Chinas Öffnung für den Imperialismus
von Enver Hoxha - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
»Die Öffnung des chinesischen Markts für den amerikanischen Imperialismus und für die großen amerikanischen und anderen westlichen Gesell- schaften wurde von den Imperialisten der Ver- einigten Staaten von Amerika und von der gesamten internationalen Bourgeoisie mit überschwänglicher Freude begrüßt.
Die multinationalen Gesellschaften, die Industriellen der Vereinigten Staaten von Ameri- ka kennen die Wirtschaft Chinas und seine großen Reichtümer gut, darum setzen sie alles daran, um dort ihr wirtschaftliches Netz zu errichten, gemeinsame Gesellschaften zu schaffen und große Gewinne zu machen. So gehen in China nicht nur die großen amerikanischen Gesellschaften vor, sondern auch die japanischen, die deutschen und die Gesellschaften der anderen entwickelten kapitalistischen Länder.
China hat mit Japan bereits einen Vertrag über die Belieferung dieses Landes mit etwa 10 Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr abgeschlossen. Ein großes Team von Vertretern des italienischen Unternehmens ENI reiste nach China, um Lizenzen für die Erdölforschung anzubieten, doch sie fanden dort große Gruppen der amerikanischen Ölgesellschaften vor, die mit China bereits über die gemeinsame Förderung und Nutzung des Erdöls über- eingekommen waren. So verfährt China auch in anderen Sektoren des Bergbaus, bei Eisen und verschiedenen Mineralien, die dort in großer Menge zu finden sind und gefunden werden.
Die deutschen Kohlemagnaten sind schon in China und haben Verträge in Höhe von vielen Milliarden Mark abgeschlossen. Die chinesischen Minister reisen kreuz und quer durch Japan, Amerika und Europa, um Kredite aufzunehmen, Verträge über neue tech- nologische Ausrüstungen abzuschließen, moderne Waffen zu kaufen, wissenschaft- lich-technische Abkommen zu treffen usw. Alle Türen der chinesischen Institutionen und Betriebe stehen den Businessmen Tokios, der Wallstreet und der EWG offen, die nach Peking um die Wette laufen, um die großen ›Modernisierungs‹–Projekte, die die chinesische Regierung ihnen anbietet, an sich zu bringen.
Auf diese Weise ist auch China dabei, in den großen Teufelskreis des imperialistischen Verschlingens, des Heißhungers der Imperialisten zu geraten, die die Bodenschätze und Rohstoffe seines Landes in die Hand bekommen, seine Arbeitskräfte ausbeuten wollen.
Man weiß, dass der Kapitalist niemanden Hilfen gibt, ohne in erster Linie sein eigenes wirtschaftliches, politisches und ideologisches Interesse im Auge zu haben. Es geht nicht nur um den Prozentsatz, den er als Gewinn kassiert. Das kapitalistische Land, das den Kredit gibt, führt zusammen damit in das Land, das die ›Hilfe‹ annimmt, auch seine Lebensweise, seine kapitalistische Denkweise ein, schafft sich Stützpunkte und macht sich unbemerkt breit, wie das Fett im Kohl, es dehnt das Spinnennetz aus, und die Spinne sitzt stets mitten darin und saugt allen Fliegen, die in ihr Netz geraten, das Blut aus – so wie es in Jugoslawien geschah, so wie es heute in der Sowjetunion geschieht. Genauso wird es auch in China geschehen.
Als Folge wird China auch in den politischen und ideologischen Fragen Zugeständnisse machen – wie es dies bereits tut –, und der chinesische Markt wird zu einem debouché (frz./Absatzgebiet) von großer Bedeutung für den amerikanischen Imperialismus und die anderen kapitalistischen Industriemächte werden. {...}«
[Auszug.]
Quelle: Enver Hoxha: Imperialismus und Revolution. Verlag „8 Nëntori“, Tirana, 1979.