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Humanitärer Korridor für das Überleben von Kobanê!

Nassan Ahmad, Gesundheitsministers  des Kantons Kobanê:

"Wir brauchen einen humanitären Korridor für das Überleben von Kobanê!"

Von Kobané`- Solidarität Ruhr

40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatte die anlässlich des Besuchs des Gesundheitsministers Nassan Ahmad des Kantons Kobanê von Rojava (Westkurdistan/Syrien) am 9. Mai durchgeführte Informationsveranstaltung im Kultursaal „Horster Mitte“ in Gelsenkirchen. Er berichtete lebendig, wie die internationale Solidarität eine entscheidende Unterstützung für den nach 134 Tagen heldenhaften Kampf am 27.1. 2015 errungenen Sieg über den IS war . Zur aktuellen Lage sagte er: "80% der Stadt sind komplett zerstört. von den 451 Dörfern werden noch 40 von IS kontrolliert. Von drei Seiten ist Kobanê von IS eingeschlossen, im Norden grenzt es an die Türkei. Da es keinen humanitären Korridor gibt, können die über 200.000 Flüchtlinge nicht zurück. Eine Versorgung mit Baumaterial und -maschinen ist nicht möglich. Die 70 bis 80.000 gegenwärtig in Kobanê lebenden Menschen sind ohne Infrastruktur, Strom- und Wasserversorgung sind zerstört, ebenso die Abwasserkanalisation. Für die Kinder wurden jetzt provisorische Schulen in Zelten und Containern eröffnet. Tausende Kinder können nicht ärztlich versorgt und geimpft werden; sie sind durch den Krieg traumatisiert, sie sehen täglich Leichen oder Leichenteile und sind von Hunderten von der IS hinterlassenen Minenfallen direkt gefährdet; unter den Trümmern sind Leichen von IS-Angehörigen, die aufgrund fehlenden schweren Baumaschinen nicht beseitigt werden können und von denen eine hohe Seuchengefahr ausgeht. Der Widerstand, Freiheits- und Überlebenswille ist jedoch ungebrochen und wird auch durch die internationale Solidarität, die er bei seiner gegenwärtigen Rundreise erfährt, gestärkt."  Die Solidaritätsbrigaden der ICOR zum Wiederaufbau eines Gesundheitszentrums werden von den Selbstverwaltungsorganen begrüßt. Nassan Ahmad: "Ebenso wie der Widerstand gegen die IS ist auch der Wiederaufbau nicht nur eine Sache der Menschen von Kobanê selbst, sondern eine internationale Aufgabe." Prof. Dr. Christian Jooß, Göttingen, ging auf die Bedeutung des ökologischen Aspektes im Wiederaufbau ein. "Angesichts zerstörter Stromversorgung, Wasser- und Abwassersystemen muss dieser systemisch erfolgen und berücksichtigen, dass das Gesundheitszentrum dies autark verwirklichen kann, so durch eine Photovoltaikanlage zur Stromversorgung, die wiederum Voraussetzung für Wasserversorgung und -reinigung aus Brunnen ist, oder eine Biogasanlage,  die zur Fäkalienbeseitigung beiträgt."  Ahmad Nassan würdigte das Vorhaben, das einen Modellcharakter für den demokratischen Aufbau von Rojava und im Mittleren Osten bekommen könnte.

Vertreter der Gelsenkirchener Initiative von rund 40 ÄrztInnen und ApothekerInnen berichteten, dass sie mittlerweile Medikamente und medizinische Hilfsmittel im Wert von mehreren Zehntausend für Kobanê gesammelt haben und diese in Zusammenarbeit mit dem Kurdischen Roten Halbmond nach Kobanê gingen; darunter ist z.B. ein kompletter Operationssaal.

Die Initiative breitet sich inzwischen im Schneeballsystem in weitere Städte aus. Vom Podium warf Mohammed Ibrahim, Gelsenkirchen, Flüchtling aus Rojava berechtigt die Frage auf "Warum bekommt die IS weiter Waffen, können weiterhin vor allem auch aus Europa IS-Anhänger deren Kräfte verstärken, während es für humanitäre Hilfe keinen Korridor gibt?"

Ayten Kaplan, Gelsenkirchen, Vorstandsmitglied des Demokratischen Gesellschaftszentrums der KurdInnen in Deutschland (Nav-Dem), die auch die Rundreise des Gesundheitsministers organisiert, wies darauf hin, dass die in Rojava entstehende demokratische Selbstverwaltung der NATO, den westlichen Staaten und Machthabern im Mittleren Osten ein Dorn im Auge ist und sie deshalb die IS oder Al Kaida unterstützen, um ihre Machtinteressen durchzusetzen und die Lage auf Kosten der Völker zu destabilisieren. Rechtsanwalt Roland Meister ging darauf ein, der seit 35 Jahren auch im Asyl- und Flüchtlingsrecht und internationalem Völkerrecht tätig ist, ging darauf ein, dass die Boykottmaßnahmen, so der türkischen Regierung gegenüber dem humanitären Korridor und der Lieferung von Hilfsgütern direkt dem humanitären internationalen Völkerrecht widersprechen: "Alle Menschen haben das Recht auf humanitäre Hilfe und humanitären Schutz, ebenso wie ihnen das Recht zustehen muss, humanitäre Hilfe zu leisten und humanitären Schutz zu gewähren."  Vom 20. Juni bis 19. September werden rund 100 internationale Brigadisten aus Deutschland und weiteren Ländern nach  Kobanê fahren. Linus Schreurs, Gelsenkirchen, vom Jugendverband REBELL, mit 14 Jahren der jüngste Teilnehmer des Podiums, berichtete, wie der Rebell die Idee der Solidaritätsbrigaden entwickelte und in Peru, Südafrika und dem Kongo bereits praktisch verwirklicht hat. Nach der praktischen Solidarität in der Entscheidungsschlacht um Kobanê war es für den Rebell selbstverständlich, dass dieses Jahr die Brigaden nach Kobanê gehen und sich die Jugend an diesen aktiv beteiligen wird.

Moderatorin Monika Gärtner-Engel betonte abschließend, dass dazu ein humanitärer Korridor für den Wiederaufbau von Kobanê überlebenswichtige Bedeutung hat und zum Gegenstand der Auseinandersetzung und von breiten Protesten gemacht werden muss . Der Kampf für einen humanitären Korridor wird deshalb auch mit im Zentrum der Zukunftsdemonstration am 23. Mai in Essen (Beginn: 10h, Willy-Brandt-Platz) zur Eröffnung des 17. Internationalen Pfingstjugendtreffens in Gelsenkirchen (Trabrennbahn) stehen.