Nach dem Verbot - Macht die HDJ weiter?
Veranstaltung des Antifaschistischen Arbeitskreises Detmold
Vortrag von Andrea Röpke:
Nach dem Verbot - Macht die HDJ weiter?
Dienstag, 15. März 2011 - 18.30 Uhr
Hotel Kanne
Paderborner Straße 155
32760 Detmold
Ortsteil Berlebeck
Immer mehr der rund 30.000 bundesdeutschen Neonazis gründen Familien. Die Erziehung des Nachwuchses wird nur ungern allein den Eltern überlassen. Seit dem Ende des "Dritten Reiches" gibt es im Inner Circle der Neonazi-Szene eine organisierte braune Pädagogik.
42 Jahre lang waren extrem militante Gruppen wie die "Wiking-Jugend" dafür zuständig. Nach deren Verbot übernahm unter anderem die "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) diese Aufgabe.
Auch in Westfalen war diese Gruppe sehr aktiv. Ihre "Einheit Hermannsland" wurde von Detmold-Berlebeck aus gesteuert. Bereits Kinder sollten zu "Kämpfern von fanatischer Entschlossenheit" nach "soldatischen Idealen" erzogen werden.
Etwa an jedem zweiten oder dritten Wochenende fanden in der Bundesrepublik Zeltlager, rassistische Schulungen mit Jugendlichen, Mut- und Messerproben oder Gewaltmärsche statt. Die Behörden schauten lange weg. Auf Druck der Öffentlichkeit wurde die HDJ im März 2009 vom Bundesinnenministerium verboten.
Doch die braunen Erzieher machen weiter: In kleinen Zirkeln und in Tarnorganisationen. Viele sammeln sich auch in der Jugendorganisation der NPD.
Trotz des Verbotes und dem strikten Untersagen von Nachfolgeorganisationen der HDJ werden auch in Berlebeck bei einem der ehemaligen Anführer wieder Kinder abgegeben.
Singekreise, Brauchtumsfeiern, Volkstanz oder Wanderungen werden als harmlose Anlässe vorgeschoben: Doch das Private ist bei Neonazi-Familien durch und durch politisch. Kinder sind auch für die NPD Teil der "kleinsten politischen Einheit": der Familie.
Die Fachjournalistin Andrea Röpke publiziert seit Anfang der 1990er-Jahre zum Bereich Neonazismus und ist insbesondere durch ihre Insider-Reportagen aus diesem Bereich bekannt. Ihre Arbeiten, etwa über "Freie Kameradschaften" oder die Heimattreue Deutsche Jugend, wurden bisher beispielsweise in den TV-Magazinen Panorama, Fakt oder Spiegel TV sowie in überregionalen Zeitschriften und Magazinen wie dem Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, Focus oder dem Stern veröffentlicht. Ihre Reportagen sind Teil des Angebots der Bundeszentrale für politische Bildung.
Anlässlich einer Vorstellung ihres Dokumentarfilms "Ferien im Führerbunker" stellte sie Untersuchungen zur Erziehung von Kindern durch politisch extrem rechts eingestellte Eltern vor. Nach der Auflösung der "Heimattreuen Deutschen Jugend" durch den damaligen Bundesminister des Innern Wolfgang Schäuble warnte Andrea Röpke davor, die Wirksamkeit des Verbotes über zu bewerten.
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