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Keine Ruhe für Hoyerswerda

von antifa

Ende August hat es sich Deutschland mal wieder selbst bewiesen. Den 20. Jahrestag des größten rassistischen Pogroms der BRD begingen die Kartoffeln mit Fahrradfahren gegen Rechts und dem Pflanzen einer deutschen Eiche.

Bei der ganzen Entschlossenheit stur in die Zukunft zu gucken, statt vielleicht mal etwas genauer in die Vergangenheit, wurden selbst die linken Gedenkaktionen in Rostock-Lichtenhagen in der Berichterstattung zum Teil des gemeinsamen Gedenkens unter Joachim Gauck.

Lichtenhagen 2012 hat einmal mehr bewiesen, wie wichtig eine selbstorganisierte und kämpferische Gedenkenpolitik ist. Deshalb wird es im Rahmen der Rassismus tötet! Kampagne auch im September mit dem Gedenken an die Verfolgung, Hetze, rassistische Politik, Pogrome und Morde des wiedervereinigten Deutschlands weitergehen.

Neben der Demonstration in Büren gegen Deutschlands größten Abschiebeknast, steht im September das Pogrom von Hoyerswerda im Mittelpunkt. Denn auch 21 Jahre später, hat Hoyerswerda nichts an Aktualität verloren.

Keine Ruhe für Hoyerswerda! – Gegen rassistische Zustände!


Im September 1991 fliegen Flaschen und Steine gegen die Unterkünfte von VertragsarbeiterInnen und Asylsuchenden im sächsischen Hoyerswerda. Eine Mob belagert über 5 Tage das Wohnheim und attackiert es diverse Male unter rassistische Parolen. Nach einigen Tagen werden die Betroffenen evakuiert und Nazis rühmen Hoyerswerda als “erste ausländerfreie Stadt” Deutschlands.

Die Stadt setzte alles daran die Demo und die antifaschistischen Gedenkveranstaltungen zum 20. Jahrestages des Pogroms zu behindern, u.a. durch Raumabsagen, Auflagen und Routenänderungen. Hoyerswerdas Oberbürgermeister setzte die Antifas mit Nazis gleich und behauptete die Ereignisse von 1991 seien kein Pogrom gewesen. Rund 40 Neonazis störten die Gedenkminute vor der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft. AntifaschistInnen, die sich die Hand vor’s Gesicht hielten, um von den Rechten nicht fotografiert zu werden, haben nun Strafbefehle wegen Vermummung erhalten. Außerdem wurden drei ehemalige Betroffene des Pogroms erneut bedroht und beleidigt.

Am 30. August kam es zu einem Angriff und Bedrohungen gegen Mitglieder der Linksjugend solid.

  • Für ein Denkmal und die Entschädigung der Betroffenen des Pogroms von 1991!
  • Für die Einstellung der Verfahren gegen die betroffenen AntifaschistInnen!

17.09.12 – Videokundgebung “21 Jahre Pogrom von Hoyerswerda – Gegen das Verschweigen”
19.30 Uhr – Gänseliesel
22.09.12 – Keine Ruhe für Hoyerswerda – Bundesweite Demonstration
Hoyerswerda Bahnhof

Rassismus tötet! - Göttingen
rassismustoetetgoettingen.blogsport.eu
rassismus_toetet_goe@riseup.net
http://rassismustoetetgoettingen.blogsport.eu

22.September 2012 – Alle auf nach Hoyerswerda!
von ura-dresden   

Zum 21. Jahrestag des Pogroms in Hoyerswerda organisieren unsere FreundInnen und GenossenInnen von der Kampagne Rassismus Tötet und der Initiative Pogrom91 eine Demonstration in Hoyerswerda unter dem Motto „Keine Ruhe für Hoyerswerda! Gegen Rassistische Zustände. Für ein Denkmal und die Entschädigung der Betroffenen des Pogroms von 1991“.

Angesichts der Tatsache, dass sich seit damals nichts an der gesellschaftlichen Gesamtscheiße geändert hat, finden wir es notwendig unseren Unmut auf der Demonstration kund zu tun. Deshalb unterstützen wir den Aufruf dieser Initiativen und fordern hiermit alle Menschen auf, welche die gleichen/ ähnlichen Probleme mit den vorherrschenden Zuständen haben, uns nach Hoyerswerda zu begleiten. (Zugtreffpunkt siehe unten). Zudem veranstalten wir am 17.September 2012 eine Video-Kundgebung vor der Altmarktgalerie/ Dresden, im Versuch die breite Öffentlichkeit für diese Thematik zu sensibilisieren.

Aufruf:

“Im September 1991 griffen Neonazis unter Mithilfe und Applaus vieler BürgerInnen zwei Wohnheime von VertragsarbeiterInnen und Asylsuchenden im ostsächsischen Hoyerswerda an. Mehrere hundert Menschen belagerten die Unterkünfte fünf Tage lang, bis schließlich alle HeimbewohnerInnen aus der Stadt gebracht wurden. Nationale und internationale Medien berichteten über die Geschehnisse. Die „Evakuierung“ aller BewohnerInnen der Heime wurde nicht nur in Hoyerswerda selbst von vielen als „Erfolg“ gewertet. Die Angriffe bildeten damit den Startschuss für eine jahrelang anhaltende Welle der rassistischen Gewalt im wiedervereinigten Deutschland, die neben hunderten Verletzten zahlreiche Todesopfer forderte.

