Made in Thüringen – Nazi-Terror und Verfassungsschutzs-Skandal
von Freiheitsliebender
Made in Thüringen?
Die Morde der NSU sind deutschlandweit bekannt und haben auch über die Landes-grenzen für Aufregung gesorgt, nun ist ein Buch des Landtagsabgeordneten Bodo Ramelow herausgekommen, das sich mit der Entwicklung um die NSU und den Verfassungsschutz beschäftigt.
Das Werk trägt den Titel “Made in Thüringen?” und enthält zahlreiche Beiträge von verschiedenen Akteuren aus Politik, Medien und Religion.
“Wir wollen das dubiose Handeln der Geheimdienste ans Licht der Öffentlichkeit zerren und die bisherigen Bemühungen um die parlamentarische Aufklärung resümieren”, schreibt der Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow in der Einleitung des Sammelbandes “Made in Thüringen? – Nazi-Terror und Verfassungsschutz-Skandal”.
Religion und Politik
Der erste Beitrag des Werks stammt von Wolfgang Nossen, dem Landesvorsitzenden der jüdischen Gemeinde, und beschäftigt sich mit der Situation der extremen Rechten in Deutschland. Nossen stellt sich eine Frage, die viele Menschen in Deutschland beschäftigen dürfte:
“Einmal mehr drängt sich die Frage auf, ob die mangelnde Konsequenz im politischen Kampf gegen den Rechtsextremismus mit der Tatsache zu tun hat, dass dieser schon längst aus der Mitte der Gesellschaft kommt und klammheimliche Sympathieträger auch dort findet, wo man sie nicht vermuten sollte. Der Rechtsextremismus beginnt langsam, die Alltagskultur zu durchdringen und bedroht zunehmend und schleichend unsere Zivilgesellschaft. Und wer diejenigen mit Vorliebe ins Visier nimmt, die sich besonders Konsequenz gegen den Rechtsextremismus engagieren, und gleichzeitig öffentliche Mittel so einsetzt, dass dieser V-Leute letztlich der rechtsextremen Szene zufließen, muss sich fragen lassen, in wessen Interesse er handelt.”
Deutlich weniger idealistisch, somit aber auch wenig persönlich ist der Beitrag der Politiker und Journalisten. Als positives Beispiel ist die Journalistin Andrea Röpke zu erwähnen, die sich in ihrem Beitrag mit der deutschen Gruppierung von „Blood and Honour“ auseinandersetzt und deren Beschäftigungsfeld untersucht.
Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit der Personalpolitik des westdeutschen Ex-Panzeroffiziers Helmut Roewer, der den Thüringer Verfassungsschutz leitetet, als sich die späteren Neonaziterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe im »Thüringer Heimatschutz« radikalisierten.
Rechts im Osten
Einen interessanten Beitrag hat Katharina König, Landtagsabgeordnete der Linken in Thüringen, zusammen mit Matthias Quent verfasst. “Anfänge in der DDR” lautet der Titel des Beitrags, der sich mit der Entwicklung der Rechten in der DDR beschäftigt und zeigt, dass das eigene Motto “Im Unterschied zur BRD wurde im sozialistischen deutschen Staat der Faschismus mit allen seinen Wurzeln, mit Stumpf und Stiel ausgerottet.” nie wirklich zutraf.
Der wohl emotionalste Beitrag des Werks stammt von Aiman A Mayzek, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime, der sich nicht durch eine detaillierte Arbeit auszeichnet, dafür aber eine klare politische Idee zeichnet. So schreibt er: ”Wir brauchen jetzt die Stimmen aller Menschen guten Willens, Bürgerinnen und Bürger mit humanistischer Gesinnungskraft. Aber auch die Stimmen der Kirchen, der Chrstinnen und Christen sind jetzt gefragt, die die Stimmen der Solidarität, des Füreinander-Einstehens, des Mitgefühls für den Fremden, für den Nachbarn und seine Mitbürgerin deutlich erheben.”
Mehr Infos zu den Morden findet man auf der Webseite der Linken in Thüringen.
(Einen Beitrag des Abgeordneten für das Portal* findet man hier)
* diefreiheitsliebe.de/buchrezension/made-in-thuringen-nazi-terror-und-verfassungsschutzs-skandal