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Offener Brief an das Soziale Zentrum Höxter von einen anonymen, von ALG II betroffenen Paar:

Liebes Team vom Sozialem Zentrum Höxter,

liebe Betroffenen und Mitfühlenden,

wir waren leider noch nicht bei Ihnen. Wir haben uns ehrlich gesagt geschämt. So geht es warscheinlich vielen ALG2 Empfängern.
In der Presse und im Fernsehen als minderwertige Menschen zweiter Klasse abgestempelt, werden überall Hetzkampagnen und "Feindbilder"
gegen Hartz IV Empfänger aufgebaut. In Nachmittags-Talkshows wird ein Bild von uns Hartz IV Empfängern aufgebaut was unmenschlich, herabwürdigend
und pauschalierend ist.  So asoziieren die meisten Zuschauer Menschen in Hartz IV inzwischen mit Arbeitsverweigerern, Trinkern, Sozialschmarotzern
und Menschen die Ihre eigenen Kinder nur als Geldmittel ausnutzen.
Glauben diejenigen, die soetwas sagen das tatsächlich?

Uns vergeht die Lust am Leben. Man fühlt sich verfolgt, schämt sich und traut sich kaum noch in die "Gesellschaft", weil auch dort, im "normalen Umfeld", dieses Feindbild inzwischen übernommen wurde. Man hat niemanden mehr dem man sich anvertrauen kann oder mit dem man mal über seine Sorgen reden kann. Trotz guter Ausbildung bekommt man keinen Arbeitsplatz. Es fehlt entweder die Berufserfahrung oder man ist schon mit Mitte 40 zu alt. Der Ehepartner arbeitet und verdient Geld hinzu. Von Geburt an ist man in dieser Stadt und nun will uns die ARGE zwingen die Stadt zu verlassen wenn sie uns anderswo eine Arbeitsstelle anbieten. Kann man uns nun schon zwingen unsere Lebensumgebung zu verlassen? Ist es schon soweit das man als ALG II Bezieher aus der Stadt geworfen werden kann? Man versucht sich in Höxter anscheinend auf diesem Wege der "teuren Hartz IV-Empfänger" zu entledigen.Besuche bei der ARGE werden zu Spießrutenläufen mit Unterstellungen und Warnungen die schon in Drohungen übergehen. Kein Wunder also, dass das Arbeitsamt und die ARGE in unserer Stadt, weithin einen miserabelen Ruf genießen,

Die Arbeitslosigkeit und damit auch Mittellosigkeit ist schon schlimm genug. Darüberhinaus ist das Leben nur noch furchtbar und unmenschlich. Depressionen sind auch bei uns an der Tagesordnung. Man verschweigt seine persönliche Situation, kann aber andererseits auch nicht am öffentlichen Leben teilhaben. Durch die minimalen Leistungen ist nichts dafür übrig.

Wir würden uns wünschen das es Statistiken gäbe die mal den Zusammenhang von Hartz IV und Selbstmorden untersuchen. Uns würde es nicht wundern wenn es da zu großen Auffälligkeiten kommen würde. Können die "besseren", arbeitenden Menschen nicht verstehen oder wollen sie es einfach nicht. Es ist wieder eine Hetzkampagne in unserem Land im Gange und keiner merkt es!!!

Was ist mit uns Deutschen los? Gehen wir ein, wenn wir kein Feindbild haben?

So, das musste ich mir mal, auch im Namen meines Ehepartners, von der Seele schreiben. Ich hätte das gerne schon mal als Leserbrief in eine der hiesigen Zeitungen gesetzt aber ich möchte nicht meinen Namen preisgeben. Wie schlimm ist es schon wenn man im Jahre 2010 seinen Namen geheimhalten muss um Repressalien zu verhindern.

Sollten Sie meine, diese Meinungsäußerung für Zeitung oder anderweitige Veröffentlichung übernehmen wollen, erteile ich Ihnen hiermit die Erlaubnis.

Auslöser für diesen Leserbrief war übrigens Ihr Artikel in der Zeitung, in dem Sie die Aufgabe des Sozialen Zentrums in Höxter zum Monatsende ankündigen. Es tut mir sehr leid, und obwohl ich ihre Hilfe noch nicht in Anspruch genommen habe, danke ich Ihnen für Ihr Engagement. Ich hoffe aber, dass sich doch noch eine Lösung findet. Für die Stadt Höxter und auch für die großen "Volksparteien" ist das ein Armutszeugnis. Meine Stimme bekommen die jedenfalls nicht mehr!

Vielen Dank für Ihre Geduld beim Lesen dieser Zeilen, die mir schon so lange auf der Seele brennen.

Ein betroffenes Paar aus Höxter