Dresden nie vergessen!
von Rainer Thiel
Die Nazis wollen das missbrauchen. Deshalb mein Bericht über die Anti-Nazi-Demo in Dresden am 13. Februar 2010. Jetzt wollen die Nazis auch in Magdeburg.....
Am 13. Februar 1945 habe ich die Bomber, die nach Dresden flogen, in meiner Heimatstadt Chemnitz brummen gehört. Drei Wochen später war Chemnitz dran. Ich stand im Bombenhagel, um Brandbomben zu löschen und eine demente Frau zu retten. (Meine Oma ist in einem anderen Stadtviertel verbrannt.) In dieser Nacht krachte es, und ich schrie zum Himmel: "Feige Schweine", zumal die Nazis die Fliegerabwehr an die Ostfront zum Panzerbekämpfen verlegt hatten. Den Verlauf der Bombennacht habe ich geschildert in "Neugier, Liebe, Revolution. Mein Leben 1930 2010" im Kapitel "Das große Feuer" (Inhaltsverzeichnis des Buches in www.rainer-thiel.de).
Deshalb kann ich Ulrike Meinhof gut verstehen. Längst habe ich Zusammenhänge begriffen. Doch es gibt mehrere Zusammenhänge. Ulrike Meinhof verweist u.a. darauf, dass von den Bombern die Verkehrswege weitgehend verschont wurden, auf denen Hitlers Nachschub an die Ostfront rollte. So war es, auch beim Bombenangriff auf Chemnitz, auch Rüstungsindustrie wurde nicht angegriffen. Aber es gibt noch mehr Zusammenhänge. Deshalb folgender Text von mir über meine Gedanken am 13. Februar 1950, als ich in Dresden studierte:
"In Dresden sehe ich mich auch in einem ..... Dilemma. Im Gymnasium war mir eine Schüleradresse in England vermittelt worden. Jugendgemäß korrespondiere ich mit der fünfzehnjährigen Joan Harrisson. Das Mädchen war willens, einem Deutschen die Hand zu reichen. Doch nun in Dresden, wo in einer Nacht fünfundzwanzigtausend Menschen im Bombenhagel verbrannt waren, am fünften Jahrestag, dachte ich nur an die Toten in Sachsen, als ich an Joan schrieb.
Antwort von Joan blieb aus. Da wurde mir klar, was ich mir geleistet hatte. Wie konnte ich, und wenn es nur für eine Stunde war, verdrängen, dass deutsche Bomber zuvor englische Städte terrorisiert hatten? Wie konnte ich versäumen zu bedenken, dass das deutsche Volk immer noch Hitler gefolgt war, als die Bomben auf Dresden und Chemnitz fielen? Wie konnte ich – und wenn es nur für eine Stunde war - vergessen, dass ich selber noch an Hitler geglaubt hatte, als ich schrie „Ihr feigen Schweine“. Erst als jene Bombennacht zu Ende ging, kurz vor Ende des Kriegs, war etwas geschehen mit mir.
Joan schrieb mir nicht mehr. Ich hatte mich zu schämen.
Später wird mir bewusst: Die Bomber hatten die Verkehrswege verschont, auf denen Hitler deutsche Soldaten und deutsche Waffen an die Ostfront transportieren ließ. Deshalb waren Schienenstränge und Brücken verschont geblieben. Warum hat Churchill diese Variante gewählt? Konnte nicht Churchill daran gedacht haben, als er seinen Luftmarschall es machen ließ? Konnte er ignorieren, dass an den Fronten immer noch Engländer, Russen, Amerikaner starben, weil Deutschland weiter schießen wollte? Hätte ich nicht behutsam beginnen müssen, mit Joan Harrison Gedanken zu wechseln? Schnell und trotzdem behutsam?!
Wie später bekannt wurde, war Churchill dem Ersuchen jüdischer Menschenrechtler ausgewichen, die Zufahrtswege zu den Vernichtungslagern in Polen zu bombardieren. Dann wären die Transporte nach Auschwitz und Maidanek östlich der Oder blockiert gewesen, wenigstens zeitweilig. Damit wären auch Hitlers Militärtransporte an die Ostfront blockiert gewesen, und immer wieder aufs Neue. Der Roten Armee hätte das geholfen, sie hatte ja ihrerseits den Westalliierten geholfen: Churchill hatte die Sowjetunion gebeten, den Beginn ihrer Offensive in Polen vorzuverlegen, um Hitler zu zwingen, seine Truppen von der Westfront abzuziehen und an die Ostfront zu werfen. Die Sowjetunion erfüllte Churchills Wunsch. Churchill konnte aufatmen. Seine Truppen gelangten blitzschnell an den Rhein."
So kompliziert ist die Geschichte. Wird das in den Schulen vermittelt?
Ulrike Meinhof über die Kriegsverbrechen in Dresden
www.barth-engelbart.de/?p=2915
Ulrike Meinhof on the War Crimes committed in Dresden – As Relevant as Ever.
nsnbc.me/2012/05/17/ulrike-meinhof-on-the-war-crimes-committed-in-dresden-as-relevant-as-ever
Ulrike Meinhof on the War Crimes committed in Dresden – As Relevant as Ever
nsnbc.me/2012/07/15/ulrike-meinhof-on-the-war-crimes-committed-in-dresden-as-relevant-as-ever-2