Mehr Öffentlichkeit tut dringend Not
Frauenhandel – moderne Sklaverei: Auch im Kreis Herford Realität
Inge Höger, MdB, DIE LINKE, und Anke Reichwald, Kreistagkandidatin, DIE LINKE, sprachen mit Nadeschda, Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel und Gewalt
Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es Bordelle nur in den Ballungsräumen gibt. Gerade im ländlich strukturierten Bereich OWL, der als Ost-West-Verbindung durch die Autobahn 2 durchzogen wird, gibt es viele Clubs, Bordelle und bordellähnliche Betriebe und eine hohe Dichte an Wohnungsprostitution.
Inge Höger, MdB, und Anke Reichwald, Kreistagskandidatinnen der Partei DIE LINKE informierten sich bei Nadeschda, der Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel, die von Herford aus Opfer von Zwangsprostitution und Gewalt in ganz OWL betreut.
Allein im Kreis Herford gibt es ca. 50 – 60 Bordellbetriebe. Prostitution und Zwangsprostitution hängen eng miteinander zusammen. Das Thema zu ignorieren oder mit „spitzen Fingern“ anzufassen sei völlig falsch, erfahren die beiden Politikerinnen der Partei DIE LINKE bei ihrem Informationsbesuch. Öffentlichkeit sei ein entscheidender Weg der Hilfe und Selbsthilfe.
Sexuelle Ausbeutung und sklavenähnliche Behandlung von Frauen ist ein millionenschweres Geschäft. 90 % aller Opfer von Menschenhandel sind Frauen und Kinder.
Die Bedingungen haben sich verändert, erläutert Birgit Reiche, Leiterin der Beratungsstelle. Razzien der Polizei reichten nicht mehr aus. Alles laufe familiärer, noch weniger öffentlich ab.
„Wenn Polizei, Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden bessere personelle und finanzielle Ausstattung für regelmäßigere Kontrollen hätten, könnte die Strafverfolgung von gewalttätigen Freiern sicher verbessert werden“, unterstreichen die LINKS-Politikerinnen. Zu wenig Personal verdeutliche auch, wie gering der Stellewert der Bekämpfung von Menschenhandel und Gewalt an Frauen sei. Das müsse sich ändern!
Die Politikerin fordern zudem spezielle Schulungen und Fortbildungen als Unterstützung für die Polizei. Auch die Zusammenarbeit von Polizei, Sozial-, Ausländer- und besonders Gesundheitsämtern an „Runden Tischen“ müsse weiter unterstützt werden.
Auffällig sei, so Corinna Dammeyer, Sozialarbeiterin bei Nadeschda, dass sich immer mehr der mehrheitlich sehr junge Frauen in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung befänden. Haut- und Geschlechtskrankheiten, Hepatitis- und HIV-Infektionen, Drogen- und Alkohol-Missbrauch und die Zunahme von psychischen Erkrankungen und posttraumatischen Symptomen bei vielen Klientinnen seien erschreckend. Sprachbarrieren, Unkenntnis, Angst und Hilflosigkeit prägen die Situation der betroffenen Frauen in der Zwangsprostitution. Der normale Gang zur Frauenärztin ist für sie kaum möglich.
Inge Höger,MdB und Anke Reichwald sehen hier auch das Kreisgesundheitsamt in der Pflicht. Soziale und medizinische Betreuung müsse organisiert und niederschwellig bereitgestellt werden.
Allgemein stellt das Beratungsteam von Nadeschda einen wachsenden Informationsbedarf der Frauen in der Prostitution fest. Inge Höger, MdB und Anke Reichwald unterstützen die Forderung nach einer allgemeinen Anlauf- und Informationsstelle für Prostituierte in der Region. „Herford ist Kreisstadt und das Team von Nadeschda hat das nötige Know how und vielfältige Erfahrung“, so Anke Reichwald. „Ein entsprechender Antrag kann den zukünftigen Landrat in dieser Sache in die Pflicht nehmen.“
„Wir brauchen eine parteiliche Arbeit für die Opfer und eine stärkere Öffentlichkeit, um gegen jede Form von Gewalt vorzugehen“, fordert Inge Höger, MdB.
Die beiden LINKS-Politikerinnen wollen das Team von Nadeschda auf der politischen Ebene tatkräftig unterstützen. Ziele sind: eine bessere rechtliche Absicherung für Opfer von Menschenhandel in ganz Deutschland und eine finanzielle Entschädigung für die erlittene Gewalt, eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Polizei in diesem Bereich und eine kostendeckende Finanzierung der spezialisierten Beratungsstellen für Opfer von Menschenhandel. Frauenpolitik brauche Solidarität und einen langen Atem.