Anlässlich des zwanzigsten Jahrestages gründete sich im Jahr 2011 die Initiative “Pogrom 91”, um sich für eine kritische Aufarbeitung der Pogrome einzusetzen. Auch 20 Jahre nach dem rassistischen Pogrom schienen nur die Wenigsten in Hoyerswerda bereit zu sein, sich offensiv mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Auf kritische Berichterstattung und Interventionen reagiert die Stadtpolitik seit jeher vor allem mit medialer Hetze und Geschichtsverdrehung.

Ihren Höhepunkt fand diese Art der „Vergangenheitsbewältigung“ während eines Besuches ehemaliger VertragsarbeiterInnen und Asylsuchender im vergangenen Herbst. Bei der Besichtigung eines der damaligen Wohnheime kam es wiederholt zu rassistischen Pöbeleien und schließlich zu einem Übergriff durch Nazis und AnwohnerInnen, obwohl der amtierende Bürgermeister Stefan Skora auf Anfrage im Vorfeld keine Bedenken hinsichtlich eines Besuches geäußert hatte. Im Nachgang wurde dieser Angriff von lokalen Medien und dem Oberbürgermeister wahlweise verharmlost oder gänzlich in Frage gestellt.

Auf einer Demonstration von antifaschistischen Initiativen, die sich unter anderem für ein dauerhaften Denkmal zur Erinnerung an das Pogrom von 1991 eingesetzt hatten, reagierte die Stadt mit einem massiven Polizeiaufgebot und der in Sachsen üblichen Warnung vor „gewaltbereiten Extremisten von außerhalb“.

Als überaus gewalttätig zeigten sich am 20ten Jahrestag der Anschläge jedoch wiederum nur örtliche Neonazis, die unter den Augen der Polizei stundenlang in Gruppen durch die Stadt patrouillierten, Autos von DemonstrationsteilnehmerInnen beschädigten und schließlich eine Schweigeminute für die Mordopfer rassistischer und rechter Gewalt mit Parolen und Drohungen störten.

Zeitgleich „gedachten“ VertreterInnen der Stadt ausgerechnet zusammen mit dem „Bund der Vertriebenen“ beim eigens ausgerufenen „Tag der Heimat“ der „extremistischen Ausschreitungen“ von Hoyerswerda. Wie schon 1991 stellte die Polizei unter Beweis, dass sie sehr wohl in der Lage ist zu handeln, so lange es gegen AntifaschistInnen geht. So müssen sich demnächst TeilnehmerInnen der Demonstration vor Gericht verantworten. Sie hatten sich die Hand vors Gesicht gehalten, um von den Neonazis, die die Demo umlagerten, nicht fotografiert zu werden. Der Vorwurf durch die Behörden: „Vermummung“.

Auch nach dem Abklingen der medialen Aufmerksam hat sich nichts am offen zur Schau gestellten Geschichtsrevisionismus seitens der Stadt, ihrer Initiativen und vieler BürgerInnen geändert. Die Forderungen für ein dauerhaftes Denkmal für die Betroffenen des Pogroms steht nach wie vor im Raum. Tätig wurden die Behörden hingegen gegen TeilnehmerInnen der Gedenkdemonstration.

Die gesteigerte Aufmerksamkeit, die dem 20. Jahrestag des rassistischen Pogroms in Rostock – Lichtenhagen zu teil wird, darf nicht allein an “runde Jahrestage” gebunden sein, wenn wir es mit der Auseinandersetzung mit der Geschichte ernst meinen.

Darum rufen die Initiative “Pogrom 91” und die Kampagne „Rassismus tötet!“ für den 22. September zu einer Gedenk-Demonstration in Hoyerswerda auf. Außerdem sollen am 17. September in verschiedenen Städten Videokundgebungen und öffentliche Filmvorführungen stattfinden, um die Geschichte des Pogroms, als auch die heutigen Zustände in Hoyerswerda zu thematisieren.

Lasst uns auch dieses Jahr gemeinsam nach Hoyerswerda fahren, um der örtlichen Verdrängungskultur auf die Füße zu treten und der Forderung nach einem Denkmal für die Betroffenen von 1991, sowie deren Entschädigung Nachdruck zu verleihen!”

17. September 2012 - Dresden Videokundgebung 15:00Uhr - Platz vor der Altmarktgalerie

22. September 2012 - Hoyerswerda Antifaschistische Demonstration 14:00 Uhr Bahnhofsvorplatz (Demobeginn wird auf Grund der Zugverbindungen in Sachsen auf 15:00 Uhr verschoben)

Gemeinsame Anreise aus Dresden mit dem Zug! Treff ist 13:15 am Hauptbahnhof Ausgang Nord Richtung Wiener Platz

Mobilisiert eure FreundeInnen und GenossenInnen – Wir sehen uns in Hoyerswerda!
http://uradresden.noblogs.org
21. Jahre nach dem rassistischen Pogrom - Keine Ruhe für Hoyerswerda! - Demo am 22.09.2012
https://www.youtube.com/watch?v=jn3vV3gykdU&feature=player_embedded