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Antikommunistische Politik der Maoisten

von Rudolf Müller, Dietmar Klein (DDR 1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Peking an Zuspitzung der Spannungen in Europa interessiert

»In den letzten Jahren wenden sich die Pekinger Führer verstärkt den europäischen Angelegenheiten zu. Sie widersetzen sich dem Prozess der Entspannung in Europa und der Herstellung einer normalen gesamteuropäischen Zusammenarbeit. Gerade bei den Problemen der Sicherheit und Zusammenarbeit geht Peking Arm in Arm mit den rechtesten Kräften der europäischen Reaktion.

Beschämend ist vor allem, dass die Pekinger Führer jeden Staatsbesuch aus einem kapitalistischen Land dazu benutzen, um mit faustdicken Lügen die Politiker dieser Länder davon zu überzeugen, dass die sozialistischen Länder „unaufrichtig“ seien und man ihnen nicht „über den Weg trauen“ könne. Der WarschauerVertrag und der RGW werden verleumdet und dagegen die NATO sowie die EWG in den höchsten Tönen gelobt. Kategorisch hat sich Peking mehr als einmal gegen die Verträge der Sowjetunion, der Volksrepublik Polen und der DDR mit der BRD gewandt. Immer wieder wird geradezu beschwörend die Forderung erhoben, das Wettrüsten zu forcieren, die NATO auszubauen und – aufgrund der verlogenen Phrasen von der „sowjetischen Gefahr“die Präsenz der amerikanischen Truppen in Europa zu verstärken.

Daraus erwächst auch ihr unverhülltes Interesse an einer Zuspitzung der Lage in Europa, wo sich die beiden großen militärischen Kräftegruppierungen, die der NATO und die des Warschauer Vertrages, direkt gegenüberstehen. Deshalb fürchteten die Maoisten die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wie der Teufel das Weihwasser und machten kein Hehl aus ihrer Hoffnung, dass sie nie zum Abschluss kommen möge – jedoch vergeblich. [- 1975. Die imperialistische Bedrohung und folgende NATO-Aufrüstungspolitik, auch in Westeuropa, vernichtete die ökonomische, soziale und ideologisch-gesellschaftspolitische Entwicklung und Stabilität in Mittel- u. Osteuropa und in der UdSSR. Sie führte zur erfolgreichen ökonomischen, sozialen und gesellschaftspolitischen Vernichtung des unvollkommenen Realsozialismus, weltweit. / R. S.]

Monatelang wurde die Konferenz durch die chinesischen Propagandamühlen als „Unsicherheitskonferenz Europas“, die angeblich nur dem „Sozialimperialismus“ nütze, verleumdet. -

Die Kommentare in Presse und Rundfunk übertrafen sich gegenseitig in ihren gehässigen, verleumderischen Aussagen. -

Am 3. August 1975, also nach dem [scheinbar] erfolgreichen Abschluss der Konferenz, konnte man in der „Renmin Ribao“ folgende Verhöhnung der Völker und Staatsmänner Europas zur Kenntnis nehmen: „Über Europa braut sich ein Sturm zusammen, die Faktoren des Krieges sind im Anwachsen begriffen.“ [Maoistische „Faktoren des Krieges“ = Atomkrieg. R. S.]

Nichts kann die wahren Wünsche und Ziele der Pekinger Führer besser zum Ausdruck bringen als dieses Zitat: Entgegen aller Vernunft und Menschlichkeit wollen sie Europa als zentralen Konfliktherd der Weltpolitik, als Schauplatz eines neuen [atomaren] Krieges sehen.

Der Generalsekretär des aggressiven NATO-Blocks, Joseph Luns, äußerte sich in einem Interview mit der Londoner „Times“ zur Politik der chinesischen Führer. Luns vertrat die Meinung, so schrieb die Zeitung, „dass die chinesische Regierung die Nützlichkeit der NATO ,sehr gut versteht’, wie auch die NATO ... den Standpunkt Chinas positiv beurteilt“. -

„Die maoistische Führung und die ultrareaktionären Kräfte des Imperialismus“, schrieb „Rudé Právo, Organ des Zentralkomitees der KPTsch, „verstehen sich offensichtlich ,ausgezeichnet’. Das ergibt sich aus ihren koordinierten Aktionen gegen den Frieden in Europa und in der ganzen Welt.“«

Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976