‚Brot statt Böller’ Appell einstellen und durch ‚Brot UND Böller‘ ersetzen
Von Aktion 3. Welt Saar
Lustfeindlichkeit und schlechtes Gewissen helfen nicht gegen Hunger - Kann denn Feiern Sünde sein?
Andere Agrarpolitik ohne Gentechnik hilft gegen Hunger
Die Aktion 3.Welt Saar (A3WS) ist dafür, den Appell ‚Brot statt Böller’ einzustellen und durch ‚Brot UND Böller’ zu ersetzen. Der ‚Brot statt Böller’-Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau und appelliert an das schlechte Gewissen“, so Michael Scherer vom Vorstand der Aktion 3.Welt Saar. „Auffallend ist, dass die Kritik am Silvesterfeuerwerk erst dann einsetzt, wenn ‚die breite Masse’ Raketen zünden darf. Ausgenommen von der Kritik bleiben die Feuerwerke der Besserbetuchten, beispielsweise nach Klassik-Open-Air-Konzerten und bei der offiziellen Feier in Saarbrücken am Vorabend (13.7.) des Jahrestages der französischen Revolution“, so Michael Scherer. Dort und bei dem gestalteten Feuerwerk „Rhein in Flammen“ gilt merkwürdigerweise ‚Brot statt Böller’ nicht mehr. Der unterstellte Zusammenhang zwischen dem Silvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt ist beliebig gewählt und existiert nicht. Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume, Smartphones, Bücher oder Jogginganzüge zu kaufen, keinen Wein zu trinken oder Fußballspiele ausfallen zu lassen. „Der Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmiene und dem moralischen Zeigefinger einher geht“, meint Michael Scherer. Zum Wesen des Menschen gehört in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung - für manche eben auch die Freude am Feuerwerk. Dies sollte respektiert werden. Dass Menschen hungern, obwohl es genügend Nahrungsmittel gibt, liegt an deren Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Denn Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht.
Um Hunger zu bekämpfen, brauchen wir eine andere Agrarpolitik. Dafür organisiert die Aktion 3.Welt Saar gemeinsam mit 50 anderen Agrar- und Umweltorganisationen am 21. Januar 2017 in Berlin zum Auftakt der Grünen Woche wieder die Demonstration „Wir haben es satt“. Im Januar 2016 nahmen über 20.000 Menschen an dieser Demonstration teil:
http://tinyurl.com/z6s7hgb . Wichtig für eine andere Agrarpolitik sind der Ausstieg aus dem aktuell verhandelten „Transatlantischen Freihandelsabkommen“ TTIP und ein Ende der Vorrangpolitik für Gentechnik. Stattdessen muss weltweit die bäuerliche Landwirtschaft den Vorzug vor der industriellen Landwirtschaft bekommen. Aktuell sorgen Agrarexporte aus Europa - vor allem Milch und Fleisch – dafür, dass Märkte in der 3.Welt zusammenbrechen, bäuerliche Existenzen vernichtet werden und Menschen verhungern.