Angola und Peking
von Rudolf Müller, Dietmar Klein (1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)
Die Außenpolitik der Maoisten
»Besonders in den Jahren 1974/75 machten die Ereignisse in Angola Schlagzeilen in der Weltpresse. Das Zusammenspiel Pekings mit den imperialistischen Kräften im Kampf gegen die am 10. Dezember 1956 gegründete MPLA („Volksbewegung für die Befreiung Angolas“) ist besonders verwerflich und demaskiert die Maoisten vor den fortschrittlichen Afrikanern. -
Gemeinsam mit den rechten Kräften in den Hauptländern des Kapitals, mit reaktionären Gruppen in Zaïre und mit Unterstützung der faschistischen Regime im Süden Afrikas will die Mao-Clique Angola unter seinen Einfluss bringen und die konsequent antiimperialistische MPLA unter Dr. Neto erwürgen.
Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang etwas näher auf Angola einzugehen, da dieses Beispiel wie kaum ein anderes das prinzipienlose Lavieren der Maoisten, die frechen Einmischungen in die inneren Angelegenheiten anderer Länder verdeutlichen.
Wie die Zeitung „Nation“ aus der Hauptstadt von Sierra Leone berichtete, „fand zwischen chinesischen und amerikanischen Vertretern in Peking auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen in Angola ein reger Meinungsaustausch über die Lage statt. Es wurde vereinbart, dass China seine Waffenlieferungen an die am 28. März 1962 gegründete ultrarechte FNLA („Nationale Befreiungsfront Angolas“) erhöht.
Wie haben sich die Dinge eigentlich entwickelt? Die MPLA allein vertritt die wahren Interessen des angolanischen Volkes. Was die FNLA betrifft, die sich im wesentlichen auf den in Zaïre lebenden Bakongostamm stützt, so war sie nach einem sinnlosen Blutvergießen 1961 im Norden Angolas (damals nannte sie sich noch „Union der Bevölkerung Angolas“) in eine Isolierung geraten und existierte nur als Exilorganisation. Schon damals waren ihre Fäden zur CIA und das Vorhandensein amerikanischer Geldgeber offen zutage getreten.
Mitte 1965 entstand unter dem Namen UNITA („Nationale Union für die völlige Befreiung Angolas“) als neues Gegengewicht zur MPLA eine von der FNLA abgespaltene, dritte Bewegung, die von Dr. Savimbi geführt wird. Seine Begründung für den Austritt aus der FNLA lautete: Der Chef dieser Bewegung, Holden Roberto, vertrete die Interessen imperialistischer Kräfte. In der Folgezeit trat die UNITA als ausgesprochen superrevolutionäre Filiale Pekings in Erscheinung, mit Mao-Zitaten, Mao-Bildern und chinesischen Karabinern. Ihre Mitglieder wurden in der VR China ausgebildet.
Der Einfluss der UNITA blieb jedoch gering, das ist wohl auch der Hauptgrund, dass sich die Szenerie wandelte. Peking änderte – wie schon so oft – seine Taktik und orientierte sich plötzlich auf die FNLA. Hatte man vorher Holden Roberto noch als „imperialistischen Lakaien“ beschimpft, so wurde er jetzt mit großem Pomp in Peking empfangen. Schon bald floss ein Strom von Geld, Waffen und Instrukteuren über dunkle Kanäle in die militärischen Stützpunkte der FNLA, die sich im benachbarten Zaïre befanden. Selbst die „Washington Post“ kam nicht umhin, darüber zu berichten: Waffen und anderes Material, das für den Vorsitzenden der FNLA, Holden Roberto, bestimmt ist, werden von China aus nach Zaïre eingeführt und gelangen danach auf verschiedenen Wegen nach Angola.“
Und in einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Monde“ gestand Holden Roberto freimütig: „Alle meine Soldaten sind von Chinesen ausgebildet worden.“ Ein letztes Beispiel, auf die gegenwärtige Position Pekings in Afrika eingehend, bemerkte die senegalesische Zeitung „Le Soleil“ im Juli 1975: Die VR China hilft in Angola jenen Kräften, die nicht die Unterstützung des Volkes haben“, und hob hervor, dass die FNLA, ungeachtet ihres Flirts mit Peking, ohne Zweifel eine Schachfigur in der Afrika-Politik der USA ist“. Damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen.
Es ergibt sich also ein auf den ersten Blick recht verwirrendes Bild. Der einstige Pekinger „Liebling“, Dr. Savimbi, gerät in den Hintergrund, die FNLA unter Holden Roberto bläht sich mit chinesischer Hilfe zu einer beträchtlichen Militärmaschinerie auf.
Der Kern der Intrigen Pekings besteht bei all dem taktischen Hin und Her im Bemühen, die Errichtung der Volksmacht in Angola zu verhindern und die MPLA als Träger dieser revolutionären Entwicklung durch einen sinnlosen, von den ausländischen Konzernen geschürten Bruderkrieg auszuschalten. -
Und wie so oft, befindet sich Peking bei diesen Machenschaften in trauter Eintracht mit der amerikanischen CIA und dem südafrikanischen Apartheid-Regime, dessen Söldner als hochbezahlte „weiße Spezialisten“ die Kampfmoral der FNLA- und UNITA-Truppen „stärken“ sollen.«
[Fortsetzung folgt.]
Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Angola und Peking.