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Die Börse, die Kontakte schafft

von A. Pianski

Nutzen Sie die Gelegenheit um viel zu arbeiten und wenig zu verdienen, um unbezahlte Überstunden zu leisten und sich als 'Aufstocker' immer noch mit dem JC herumzuschlagen und das noch krasser, als wenn Sie nur die reine Regelleistung beziehen würden. Denn die Erfahrung lehrt, wer Einkommen hat, der hat oft zurück zu zahlen, der bekommt oft gar nichts oder man hat sich zu Ungunsten des Sklaven verrechnet, da viele Mitarbeiter der JCs schlicht keine Ahnung haben.

Dieses schöne Plakat haben wir am Donnerstag in Zwickau am JC, Leipziger Straße beim Flyer verteilen gesichtet. Es hing an der Glastür im Inneren. Trotz Hausverbot habe ich kurz die heilige Halle betreten, um diese Aufforderung zur Sklavenschau abzulichten. Es dauerte auch nicht lange, und so ein prekär Beschäftigter, seines Zeichens Security, so verriet es jedenfalls sein T-Shirt, gesellte sich zu uns nach draußen und rauchte eine Zigarette nach der anderen.

Wobei man sich ernstlich fragen muss, soll er nun im JC für Ordnung und Sicherheit sorgen, oder ständig rauchend vorm Eingang abhängen. Vielleicht sagt er sich auch, für die paar Kröten kann die Arbeitsmoral auch mal Pause machen. Da hat er aus meiner Sicht gar nicht mal so Unrecht. Vielleicht hatte er aber nur den Auftrag uns zu belauschen, denn auffälliger konnte man es nicht mehr machen. Hätte nur noch gefehlt, die Ohrmuscheln wären gewachsen. Aber ich will mich mal nicht beschweren, so viel Aufmerksamkeit hat auch seine schöne Seite, wird man doch noch ernst genommen.

Doch zurück zum Sklavenmarkt, dem eigentlichen Thema. Alle Achtung, über 30 Sklavenhändler bietet die Agentur für Arbeit und das JC Zwickau auf, um ohne größeren Aufwand die Reservearmee der Billigstarbeiter aufzustocken und die Gewinne zu maximieren. Schließlich fließen dann auch noch reichliche Subventionen aus dem Steuersäckel, denn bis zur Höhe des Überlebenssatzes zahlen die Bürger. Für den Sklaven bedeutet das, maximalste und krankmachende Arbeit für minimalsten Lohn.

Wir freuen uns auf Sie.

Das ist dann nicht mal gelogen. Bleibt abzuwarten, ob die Zuführung mit einer Zwangsvorladung zur Steigerung der potentiellen Auswahl einhergeht. Auf dem Plakat ist jedenfalls nichts dergleichen zu lesen. Aber es wäre ja nicht das JC, wenn die ganze Sache nicht mit Androhung des Entzuges der Lebensgrundlage einhergeht. Ob und wie die Zuführung erfolgt, werden wir am 20.06.2012 vor Ort schon herausfinden.

Vielleicht macht sich Herr Müller, Volljurist und Geschäftsführer des JC Zwickau für die Zukunft mal Gedanken, ob er auch über 30 seriöse Arbeitgeber zu so einer Veranstaltung einlädt, die den potentiellen Arbeitnehmern ordentlichen Lohn zahlen und ordentliche Arbeitsbedingungen bieten. Da wäre der Laden bestimmt auch ohne Zwangsvorladung und Exsistenzentzugsdrohung brechend voll

Solch einen Sklavenhandel zu organisieren zeugt nicht gerade von Können, im Gegenteil und geistige Anstrengung ist auch nicht von Nöten. Halt eben das normale JC-Niveau. Bleibt noch zu fragen, wo denn Die Linke bleibt, schließlich ist es die Partei, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, weg mit der Leiharbeit und Hartz IV. Auch die Gewerkschaften sind verdächtig still. In Reden hört man regelmäßig andere Töne. Auch von Sozialverbänden und karitativen Einrichtungen kommt der eine oder andere Satz gegen die Leiharbeit. Aber halt, ich vergaß, dass die ja davon profitieren. Also wird am Ende wieder unser kleiner Verein der einzige sein, der sich dieser Sauerei annimmt.

Gegenwind e. V. Arbeitsloseninitiative Glauchau-Zwickau-Cloppenburg

http://www.ali-gegenwind.de/2012/06/15/die-b%C3%B6rse-die-kontakte-schafft/