Im Rollstuhl unterwegs
Aktionstage in Höxter - Rückblick
Von Margit Marion Mädel
Am 20.08 und 21.08.09 hatten wir im Sozialen Zentrum Höxter e.V. Herrn Dr. Ilja Seifert, MdB zu Gast. Dr. Ilja Seifert ist behinderten- und tourismuspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Im Rahmen unserer Aktionswoche Barrierefreiheit und Tourismus für alle, welche wir mit der Ortsgruppe Höxter DIE LINKE durchführten, war uns am aller wichtigsten, auf die Mängel in unserer Stadt hinzuweisen, welche Menschen mit Behinderungen äußerst schwierig ihr Leben ordnen lässt.
Erster Tag:
Gemeinsam, mit dem Bundestagsabgeordneten und Bürgern dieser Stadt, fand am Donnerstagnachmittag eine Stadtbegehung und Berollerung statt. Wer in Höxter behauptet, es gäbe sie nicht, die Barrieren für Menschen mit Behinderung, der sollte einmal einen Tag versuchen mit dem Rollstuhl in Höxter seine Wege zu erledigen, oder eine Toilette aufsuchen die er benutzbar vorfindet... vielleicht ergeht es ihm dann wie unserem Gast, Dr. Ilja Seifert...
Barrierefreie Hotelzimmer zur Übernachtung in Höxter - sind nicht vorhanden. Das Hotel Niedersachsen bewirbt sein Hotel allerdings mit sechs barrierefreien Zimmern im Internet - vorhanden sind diese jedoch nicht - nicht einmal ein Haltegriff für die Toiletten ist vorhanden und anschaffen wollte der Besitzer auch keinen, da dieser zu teuer sei ( 80 Euro). So mußte Herr Dr. Ilja Seifert sein Leben für diese eine Übernachtung schwierig gestalten.
Wir leben in Höxter von dem Tourismus und grenzen Menschen mit Behinderungen von vorn herein aus. Wir haben in unserer Stadt viele Rollstuhlfahrer, Gäste in Kliniken usw., welche auch uneingeschränkt unsere Stadt besuchen wollen - aber suchen sie sich dann einmal eine Toilette in Höxter welche für Rollstuhlfahrer geeignet ist, da schämt man sich als Bürger dieser Stadt wenn man diese betritt.
Bei der Stadtbegehung- berollerung, wollten wir das historische Rathaus und das Tourismusbüro besuchen. Eine Rampe ist für Rollstuhlfahrer vorhanden. Doch da stießen wir gleich auf das nächste Problem. Die Mitarbeiter des Büros können nicht einmal die Rampe bedienen - so musste der Hausmeister von zu Hause geholt werden, und wir standen 15 Min vor dem Eingang des Rathauses.... Doch der Schlüssel wurde nicht gefunden, wieder zehn Minuten... endlich ein Schlüssel, doch der passte wiederum nur oben um die Rampe zum auffahren bereitzustellen... weitere zehn Minuten stand der Bundestagsabgeordnete auf der Rampe um die Stufen hinunter gebracht zu werden... erneute Suche nach passenden Schlüssel... man sah, wozu der Rampenaufzug eigentlich benutzt wurde - überall lag Müll und Altpapier herum. (Siehe Fotos)
Doch endlich fand der Hausmeister den passenden Schlüssel nach 35 Minuten Wartezeit - jeder andere Bürger wäre längst weggerannt... Im Tourismusbüro trafen wir nur Mitarbeiterinnen an, die aber überhaupt keine Auskünfte über barrierefreie Übernachtungen oder ähnliches geben konnten - wiederum ein Armutszeugnis für unsere Stadt.
Der Hausmeister versuchte allerdings sein Bestes und führte uns dann durch das historische Rathaus.
Bürger welche uns im Rollstuhl begleiteten machten uns auf vielerlei Schwerpunkte aufmerksam. Viele Geschäfte in Höxter können sie nicht nutzen, das Kopfsteinpflaster in der Fußgängerzone ist unmöglich für Rollstuhlfahrer aber auch gehbehinderte Menschen mit Rollator oder Stock haben Schwierigkeiten - und ich als Frau würde niemals Absatzschuhe in der Innenstadt tragen, da ich mir dann entweder die Beine breche oder der Absatz im Kopfsteinpflaster stecken bleibt, aber vielleicht gibt es gerade deshalb fast nur Schuhgeschäfte in Höxter.....
Zweiter Tag:
Wanderung und Berollerung entlang der Weserpromenade zum Schloss Corvey mit Museumsbesuch.
Freitag 10:00 Uhr trafen wir uns erneut mit Rollstuhlfahrern der Stadt Höxter und interessierten Bürgern am Bahnhof Höxter und begannen unsere Tourismustour.
Der Bahnhof ist für Rollstuhlfahrer nur durch weite Umwege erreichbar - keine Barrierefreiheit.
Unser Weg führte uns zuerst zur Weserplattform, welche im Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler als Steuerverschwendung geführt wird... dann entlang der Weser zum Schloss Corvey unsere Museumsführung erwartete uns bereits und wir wollten mit allen Rollstuhlfahrern das Museum besichtigen. Eine ältere Dame konnte aber den Eingang zum Museum mit ihrem Elektrorolli nicht überwinden, es wurde alles versucht, sie musste draußen bleiben, besser gesagt, da sie kurze Strecken, allerdings keine Stufen gehen kann, hielt sie sich in der Schlossküche auf.
Unser Museumsführer machte den Besuch zum Erlebnis mit all seinen Ausführungen zur Entstehung der Klosterkirche bis hin zum Schloss und in die Neuzeit. Dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön.
Im Anschluss wollten wir mit Frau Conrad, der Museumsleiterin sprechen und wir baten sie für ein Fünfminuten Gespräch vor die Tür zu kommen, doch sie verweigerte dies uns, als auch dem Bundestagsabgeordneten Dr. Ilja Seifert, welcher ebenfalls mit Rollstuhl vor der Tür wartete. Ihre jungen Mitarbeiterinnen gaben garstig zur Antwort, dass dies alles nicht stimmen könne, da Rollstuhlfahrer immer ins Museum kämen - aber anschauen wollte man es sich nicht.
Bei meiner Frage, ob ich nun für die Personen, die nicht ins Museum hineinkamen wir unsere Eintrittsgelder zurückerhielten, bekam ich zur Antwort "NEIN!"
So kann man keine Barrieren beseitigen, höchstens erneut welche bauen. Für uns alle waren diese beiden Tage sehr lehrreich und wir erkannten wo überall in unserer Stadt Mängel für Menschen mit Behinderungen stehen.
Während unserer Aktionstage machten auch andere Bürger mit Behinderungen aus unserer Stadt im Radio Hochstift und in der Neuen Westfälischen Zeitung auf diese schweren Probleme aufmerksam. Inge Paare - Renkhoff (selbst seit vielen Jahren Rollstuhlfahrerin) weiß wovon sie spricht und hatte auch bei der Veranstaltung der Partei DIE LINKE. im Hotel Niedersachsen am Donnerstagabend sehr gute Diskussionsbeiträge einfließen lassen.
Wir bleiben am Ball, und werden aufmerksam beobachten was in unserer Stadt getan wird um Barrieren abzubauen.