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Experte: „Explosive Strände“

Kritik an Umgang mit Weltkriegsmunition in Mecklenburg-Vorpommern

Von Förderkreis Waterkant e.V.

„Die aktuellen Munitionsprobleme an den Stränden von Mecklenburg-Vorpommern sind größtenteils selbst verschuldet“: Zu diesem Ergebnis
kommt eine Untersuchung, die der angesehene Koblenzer Experte Stefan Nehring jetzt gemeinsam mit dem „Förderkreis WATERKANT e. V.“
vorgelegt hat.

Mehr als zwei Wochen wurden im Ostseebad Boltenhagen Teile des Strandes nach alten Munitionsresten durchsucht. Diverse detonationsfähige Kampfmittel konnten die Räumexperten sicherstellen. Woher die Munition im Sand stammt, darüber herrscht im Land Uneinigkeit. Fest steht, dass der Strand von Boltenhagen 2013 mit aufgespültem Sand verbreitert wurde. Entnommen wurde er aus einem Gebiet in der Ostsee: dem „Trollegrund“ vor Kühlungsborn.

Nach Ansicht von Nehring und WATERKANT hätte das nie geschehen dürfen: „Die zuständigen Behörden scheinen ihre eigenen Vorschriften nicht zu kennen.“ Denn das Schweriner Umweltministerium hatte schon im Mai 2012 die „Richtlinie Marine Aufspülsande“ in Kraft gesetzt: Danach sind so genannte Munitionsverdachtsverflächen von vornherein als Entnahmegebiete für Sandgewinnung ausgeschlossen. „Trollegrund“ gilt seit 1979 offiziell als „munitionsverseucht“ und wurde im Jahr 2000 in das Kampfmittelkataster Mecklenburg-Vorpommerns aufgenommen. Durch Sieben und magnetisches Kontrollieren des Sandes kann das Verbot auch nicht umgangen werden, denn ein derartiges Verfahren dient laut Richtlinie ausschließlich der vorsorglichen Kontrolle von zu förderndem Sand aus munitionsfreien Lagerstätten.

„Durch anhaltende Missachtung der eigenen Vorgaben werden nicht nur Strandbesucher akut gefährdet, sondern verdoppeln sich fast die Kosten für den Küstenschutz“, mahnen Nehring und WATERKANT. Schon 1997 und 2014 habe auch der Strand von Rerik – nach Aufspülungen mit Sand aus „Trollegrund“ – aufwändig und kostspielig von Munition geräumt werden müssen.

Als unverständlich bezeichnen Nehring und WATERKANT auch das aktuelle Sicherheitskonzept für Boltenhagen. Obwohl dort schon Ende 2014 gefährliche Kampfmittel gefunden wurden, sei keine Sperrung des betroffenen Strandabschnitts erfolgt. Auch während der aktuellen Räumung sei jeweils nur der gerade durchsuchte Teilabschnitt gesperrt worden. Nehring, der den Strand erst kürzlich besucht hatte, empört sich: „Die Sicherheit von Strandbesuchern scheint in Boltenhagen offensichtlich keine Priorität zu haben.“
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Die Untersuchung steht als PDF unter http://www.waterkant.info/?page_id=3719 zum Download zur Verfügung. In gedruckter Form erscheint sie Ende Juni 2015 in der vom Förderkreis WATERKANT herausgegebenen gleichnamigen Zeitschrift.

Die Zeitschrift WATERKANT ist ein nicht-kommerzielles Projekt, das von einem als gemeinnützig anerkannten Verein herausgegeben und – außer in technischen Bereichen – von unbezahlt tätigen Engagierten erarbeitet wird. Nähere Informationen zu dieser Pressemitteilung & allgemeiner Kontakt: siehe Angaben unten im Footer und im angehängten PDF unter "Redaktion“.