen ... Von nun an ist die Invasion der Landeswehrmacht gegen das Gebiet nördlich des 38. Breitengrades nur auf Grund von Befehlen der amerikanischen Militärmission durchzuführen.[5]

Invasion Nordkoreas? Aber ja! Jedoch nicht auf eigene Faust, sondern dann, wenn Washington auf den Knopf drückt und Befehl gibt.

Ein Vierteljahr später, im Januar des verhängnisvollen Invasionsjahres, wurde derselbe Roberts ganz präzise: „Der Feldzug gegen den Norden ist eine beschlossene Sache, und der Termin seiner Durchführung liegt nicht allzu fern![6]

Wir haben hier bewusst nur Erklärungen von Vertretern und Anhängern des Yankee-Imperialismus gebracht und glauben, dass sie für sich selbst sprechen. Die amerikanischen Imperialisten benötigten den Angriff auf Nordkorea, nicht nur um dieses zu erobern, sondern um mit Hilfe dieses Konflikts alle Keime zu einer normalen friedlichen Entwicklung in diesem Teil der Welt zu zertreten. Li Syng Man hatte bei den südkoreanischen Wahlen Ende Mai 1950 eine vernichtende Niederlage erlitten, so dass sein Regime sich mehr und mehr dem Abgrund näherte. Darum wurde am 38. Breitengrad am 25. Juni 1950 der neue Reichstagsbrand entzündet.

USA-Präsident Truman deckte 48 Stunden nach dem Überfall die Karten auf, als er die bewaffnete USA-Macht seinen Bütteln in Südkorea zu Hilfe schickte und Befehl gab, „dass die amerikanischen Streitkräfte auf den (nominell unabhängigen – A. N.) Philippinen verstärkt werden. Gleichzeitig habe ich eine Beschleunigung der Lieferung von Kriegsmaterial an die Streitkräfte Frankreichs und der mit Frankreich assoziierten Staaten in Indochina angeordnet und die Entsendung einer Militärmission veranlasst.“

Damit nicht genug, machte sich Truman eines unmittelbaren Angriffs auf die chinesische Volksrepublik schuldig, indem er der amerikanischen Flotte Befehl gab, die Eingliederung Taiwans in die chinesische Republik mit Gewalt zu verhindern. Dabei hat noch nie jemand bestritten, dass Taiwan ein Bestandteil Chinas ist. Es wurde sogar auf den Konferenzen der drei Großmächte in Kairo 1943 und Potsdam 1945 noch einmal ausdrücklich bestätigt. [7]

Hier hat man es mit einer tödlichen Aggression zu tun, mit dem unverschämten Anspruch der amerikanischen Regierung, ihren Willen als Gesetz zu diktieren, wann und wo immer es ihr gefällt. Selbst die Schweizer „Tat“ musste am 29. Juni verlegen gestehen:

„Trumans Intervention hat die Gefahr eines dritten Weltkrieges erhöht.“

Aber jene Kanaillen, die nicht mehr tiefer sinken können – wir haben vom Berliner „Telegraf“ gesprochen –, ließen am 26. Juni ihr Blatt unter der Hauptschlagzeile „Sowjets provozieren Krieg in Fernost“ erscheinen. Und um ihren amerikanischen Herren und Geldgebern einige Vorwände und Gründe zu geben, saugten sie sich am 2. Juli einen „Eigenbericht“ aus den Fingern, wonach „zur Unterstützung Nordkoreas Volkspolizisten mit Flugzeugen von Berlin-S c h ö n e f e l d aus nach Korea gebracht werden sollen“.

Das ist gar nicht neu, man braucht sich nur daran zu erinnern, dass, wenn immer die Weltöffentlichkeit über die grausame amerikanische Militärintervention Ende der vierziger Jahre in Griechenland empört war, prompt von Zeit zu Zeit im „Telegraf“ und anderen Westberliner Blättern Nachrichten über die Entsendung von Polizei aus Ostdeutschland nach Griechenland erschienen. Es handelt sich hier um dieselben Versuche der Ablenkung von der infamen amerikanischen Kriegspolitik und um ihre Rechtfertigung.

Das deutsche Großkapital und seine politischen und journalistischen Leibwächter standen nicht nur auf Grund ihrer Geisteshaltung als ewige reaktionäre Aggressoren auf der Seite der nordamerikanischen Friedensbrecher. Sie hatten auch handfeste materielle Gründe:

1950 kurbelte der Koreakrieg die deutsche Nachkriegskonjunktur an – zu solch behendem Lauf, dass sich die Welt über die (west-) deutsche Wirtschaft wunderte. [8]

Welche Vorteile die westdeutschen Konzerne aus dem mörderischen Krieg der USA gegen das koreanische Volk zogen, mögen einige Zahlen verdeutlichen. Lagen die Exporte Westdeutschlands in die USA 1949 bei 46,5 Millionen Dollar, so schnellten sie 1950 bereits auf 102,4 Millionen Dollar und erreichten 1955 die Summe von 356,3 Mill. Dollar. Dabei dominierten Erzeugnisse wie Roheisen, Stahlröhren, Werkzeugmaschinen einschließlich Walzwerkanlagen. So half die Bundesrepublik, die durch die USA-Invasion bedingte erhöhte industrielle Nachfrage zu decken.

Es bleibt höchst aufschlussreich, dass mit dem vom Koreakrieg verursachten steilen Wachstum der Export- und Kriegsgewinne des deutschen Finanzkapitals dessen Hetze gegen die kriegsfeindlichen Kommunisten parallel ging. -

Als der Koreakrieg neue Exportmärkte den westdeutschen Großkapitalisten erschloss, öffneten sie alle Schleusen der Verleumdung gegen die Kommunistische Partei Deutschlands und beantragten ihr Verbot, weil diese Partei als einzige mutig und laut ihre Stimme gegen das amerikanische Koreaverbrechen, die Verbrecher und ihre Bonner Zuhälter erhob. «
[3 von 4]

Anmerkungen

1 New York Times, 22. Juni 1950.
2 John Gunther: The Riddle of Mac Arthur, New York 1951, S. 165.
3 US News and World Report, 2. Mai 1950.
4 Die Wahrheit über Korea, Dietz Verlag, Berlin 1952, S. 58.
5 Ebenda, S. 60.
6 Ebenda, S. 63.
7 In der am 1. Dezember 1943 von den USA, England und China unterzeichneten Kairoer Deklaration heißt es, dass alle Territorien, welche Japan China entrissen hatte, wie z. B. die Mandschurei, Formosa (Taiwan) und die Peskadores-Inseln, an die chinesische Republik zurückzugeben sind. In der Potsdamer Deklaration vom 26. Juli 1945 der USA, Englands und Chinas wurde die Kairoer Deklaration bestätigt.
8 Capital. Wirtschaftsmagazin (Hamburg), Nr. 5, Mai 1967.

Quelle: Albert Norden: So werden Kriege gemacht! Über Hintergründe und Technik der Aggression. Dietz Verlag Berlin 1968. Vgl.: Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea.