Chinas Maoisten kleinbürgerlich-antikommunistisch durchgeknallt
von W. N. Matwejew - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die antisozialistische Politik der Maoisten in der „dritten Welt“
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[Auszug:] »In dem Versuch, ihre Ansprüche auf die Vorherrschaft in der „dritten Welt“ zu recht- fertigen und die „besondere Verwandtschaft“ Chinas und der Entwicklungsländer theoretisch zu begründen, haben die Pekinger Ideologen seit den sechziger Jahren mehrere Konzeptionen entwickelt, die sie ihrer Politik gegen- über der „dritten Welt“ zugrunde legten.
Den Entwicklungsländern wurden die Erfahrungen der chinesischen Revolution und die „Ideen Mao Tse-tungs“ als einzig zuverlässige und universelle Methode zur revolutionären Umgestaltung aufgezwungen. Das Kernstück dieses Schemas war die Verabsolutierung des bewaffneten Kampfes und die Proklamierung der Gewalt, wobei sie die Einschätzung der revolutionären Situation völlig missachteten und die Rolle des „Dorfes“ in der Revolution zum Dogma machten. Der Krieg wurde zum Motor des sozialen Fortschritts erklärt. Dabei ignorierten die Maoisten völlig die Verschiedenheit der sozialpolitischen und ökonomischen Bedingungen in der „dritten Welt“. Außerdem unternahm die Gruppe um Mao Tse-tung gewaltige Anstrengungen, um eine rassistisch-nationalistische Barriere zwischen den afro-asia- tischen Ländern und der übrigen Welt zu errichten, wobei sie vor allem darauf speku- lierte, diese Länder von der sozialistischen Staatengemeinschaft und vom internationalen Proletariat abzusondern. Der Aufruf Pekings, „sich auf die eigenen Kräfte zu stützen“, wurde nicht nur auf den Bereich des bewaffneten revolutionären Kampfes, sondern auch auf den wirtschaftlichen Aufbau ausgedehnt.
In der Praxis drückte sich diese Linie der maoistischen Führung darin aus, dass sie die Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas zur umfassenden Entfaltung des „Volkskrieges“ nicht nur gegen den USA-Imperialismus veranlassten (mit dem sie übrigens selbst auf jede Weise eine militärische Auseinandersetzung zu vermeiden bemüht war), sondern auch gegen die Regierungen junger Entwicklungsländer. Gerade unter diesem Aspekt muss man die Erklärungen Tschou En-lais in den Jahren 1964/1965 über die in den Ländern Afrikas existierende „hervorragende revolutionäre Situation“ betrachten.
Der extremistische Kurs der Pekinger Führung endete tragisch für viele kommunistische Parteien und demokratische Organisationen (in Burma, Indonesien, Malaysia, auf den Philippinen), die den maoistischen Schemata ohne Berücksichtigung der konkreten Situation und des Grades der Bereitschaft der Volksmassen zur Revolution folgten. Viele Entwicklungsländer bekamen selbst die Auswirkungen der Großmachtgelüste der chinesischen Politik zu spüren, was zu einem großen Prestigeverlust Chinas führte. Das Bestreben der Maoisten, den indisch-pakistanischen Konflikt in die Länge zu ziehen und zu verschärfen, ihre Missachtung der Vermittlungsbemühungen afro-asiatischer Länder und ihre Ausfälle gegen die Deklaration von Taschkent riefen ein besonders ungünstiges Echo hervor. Eine ähnliche Resonanz fand die Haltung Pekings während der Vorbereitung der 2. Konferenz der Regierungschefs der Länder Asiens und Afrikas, die im Jahre 1965 in Algier zusammentreten sollte. Bekanntlich setzte sich die chinesische Regierung, die sich als Großmacht aufspielte, am Vorabend der Eröffnung des Forums, faktisch nach dem Abschluss der gesamten umfangreichen und komplizierten Vorbereitungsarbeiten, für die Vertagung der Konferenz auf unbestimmte Zeit ein und vereitelte damit die Durchführung eines „zweiten Bandung“.
Einige Länder Asiens und Afrikas brachen die diplomatischen Beziehungen zur VR China ab oder unterbrachen sie zeitweise, weil sie die chinesische Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten während der „Kulturrevolution“, als die Methoden der Rotgardler-Diplomatie auf die Außenpolitik übertragen wurden, für unzulässig hielten.
Ende der sechziger Jahre wurde offensichtlich, dass es der Gruppe um Mao Tse-tung nicht gelang, den Entwicklungsländern ihre Konzeptionen aufzuzwingen, dass ihre Hoffnung auf die Erringung der führenden Stellung in der „dritten Welt“ nicht in Erfüllung ging.
Das wachsende Misstrauen gegenüber der chinesischen Politik zwang die Pekinger Führer nach dem IX. Parteitag, auf extremistische Formen in ihren Beziehungen zu den Entwicklungsländern zu verzichten und elastischer, flexibler vorzugehen. Peking aktivierte seine Tätigkeit in den Ländern der „dritten Welt“ spürbar und erweiterte die diplomatischen Beziehungen zu diesen Staaten bedeutend.
Das Wesen der Haltung der chinesischen Führung hat sich jedoch nicht verändert. Das strategische Ziel der Maoisten in bezug auf die „dritte Welt“ besteht nach wie vor darin, diese vom Weltsozialismus und der internationalen Arbeiterbewegung zu isolieren und die führende Position in ihr an sich zu reißen. [- 1973 -] Die Erringung der Hegemonie in der „dritten Welt“ betrachten die Maoisten als Zwischenziel, als Etappe im Kampf um die Realisierung ihrer großmachtchauvinistischen Zielstellungen, die sie im Rahmen der gegenwärtigen taktischen Linie – „Zeitgewinn im Kampf gegen den USA-Imperialismus und den Sozialimperialismus“ [1] – verfolgen. Sie sehen darin eine Möglichkeit, eine massierte Unterstützung für ihr hegemonistisches Programm zu erreichen.
In dem Versuch, ihre Ansprüche auf die Führungsrolle zu verschleiern und die „besonderen“ Beziehungen Chinas zu den Entwicklungsländern theoretisch zu begründen, stützen sich die Pekinger Führer weiterhin, auf die Mehrzahl der politisch-ideologischen Konzeptionen, die in den Jahren 1963 bis 1965 entwickelt worden sind. Eine Besonderheit dieser Theorien besteht darin, dass sie auf die real vorhandenen und aufs äußerste verschärften objektiven Widersprüche zwischen den Entwicklungsländern und dem Imperialismus spekulieren und davon profitieren. Doch heute grenzen die Maoisten den Wirkungsbereich dieser Widersprüche zwischen den Entwicklungsländern und dem Imperialismus vor allem auf die UdSSR und die anderen sozialistischen Länder ein. [ - 1973 -] Ausdruck dieser Politik ist die berüchtigte „revolutionäre Doppeltaktik“, die den Verrat der Gruppe Mao Tse-tungs am Marxismus-Leninismus und den Übergang auf antisozialistische Positionen rechtfertigen soll.
Am aktivsten strapaziert Peking gegenwärtig die „Theorie von den Zwischenzonen“, mit deren Hilfe es sein Streben nach Vorherrschaft in der „dritten Welt“ zu rechtfertigen und gleichzeitig die Partnerschaft zu den kapitalistischen Ländern herzustellen sucht. Da die chinesische Führung auch zur Entwicklung von Kontakten zum USA-Imperialismus übergegangen ist, sieht sie sich gezwungen, die „Theorie von den Zwischenzonen“, der zufolge ein Abgehen Pekings vom Antiamerikanismus nicht vorgesehen ist, durch weitere pseudotheoretische Erfindungen zu ergänzen. Es handelt sich vor allem um die sogenannte Konzeption des „Kampfes gegen die beiden Supermächte“, in der der USA-Imperialismus und die sozialistische Sowjetunion als „Feinde der Völker der Welt“, gegen die man einen „entschiedenen Kampf“ führen müsse, auf eine Stufe gestellt werden. Die klassenmäßige Bedeutung dieser Konzeption besteht darin, dass sie den Kampf gegen den Imperialismus, der das Haupthindernis auf dem Wege des Vormarsches der [werktätigen] Völker ist, einstellt und den sozialistischen Ländern [- 1973 -] die Verantwortung für jene Schwierigkeiten zuzuschieben sucht, mit denen die Länder der „dritten Welt“ infolge der Politik des Kolonialismus und Imperialismus konfrontiert werden. Durch die Verbreitung der These von den angeblichen Widersprüchen zwischen der Sowjetunion und den Entwicklungsländern versucht die Pekinger Propaganda, von den eigentlichen Widersprüchen zwischen diesen Ländern und dem USA-Imperialismus abzulenken. Nicht zufällig erscheint in den chinesischen Publikationen immer häufiger der Terminus „eine Supermacht“, womit die Sowjetunion gemeint ist.
Mit anderen Worten: Der „Antiamerikanismus“ wird immer mehr zu einem Begriff mit rein nomineller Bedeutung, wenn auch der USA-Imperialismus in der gegenwärtigen Pekinger Konzeption des „Kampfes gegen die beiden Supermächte“ noch zu den Feinden der Völker der Welt gezählt wird. Die Pekinger Theoretiker entstellen die Rolle der sozialistischen Länder [- 1973 -] im weltweiten revolutionären Prozess, indem sie die Länder zu Gegnern des revolutionären Befreiungskampfes erklären und gegen abgestimmte Aktionen aller revolutionären Kräfte auftreten. Die Maoisten versuchen, die Entwicklungsländer vom Kampf gegen den Imperialismus und Neokolonialismus abzulenken.
In den letzten Jahren [vor 1974] wurden an der außenpolitischen Taktik Pekings gegenüber der „dritten Welt“ bestimmte Korrekturen vorgenommen. Man stützt sich nicht mehr vorrangig auf die extremistischen Kräfte in der Befreiungsbewegung, sondern widmet der Entwicklung der zwischenstaatlichen Beziehungen mit den bestehenden Regierungen – unabhängig von deren Klassencharakter – besondere Aufmerksamkeit. Die Pekinger Diplomatie ist elastischer und beweglicher geworden. Die Prinzipien [Modifikation der bisherigen Prinzipienlosigkeit] der chinesischen Propaganda gründen sich auf die verstärkte Beteuerung der Friedensliebe der VR China, der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder der Uneigennützigkeit in ökonomischen Fragen sowie des Bemühens, ihre Beziehungen zu anderen Staaten auf der Grundlage der Prinzipien von Bandung zu gestalten. Die „Ideen Mao Tse-tungs“ nehmen einen wesentlich bescheideren Platz im propagandistischen Arsenal der VR China ein, da man sich in Peking davon überzeugen musste, dass die Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas nicht gewillt sind, sich von ihnen in ihrer Tätigkeit leiten zu lassen und dass der Maoismus dort nicht nur auf den Marxismus, sondern auch auf bürgerlich-nationalistische Ideologien stößt (Panislamismus, Nasserismus, Gandhiismus usw.).
Der ehemalige Grundgedanke, dass die „weiten Gebiete Asiens, Afrikas und Lateinamerikas ... die wichtigsten Sturmzentren der Weltrevolution“ seien und dort eine „hervorragende revolutionäre Situation“ herrsche ist aus der Pekinger Propaganda völlig verschwunden. Damit ist Peking von den früheren, eindeutig abenteuerlichen Appellen an die Völker der drei Kontinente abgegangen, sich zum Volkskrieg gegen ihre Regierungen zu erheben – wenn auch mit Hilfe bewaffneter promaoistischer Gruppen in einer Reihe von Ländern Südostasiens nach wie vor Druck ausgeübt wird (Burma, Indien, Indonesien, Malaysia, Thailand, Philippinen).
Der Übergang zu dieser Haltung ist durch die eindeutige Umorientierung der Pekinger Außenpolitik bedingt: die schroffe Abkehr Chinas von der sozialistischen Staatengemeinschaft und die Suche nach Wegen und Formen der Annäherung an die kapitalistischen Länder, darunter an die USA. Gerade dadurch erklären sich die gegenwärtigen Akzente der Pekinger Propaganda, die von einem „Zerfall“ und einer Schwächung des USA-Imperialismus spricht.
