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Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea

von Albert Norden - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

[Teil 2 von 4]

Ein in Zeitungen aller Länder zu Beginn der dritten Junidekade 1950 erschienenes Bild zeigt den Sonderberater des Außenministers Acheson und dessen späteren Nachfolger, John Foster Dulles, in Korea.

Wie es bei allen führenden USA-Imperialisten üblich ist, vertrat Dulles bei seinem Erscheinen in Korea nicht nur die Gesamtinteressen der amerikanischen Kriegstreiber, sondern auch seine privaten: er gehörte nämlich zum Aufsichtsrat der National City Bank, die die Nachfolgerschaft der japanischen Trusts bei der Ausraubung Koreas angetreten und die oben erwähnte New Corea Company gegründet hat.

Der bewährte profaschistische Kriegsstratege in Zivil steht, umgeben von hohen amerikanischen und südkoreanischen Offizieren, an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Die Blicke der Herren sind teils auf eine Generalstabskarte, teils über die Grenze gerichtet. Das Foto, von Associated Press aufgenommen, stammt vom 19. Juni 1950 (man stelle sich das markerschütternde Geheul des westlichen Presse vor, falls, sagen wir, ein hoher sowjetischer Diplomat mit sowjetischen Generalen an der Grenze zwischen den beiden Koreas erschienen wäre! Wenn jedoch der berufsmäßige Helfer des Weltfaschismus und der Anwalt der Rüstungsindustrie das tat, dann handelte es sich für die Zeitungen mit Dollarinjektionen um ein lobenswertes demokratisches Verteidigungsunternehmen – obwohl der normale Mensch die Frage stellen wird, was in aller Welt amerikanische Diplomaten und Generale dort auf dem asiatischen Kontinent zu suchen haben).

In denselben Tagen befanden sich, parallel mit dem Besuch von Dulles in Korea und Japan, ganz zufällig auch die Häupter des amerikanischen Kriegsapparates, der Verteidigungsminister Johnson und der Generalstabschef Bradley, in Tokio, „wo in General MacArthurs Hauptquartier Besprechungen in einer von Geheimnissen umgebenen Atmosphäre stattfanden“. [1]

Keine Woche verging – und das Geheimnis war gelüftet: die südkoreanische Armee startete den Angriff über den 38. Breitengrad nach Nordkorea hinein. Wie war das möglich?

1945 wurden die japanischen Okkupanten aus Korea vertrieben und das Land in zwei Besatzungszonen getrennt, wobei der 38. Breitengrad die Grenze zwischen der sowjetischen Besatzungszone im Norden und der amerikanischen im Süden war. Nach Schaffung demokratischer Verhältnisse in Nordkorea verließen 1948 die sowjetischen Truppen das Land, während die amerikanischen sich, genau wie in Deutschland, von dem liebgewordenen Okkupationsterrain gar nicht zu trennen vermochten. Erst Mitte 1949 konnten sie hinauskomplimentiert werden. Als Erbschaft hinterließen sie düsteres Elend und ... 500 amerikanische Offiziere.

„Den letzten Zipfel demokratischer Freiheit auf dem chinesischen Festland“ nannte der Westberliner „Telegraf“ am 2. Juli 1950 Südkorea, das, so versichert dieses zu allem fähige Organ, wegen seiner Demokratie dem „feigen Angriff des Kommunismus“ ausgesetzt sei. Betrachten wir einmal diese Insel der „demokratischen Freiheit“ nicht durch marxistische, sondern durch bürgerliche Augen.

Die „Frankfurter Rundschau“ schrieb am 27. Juni 1950:

„In der Tat hat Rhee (der nach dreißigjährigem Aufenthalt in den USA nach Südkorea gebrachte Präsident Li Syng ManA. N.) mit brutaler Gewalt Presse und Politiker der Opposition – nicht nur Kommunisten – ausgeschaltet. Ein sehr populärer Führer der Rechten, Kim Koo, wurde kürzlich ermordet (wenige Tage vor seiner Tötung hatte er sich für ein einheitliches Korea ausgesprochenA. N.). Rhees Partei ist ein Klüngel von Großgrundbesitzern, die sich jeder vernünftigen Sozialpolitik, auch der Bodenreform, widersetzen. Nahezu vier Millionen von den 21 Millionen Einwohnern des Südens sind arbeitslos. Innerhalb der Regierung und Verwaltung herrscht Korruption.

Die der französischen Regierung nahestehende Zeitung „Monde“ fällte am 27. und 28. Juni 1950 über das südkoreanische Regime ein Urteil, das zwar nicht dem Berliner „Telegraf“, dafür aber mit der Wahrheit im Einklang steht“:

„Die Regierung Syngman Rhees hat sich nur mit Hilfe einer Polizei halten können, deren Rolle im Staat aus Südkorea alles andere als ein demokratisches Land macht ... Die allgemein verachtete Polizei des Regimes praktiziert Methoden, die sie von den Japanern geerbt hat. Sie trägt übrigens die japanischen Uniformen. Korea war immer nur in den amerikanischen Berichten oder denen der Vereinten Nationen ,demokratisch’ .“

Zitieren wir noch einige, übrigens durchweg nichtkommunistische französische Zeitungen, So schrieb der „Franc Tireur“ am 27. Juni 1950:

„Im Norden hatten die Russen nicht nur 90 Prozent der Industrie nationalisiert, sondern auch und vor allem eine Bodenreform durchgeführt. Im Süden dagegen fahren die Bauern, welche die Mehrzahl der Bevölkerung bilden, fort, für den Großgrundbesitzer zu arbeiten. Auf Streiks wurde mit der wildesten Polizeiunterdrückung geantwortet. Es gab bis zu 17 500 Einkerkerungen in einem einzigen Monat. Junge Faschisten gebrauchten Methoden, welche amerikanische Journalisten mit denen des Ku-Klux-Klan verglichen haben.“

Ein feiner „Zipfel demokratischer Freiheit“! Selbst eine so rechtsstehende Zeitung wie der „Figaro“ beschuldigte die Amerikaner am 26. Juni 1950, „das Unrecht begangen zu haben, sich einzig auf die besitzenden Klassen zu stützen und sich jeder Bodenreform zu widersetzen“. -

„Combat“ schrieb am 21. Juni 1950, dass „dieses Land eine Beute der hartherzigen Großgrundbesitzer und der gierigen Wucherer ist. Es herrschen dort mittelalterliche Ausbeutungsbedingungen. Und dieser Skandal findet seinen vollsten politischen Ausdruck in der Regierung Syngman Rhees.“

Die unabhängige Schweizer Tageszeitung „Die Tat“, die ganz auf dem Boden der offiziellen nordamerikanischen Politik steht, machte am 26. Juni 1950 Südkorea den Prozess:

„Präsident Syngman Rhee und seine Clique können ihre sehr bedingte Autorität in Söul und in den größeren Städten nur durch ein Regime des Militär- und Polizeiterrors und nur dank der amerikanischen Hilfe aufrechterhalten. Das von vornherein auf sehr schwachen Füßen gestandene südkoreanische Staatswesen muss auf unverhüllt totalitäre Mittel zurückgreifen.“

Das Blatt erwähnt unter anderem „die Verhaftung von mehr als einem Dutzend Abgeordneter, die ihr Mandat bei den UNO-Wahlen erhalten haben, darunter auch der Vizepräsident der Kammer, das spurlose Verschwinden anderer Volksvertreter, Verhaftung von mehr als 30 Journalisten, darunter fünf, die bei der UNO-Kommission akkreditiert waren ... Die Korruption ist, wenn möglich, noch schlimmer als im Kuomintang-Regime des Chinesen Tschiang Kai-schek ... Die Amerikaner gestatteten von Anfang an eine Entwicklung der Verhältnisse, aus welchen zwangsläufig ein Regime hervorgehen musste, dessen Ideale weit näher dem Faschismus als der Demokratie lagen ... Elend, ewige Unruhen, Inflation, Arbeitslosigkeit, Hunger, eine bis zum äußersten angezogene Steuerschraube und ein Gewaltregime bilden die Bilanzposten dieser Brücke zum Pazifik.

Was alles in den Augen der zur Rechtfertigung jeder amerikanischen Aggression bestellten und bezahlten Westberliner Journaille ein „letzter Zipfel demokratischer Freiheit“ ist.

Die „New York Times“ versetzte am 27. Juni 1950 diesem südkoreanischen Regime den moralischen Todesstoß mit der Feststellung, dass „seine Fortdauer an die totale Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten in bezug auf wirtschaftliche, politische und militärische Unterstützung gebunden ist“.

