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Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea

von Albert Norden - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Übersicht (Teil 1 von 4)

Der zweite Weltkrieg endete mit dem Triumph des Sozialismus in zahlreichen Ländern Europas und Asiens und einem außerordentlichen Autori- tätszuwachs der Sowjetunion, die siegreich des Krieges schwerste Last getragen hatte.

Er endete mit der schweren Lähmung und zeitweiligen Ausschaltung des deut- schen, japanischen und italienischen Imperialismus, der Schwächung des eng- lischen und französischen Imperialismus, währenddie USA das entscheidende Übergewicht im weltkapitalistischen Sektor erlangten. Sie wurden der primäre Faktor bei den Kriegstreibereien in der Periode nach 1945. Der langjährige Planer und Leiter der Außenpolitik Washingtons, J. F. Dulles, proklamierte die Politik des rolling back, der Vertreibung des Sozialismus aus den Staaten, in denen er nach dem zweiten Weltkrieg zur Macht gekommen war.

Als das chinesische Volk 1949 das ganze Festland von der Diktatur des amerikanischen Agenten Tschiang Kai-schek befreite und die Ausbeuterklassen [zeitweilig] vernichtend schlug, als die Interventionstruppen Frankreichs von der um ihre nationale Befreiung kämpfenden Bevölkerung des heutigen Vietnams schwere Verluste hinnehmen mussten, als gleichzeitig die ersten schwarzen Wolken eines wirtschaftlichen Krisengewitters über die USA auftauchten, da entschlossen sich deren Trusts, Außenminister Dulles und die Generale zum Losschlagen.

Sie hatten das Moskauer Abkommen vom Dezember 1945 gebrochen, durch das sich die USA, England und die Sowjetunion mit ihrer Unterschrift verpflichteten, Korea nach der Befreiung von der japanischen Fremdherrschaft als einheitlichen unabhängigen demokra- tischen Staat zu errichten.

Statt dessen wurde die vorübergehende militärische Besetzung durch die Siegermächte von Washington benutzt, um in Südkorea ein Regime verhasster politischer und wirt- schaftlicher Geschäftemacher zu zimmern, die aus dem japanischen in den USA-Dienst überwechselten. Sie griffen Nordkorea auf Befehl Washingtons, mit dem Gelde Washing- tons, mit den Waffen Washingtons, unter dem Kommando der „Militärberater“ aus Wa- shington an, weil Dulles und Konsorten hier auf den geringsten Widerstand zu stoßen glaubten. Dabeitarnten sie nach altem Klischee ihren Überfall als Verteidigungs- maßnahme gegen eine „Gruppe von Banditen“ aus Nordkorea (Präsident Truman am 29. Juni 1950).

Nach dem Scheitern des blitzartigen Überfalls übernahm der amerikanische General MacArthur das Oberkommando und drang mit starken amerikanischen Armee-Einheiten in Nordkorea ein. Nach dreijähriger Dauer endete der Krieg mit der Zurückwerfung der Aggressoren auf ihre Ausgangspositionen.

Der westdeutsche Bundeskanzler Adenauer benutzte den Koreakonflikt und die von Washington angeheizte Hysterie des Antikommunismus, um im geheimen und hinter dem Rücken der westdeutschen Bevölkerung, ja sogar ohne Wissen der eigenen Regierung, im Komplott mit den Herren der USA eine westdeutsche Wehr- macht ins Leben zu rufen. Bei ihrer Gründung berief er sich ausdrücklich auf den Koreakrieg und erklärte ihren Daseinszweck wiederholt mit der Notwendigkeit eines Krieges gegen den Osten. Mit der Remilitarisierung tat Bonn einen neuen ver- hängnisvollen Schritt zur Vertiefung der Spaltung Deutschlands.

Der Griff über den 38. Breitengrad

Die Befreiung einer Reihe ost-und südosteuropäischer Länder vom Faschismus durch den Sieg der Sowjetarmeen, die Errichtung der Volksherrschaft in diesen Staaten und in Nordkorea, schließlich der Sieg der chinesischen Volksarmeen und die Vertreibung Tschiang Kai-scheks vom chinesischen Festland 1949 führten zu einer scharfen Ver- schiebung des internationalen Kräftegewichts.

Indien erzwang seine Selbständigkeit vom englischen Imperium, Indonesien die seinige von den Niederlanden. Den imperialistischen Interventionstruppen Frankreichs brachte das Jahr 1950 trotz der amerikanischen Waffenhilfe schwere Verluste und entscheid- ende Niederlagen in Indochina.

Die erfolgreichen antiimperialistischen Schläge führten zur Verschärfung der Differenzen zwischen den Staaten des Monopolkapitalismus.

Die Londoner Außenministerkonferenz der Staaten des Atlantikpaktes im Mai 1950 stand im Zeichen ernster Auseinandersetzungen, in deren Verlauf die westeuropäischen Auß- enminister bei aller Devotion vor dem USA-Außenminister Acheson mit Nachdruck darauf hinwiesen, sie könnten die von ihm geforderten neuen militärischen Verpflichtungen nicht auf sich nehmen, zu sehr liege die Wirtschaft ihrer Länder darnieder.

Gleichzeitig sammelten sich Hunderte von Millionen Menschen in der Bewegung zurÄchtung der Atombombe und zur Deklarierung desjenigen als Kriegsverbre- cher, der sie zuerst anwendet. Auch breite kleinbürgerliche Schichten in den westlichen Ländern schlossen sich dieser Bewegung und damit der Opposition gegen die mörderischen Pläne der amerikanischen Kriegspolitiker an.

Diese politischen Schlappen der USA-Imperialisten gingen Hand in Hand mit immer ernster werdenden wirtschaftlichen Krisenerscheinungen. Der Produkt- ionsindex der USA, der 1943 auf 212 stand, wenn man das Niveau von 1937 mit 100 zum Vergleich heranzieht, stand 1948 auf 170 und sank 1949 auf 156. Die Investitionen fielen im ersten Vierteljahr 1950 um 11 Prozent gegenüber der- selben Zeit im Vorjahr. Seit 1947 befand sich der Export der USA sowohl in absoluten Ziffern als auch prozentual (im Vergleich mit dem Anteil an der Weltausfuhr) in einem ständigen Rückgang. So betrug die Ausfuhr der USA im März 1950 nur noch 867 Millionen Dollar gegenüber 1177 Millionen im gleichen Monat des Vorjahres. -

Die Reingewinne der Aktiengesellschaften, die 1948 mit 21 Milliarden Dollar be- ziffert wurden, überstiegen 1949 nicht 17 Milliarden. Die Zahl der Arbeitslosen wuchs zwischen 1948 und 1950 um 130 Prozent.

Wohlgemerkt wir beziehen uns hier nur auf offizielle Angaben amerikanischer Regierungsstellen und der Organisation der Vereinten Nationen. Die Wirklichkeit sah noch grauer aus. Aber selbst diese Zahlen widerspiegeln die damals ernste Lage der amerikanischen Wirtschaft, die unaufhaltsam in die Krise hinein- schlitterte.

Ein Alpdruck lastete auf der amerikanischen Gesellschaft, deren Spitzen sich die Liquidierung der Krise so vorstellten, wie die bekannte Politikern und Schriftstellerin Claire Booth-Luce, Frau des damaligen Direktors der größten amerikanischen politischen und wirtschaftlichen Zeitschriften und zeitweilige Botschafterin der USA in Rom, formulierte:

„Unser Volk will weder Krise noch Krieg, aber wenn es wählen müßte, dann wür- de es den Krieg wählen.“ [1]

Wenn Mrs. Booth-Luce vom Volk sprach, meinte sie natürlich seine Herren, der- en Auffassungen sie allerdings getreu verdolmetschte.

Man vergesse dabei nicht, dass nach dem zweiten Weltkrieg das amerikanische Finanzkapital mehr als 1¼ Milliarden Dollar in Südkorea investiert hatte. So wur- de die 'New Corea Company' gegründet, deren Aktien eine Reihe der angeseh- ensten Banken der 'Wallstreet', darunter 'Morgans National City', auf den Markt brachte. Die Firma hatte einfach die Nachfolge eines japanischen Trusts angetreten und beanspruchte nicht viel – „nur“ die Hälfte der Bergwerke, Eisenbahnen, Banken und des bebauten Landes von Korea, auch Nordkoreas!! -

Die 'Oriental Consolidated Mining Company', ebenfalls in amerikanischen Händen, forderte die reichsten Goldvorkommen Asiens für sich, nämlich die Unsan-Gold- gruben in Nordkorea. Wie der Zufall es will, war der Direktor dieser amerikanischen Gesellschaft,

S. H. Dolbear, gleichzeitig „Berater“ des südkoreanischen Adenauers, Li Syng Man, in allen Bergwerksfragen. Der sich in Wahlen und der politischen Siedehitze in Südkorea ankündigende Zusammenbruch der amerikanischen Puppenregierung hätte natürlich auch die so beträchtlichen Dollarinvestitionen der USA aufs Spiel gesetzt.

Vor diesem geschichtlichen, politischen und ökonomischen Hintergrund muss man die Ereignisse sehen, die sich seit dem 25. Juni 1950, zehn Uhr morgens, in Korea abspielten. Es handelt sich um den Versuch, an strategisch entscheidend gelegener Stelle ein vor dem inneren Zerfall stehendes Quislingregime der USA durch militärische Abenteuer zu retten, den so entstehenden Konflikt zu neuen Eroberungen und zur Stärkung des ramponierten Prestiges der USA zu benutzen, mit Hilfe des Krieges weitere Länder in Kolonien zu verwandeln und auf diese Weise der USA-Wirtschaft neue Belebungsspritzen zu geben. « (1 von 4)

Anmerkung

1 Zit. nach der großbürgerlichen Pariser Wochenschrift „La Vie Française“, 18. Februar 1949.

Quelle:
Albert Norden: So werden Kriege gemacht! Über Hintergründe und Technik der Aggression.
Dietz Verlag Berlin 1968. Vgl.: Der amerikanische Interventionskrieg in Nordkorea.