Bundesrat stimmt über Wildtierverbot in Zirkussen ab
von Pro Wildlife
Ende der Zirkusdressur von Affen, Elefanten und Großbären?
Der Bundesrat stimmt am 7. November darüber ab, ob Zirkussen zukünftig die Haltung von Affen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden verboten werden soll. „Wir erwarten, dass die Bundesländer ein Haltungsverbot fordern werden. Dann ist Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner aufgefordert, diese Tierquälerei in Zirkussen per Gesetz zu verbieten“, sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife. Einen früheren Bundesrats-Beschluss hat die Bundesregierung bisher ignoriert. „Manege und Zirkuswagen sind kein Lebensraum für Wildtiere wie Elefanten, Tiger und Affen. Zirkusdressur hat mit dem natürlichen Verhalten von Wildtieren nichts gemein“, so Freyer. „Mit dem im Grundgesetz verankerten Staatsziel Tierschutz ist das nicht zu vereinbaren“.
Union und BMELV blockieren
In den Bundesländern zeichnet sich parteiübergreifende Unterstützung für den Bundesantrag Hamburgs ab, auch die Bevölkerung ist mehrheitlich dagegen, dass Zirkusse Wildtiere halten. Doch bisher blockieren das für Tierschutz zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) sowie im Bundestag die Unionsfraktion Fortschritte beim Wildtierschutz. Der Bundesrat hatte bereits 2003 die Bundesregierung einstimmig aufgefordert, die Haltung bestimmter Wildtiere in Zirkussen zu verbieten. Doch die Bundesregierung hat bis heute nichts unternommen, um diesem Beschluss nachzukommen. Lediglich das ebenfalls geforderte „Zirkus-Zentralregister“ wurde mit jahrelanger Verspätung 2008 erlassen, hat aber keine Verbesserungen bewirkt.
Zuletzt hatten die Regierungsparteien im Dezember 2010 einen entsprechenden Antrag im Bundestag abgelehnt. Unionsfraktion und BMELV behaupteten damals, ein Verbot bestimmter Wildtierarten im Zirkus könnte gegen die Verfassung verstoßen, weil es die Freiheit der Berufswahl und –ausübung sowie das Eigentumsrecht unverhältnismäßig einschränken würde. Zudem ließen sich Tierschutzprobleme angeblich auch ohne ein Verbot lösen, nämlich durch die 2008 erlassene Zirkusregister-Verordnung. „Diese fadenscheinigen Ausreden sind schlichtweg nicht haltbar: Ein Wildtierverbot hat nichts mit einem Berufsverbot zu tun. Immer mehr fortschrittliche Zirkusse verzichten auf Tiernummern, in 13 europäischen Ländern ist die Haltung von Wildtieren bereits ganz oder teilweise verboten. Und das Zirkus-Zentralregister ändert nichts daran, dass die Haltung von Wildtieren mit Tierschutzgesetz und Grundgesetz nicht vereinbar ist. Es führt lediglich Buch darüber, welche Zirkusbetriebe in Deutschland gastieren – und das äußerst lückenhaft. Abhilfe gegen Tierschutzverstöße schafft es hingegen nicht. Das BMELV und die Union im Bundestag müssen endlich ihre Blockadepolitik gegen ein Wildtierverbot aufgeben, um die massive Tierquälerei in Zirkussen zu beenden“, fordert die Pro Wildlife-Sprecherin.
Wildtiere im Zirkus zu halten ist Tierquälerei
Pro Wildlife begrüßt den von Hamburg in den Bundesrat eingebrachten Antrag als wichtigen ersten Schritt. Gemeinsam mit 18 weiteren deutschen Tier- und Naturschutzorganisationen fordert die Organisation seit langem ein Haltungsverbot für alle Wildtierarten im Zirkus. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Haltung von Wildtieren in Zirkussen nicht mit dem Tierschutz vereinbar ist: Weil sie einen Großteil ihres Lebens auf engstem Raum verbringen müssen, leiden sie oft unter Verhaltensstörungen und Krankheiten. Die kleinen Transportwägen und provisorischen Freigehege mobiler Zirkusbetriebe bieten weder ausreichend Bewegungs- noch Rückzugsmöglichkeiten. Einzelgänger wie Tiger oder Bären müssen auf engstem Raum mit Artgenossen leben, Tiere mit äußerst komplexem Sozialverhalten wie Elefanten werden alleine gehalten, Affenbabys der Mutter weggenommen, um sie auf die Dressur vorzubereiten. Die Tiere werden unzureichend ernährt und medizinisch versorgt. In unbeheizten Wägen und Gehegen sind die meist aus warmen Klimazonen stammenden Wildtiere Kälte und Nässe ausgesetzt. Angriffe auf Dompteure, Tierpfleger und Besucher sowie Ausbrüche aus ungesicherten Gehege sorgen immer wieder für Verletzungen und Todesfälle.
www.prowildlife.de