Dieser faschistische Staat von Amerikas Gnaden erstickte in dem Blut, das er vergoss, in seiner Korruption, in seiner Arbeitslosigkeit, in dem von den Amerikanern und ihren südkoreanischen Agenten heraufbeschworenen entsetzlichen Elend. -

All seine Sünden suchten die Gauner an der Spitze des Staates, angetrieben von ihren amerikanischen „Ratgebern“, im Krieg gegen Nordkorea abzuwaschen. -

Die amerikanischen Generale ihrerseits hatten die Absicht, ihren letzten Fußhalt auf dem chinesischen Festland zu erweitern und die idyllischen Zustände Südkoreas auf Nordkorea und darüber hinaus auszudehnen. Es liegen einwandfreie Zeugnisse von amerikanischer Seite vor, die keinen Zweifel daran mehr erlauben, dass der Angriff vom 25. Juni 1950 ein von langer Hand vorbereitete Aktion darstellt.

Am 7. Oktober 1949 prahlte Li Syng Man in einem Interview mit dem Vertreter von United Press, dass die südkoreanische Armee sich innerhalb dreier Tage der nordkoreanischen Hauptstadt Phoengjang bemächtigen könne.

Am 1. November 1949 veröffentlichte die „New York Herald Tribune“ einen Bericht, demzufolge „Sihn Sung Mo, der südkoreanische Kriegsminister, heute sagte, dass seine Armee bereit ist und darauf wartet, in das kommunistische Nordkorea einzudringen“.

Am 28. April 1950 veröffentlichte die „Melbourne Sun“, auch gerade kein Freund der Kommunisten, ein Telegramm ihres Korrespondenten aus New York über eine Rede des Korrespondenten der „New York Times“, Richard Johnston:

„Er erklärte heute dem Überseepresseklub, dass die Südkoreaner von dem Wunsch besessen seien, Nordkorea anzugreifen. Johnston war viele Jahre lang als ,New York-Times’-Korrespondent in Südkorea stationiert. Er erklärte, dass es den Südkoreanern gleichgültig sei, ob ihr Bürgerkrieg zu einem dritten Weltkrieg führe oder nicht.“

Bestätigt wurde diese Auffassung auch von dem Blatt der Schweizer Millionäre, der „Neune Zürcher Zeitung“, die am 20. Juni 1950, also fünf Tage vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten, schrieb:

„Es fehlt im südlichen Korea nicht an Leuten, die eine Lösung der das Land schwer bedrückenden Probleme im militärischen Angriff auf den Norden sehen. Die Amerikaner haben in Südkorea 150 000 Mann mit amerikanischen Waffen ausgerüstet, unter das Kommando amerikanischer Instrukteure gestellt und bereiten seit langem den Krieg vor.“

Am 5. Juni 1950 veröffentlichte die „New York Herald Tribune“ in New York ein Interview, das ihre Korrespondentin Marguerite Higgins mit Brigadegeneral W. L. Roberts hatte, dem Kommandeur der amerikanischen Militäraufseher von Korea. Dieser erklärte wörtlich, dass die amerikanische Militärgruppe in Korea „ein lebendiges Beispiel dafür sei, wie man bei vernünftiger und intensiver Verwendung von 500 kampfgestählten amerikanischen Offizieren und Mannschaften 100 000 Mann ausbilden kann, die das Schießen für einen besorgen werden ... In Korea hat der amerikanische Steuerzahler eine Armee, die ein vortrefflicher Wachhund für die Kapitalinvestitionen in diesem Land ist.“

Und schließlich sei nicht vergessen, dass John Foster Dulles am 19. Juni 1950 in seiner Rede vor dem südkoreanischen Parlament in Söul voraussagte, dass „die Kommunisten ihre Herrschaft über Nordkorea verlieren werden“ [2]

Nach ihm trat Li Syng Man ans Rednerpult des Parlaments mit der offenen Kriegsdrohung: „Wenn wir die Demokratie nicht im kalten Krieg schützen können, werden wir den Sieg im heißen Krieg erringen.“ «
[2 von 4]

Anmerkungen

1 New York Times, 20. Juni 1950.
2 Ebenda.

Quelle: Albert Norden: So werden Kriege gemacht! Über Hintergründe und Technik der Aggression. Dietz Verlag Berlin 1968. Vgl.: Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea.