Pablo-Neruda-Schule
von Hans Fricke
Sehr geehrte Mitglieder des Stadtrates Chemnitz,
mit Empörung habe ich, ein 81jähriger parteiloser Antifaschist, davon Kenntnis genommen, dass morgen im Stadtrat über die Umbennnung der jetzigen Pablo-Neruda-Schule in Grundschule Kaßberg entschieden werden soll.
Ich bin über den offenen Brief von Chemnitzer Künstlern an Sie, die sich gegen die Umbennnung wenden ,ebenso informiert wie über den Widerspruch des Chemnitzer Vereins für die spanische Sprache und Kultur "amistad" und die Empfehlung des Schulausschusses, der Vorlage nicht zuzustimmen.
Ich kenne aber auch die an den Haaren herbeigezogenen "Argumente" der Schulleiterin Martina Schwermer, die sich bezeichnenderweise am Montag für eine Stellungnahme zu ihrem Antrag für eine Umbennung verleugnen ließ und ich weiß um die politischen "Gründe", die FDP und CDU im Schulausschuss gegen dessen Empfehlung stimmen ließen.
Die letzten beiden Sachverhalte belassen es bei mir nicht nur bei Empörung, sondern haben auch zur Folge, dass ich, der den deutschen Faschismus erlebt habe, mich für eine solche Haltung von Funktions- und Mandatsträgern der Stadt Chemnitz gegenüber dem Namen eines weltbekannten chilenischen Dichters, Antifaschisten und Literaturnobelpreisträgers schäme.
Ich wohnte als Kind in meiner Geburtsstadt in einer Theodor-Körner-Straße. Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Reiches entschlossen sich unsere damaligen Stadtväter, offensichtlich in Unkenntnis der historischen Rolle Theodor-Körners die Straße sicherheitshalber in Lange Straße umzubennen.
Von Unkenntnis der Rolle Pablo-Nerudas kann aber weder bei einer Schulleiterin noch bei FDP und CDU die Rede sein. Im Gegenteil, sein antifaschistisches Wirken ist es ja gerade, was sie dazu motiviert, in Chemnitz, die zu DDR-Zeiten den Namen Karl-Marx-Stadt- trug, auch die letzten Überbleibsel aus jenen Jahren zu tilgen, obwohl gerade in Sachsen, wo es viele rechte Tendenzen gibt, es notwendig wäre, Schüler altersgemäß mit demokratischen Grundanliegen und dem Kampf gegen Militärdiktaturen vertraut zu machen.
Es sind aus unserer Geschichte viele Beispiele bekannt, so sich sich Stadtoberen der jeweiligen Obrigkeit gegenüber als willige Lakaien verhalten haben. Ich hoffe sehr, dass sich die Mehrheit des Chemnitzer Stadtrates bei der morgen anstehenden Entscheidung über eine Umbenennung der Pablo-Neroda-Schule von einer solchen Rolle distanziert und die Antragsteller und Befürworter der beschämdenden Umbenennung dort stehen lässt, wo sie hingehören - im Regen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Fricke, Rostock