Das theoretische Organ der Maoisten, die Zeitschrift „Hongqi“, weist direkt darauf hin, dass „dieser Papiertiger (die USA – W. M.) heute längst von den Völkern der Welt erschlagen und von seinem Gipfel herabgestürzt worden“ sei. [1972, so die ideologisch-psychologisch durchgeknallten kleinbürgerlichen Pekinger Maoisten – und ihre deutschen Gefolgsleute / R. S.] -
Die Völker der Welt brauchten nur „kühn zu den Waffen zu greifen, den Kampf zu führen“, so versucht man in Peking zu suggerieren, „dann werden sie ... den sowjetischen Revisionismus auf jeden Fall besiegen können“. [2] -
Damit will man ziemlich vordergründig glauben machen, dass der USA-Imperialismus bereits eine bedeutend (geringere Bedrohung als die UdSSR und die sozialistischen Länder darstelle, die angeblich den Kapitalismus restauriert hätten, [- 1972 -] „eine imperialistische Politik der Expansion und des Raubes betreiben“ und „versuchen, ihre Weltherrschaft zu errichten“, weshalb der Kampf hauptsächlich gegen sie geführt werden müsse. -
Die anderen kapitalistischen Länder jedoch (die Mitgliedstaaten der EWG sowie Japan, Kanada, Australien usw.), die in den maoistischen Konstruktionen als „zweite Zwischenzone“ figurieren, werden von Peking faktisch zu den „antiimperialistischen Kräften“ gezählt. Zu ihnen werden immer vertraulichere Beziehungen hergestellt, wobei Peking den Versuch unternimmt, die „Multipolarität“ und die Widersprüche der kapitalistischen Welt in seinem Interesse auszunutzen.
In der gegenwärtigen Etappe sieht die heutige [1973] chinesische Führung den Weg zur Realisierung ihrer Großmachtziele in der Organisierung einer „breiten Einheitsfront“ der Länder der „dritten Welt“ und der westlichen imperialistischen Mächte, die zu einer klassenindifferenten Kategorie der „kleinen und mittleren Länder“ zusammengefasst werden. -
„Die Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas müssen zur Erringung des Sieges der nationalen Befreiungsbewegung nicht nur einander unterstützen und helfen“, so rät die Pekinger Zeitschrift, „sondern sie müssen und können sich auch mit dem Kampf der zweiten Zwischenzone gegen den Hegemonismus vereinigen, alle Kräfte zusammenschließen, die man zusammenschließen kann, um eine breitestmögliche Einheitsfront schaffen.“ [so Maos ‘Bildzeitung’ / R. S.] [3]
Diese antimarxistischen Darlegungen zeigen unverhüllt das Wesen des gegenwärtigen maoistischen Manövrierens in der „dritten Welt“ [- und Westdeutschland und Westberlin / R. S.]: das Bestreben, eine „Chinesische Mauer“ zwischen den Entwicklungsländern und dem sozialistischen Weltsystem zu errichten und dem Kampf der Völker der ehemaligen Kolonien den Bemühungen um die Durchsetzung der Großmachtziele Pekings anzupassen. Dabei soll dieser Kampf weder auf die weitere Stärkung der nationalen Befreiungsbewegung zur Lösung der grundlegenden langfristigen Aufgaben noch auf die Zurückweisung der Übergriffe des Neokolonialismus gerichtet sein, es geht vielmehr um einen Kampf – auch den bewaffneten – gegen die sozialistischen Staaten, vor allem gegen die Sowjetunion. [- 1973 -] -
Es ist offensichtlich, dass die Durchsetzung der chinesischen Linie, die Entwicklungsländer vom Weltsozialismus und von der internationalen Arbeiterklasse zu isolieren, die „dritte Welt“ in der Auseinandersetzung mit dem Imperialismus auf sich allein gestellt lassen und für sie außerordentlich große Schwierigkeiten schaffen würde. [- 1973 -] Das wird man in den Entwicklungsländern nicht übersehen.«
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Anmerkungen
1 Renmin Ribao (Peking), 15, Juni 1970.
2 Hongqi (Peking), 1972, Heft 11, S. 72.
5 Ebenda.
Quelle: Die antisozialistische, entspannungsfeindliche Außenpolitik der Pekinger Führer, Dietz Verlag Berlin 1974. Vgl. [Auszug]: W. N. Matwejew, UdSSR, Die antisozialistische Politik der Maoisten in der „dritten Welt“. Herausgegeben vom Institut für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED, Lehrstuhl Internationale Arbeiterbewegung, und vom Institut für Internationale Beziehungen der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR.