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Solidarität ist gefragt – werde Aktivist und Mitstreiter!

von GRIECHENLAND SOLIDARITÄT KOMITEE KÖLN

Seit Monaten hat das im Juni 2012 gegründete "Griechenland Solidarität - Komitee Köln" Kontakte zur Viomet-Belegschaft in Thessaloniki. 17 Monate hat diese Belegschaft ohne Lohn und Einkommen den Betrieb besetzt gehalten und ihn nun übernommen. Am 04.Dez. 2012 organisierten wir im Kölner DGB-Haus eine Solidaritätsveranstaltung für die Kollegen, die mit einer Spendenkampagne vor Weihnachten gekoppelt war.

Jannis, der "alte" Betriebsrat und "neuer" Betriebssprecher hat uns gerade Bilder von der griechenlandweiten Versammlung der Solidaritätsinitiativen mit VIOME vom Sonntag, 10.2. in Thessaloniki geschickt. (siehe Anhang)

Auf dem Transparent am Podium steht:"VIOME eröffnet in den Händen der Arbeitnehmer."

Die Arbeitnehmer der Fabrik gelangten aufgrund ihrer Erfahrung zu der Forderung nach Selbstverwaltung.

Zuerst bemühten sie sich darum, Druck auf die Betriebsleitung auszuüben, die Fabrik wieder in Betrieb zu nehmen. Danach bemühten sie sich darum, mögliche Investoren zu finden. Alle ihre Anstrengungen scheiterten jedoch. So haben sie die Schlussfolgerung daraus gezogen, dass die einzige Lösung, die ihre Arbeitsplätze retten kann, die ist, selbst die Fabrik zu übernehmen. So gelangten sie nach 13 Monaten Besetzung der Fabrik zu den folgenden Vorschlägen, die von ihrer Vollversammlung beschlossen wurden:

1.       Abbezahlung aller antizipativen Passiva durch die frühere Betriebsleitung der Fabrik. Die frühere Betriebsleitung muss die Schulden des Unternehmens bis heute komplett übernehmen.

2.       Rücktritt des früheren Verwaltungsrates und Wahl eines neuen, der hauptsächlich aus Vertretern der Arbeitnehmer bestehen wird. Der neue Verwaltungsrat wird gewählt und direkt abberufbar sein durch die Vollversammlung der Arbeitnehmer

3.       Prinzipielle Finanzierung der „neuen“ Gesellschaft durch das Arbeitslosengeld, auf das die Arbeitnehmer Anspruch haben, und Zahlung des Zuschusses für arbeitslose Unternehmer durch das Arbeitsamt (OAED).

4.       Die Aktien der Gesellschaft sollen unter die Arbeitnehmer genossenschaftlich aufgeteilt werden. Alle diejenigen, die keine Aktien übernehmen wollen, werden die Arbeit in der Fabrik fortsetzen gemäß dem kollektiven Tarifvertrag.

5.       Schaffung eines rechtlichen Rahmens, der die Genossenschaft der Arbeitnehmer im Bereich der Industrie erlaubt.

Das Unternehmen, das die Arbeitnehmer aufzubauen versuchen, hat eine sehr große Bedeutung. Sein Erfolg kann ein Beispiel für alle Arbeitnehmer schaffen, die in diesem Moment angegriffen werden, und er kann eine Dynamik hervorrufen zur Ausbreitung der Arbeiterverwaltung und der Arbeiterkontrolle auch in anderen Fabriken und anderen Arbeitsstätten.


folgenden aktuellen Artikel schickten die Kollegen jetzt mit:

Besetzen. Widerstand leisten. Produzieren.

 

Besetzte Fabrik in Griechenland beginnt mit der Produktion unter Arbeiterkontrolle

„Wir denken, dass das die Zukunft der Arbeiterkämpfe ist.“

Makis Anagnostou, Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me

 

Dienstag, der 12. Februar 2013 wird der erste offizielle Tag der Produktion unter Arbeiterkontrolle von Vio.Me in Thessaloniki, Griechenland sein. Das heißt, eine hierarchisch organisierte, von Bossen diktierte Produktion wird durch eine von der Arbeitervollversammlung in direkter Demokratie geplante Produktion ersetzt. Die Arbeiter haben der ungleichen Verteilung der Ressourcen ein Ende erklärt, auf der Basis kollektiver Entscheidungen wollen sie für eine gleiche und freie Bezahlung sorgen. Als baustoffproduzierende Fabrik planen die Arbeiter außerdem, die Ausrichtung des Unternehmens zu ändern hin zu einer Produktion umweltverträglicher Produkte.

„Bei einer auf fast 30 % gestiegenen Arbeitslosigkeit, sinkenden Löhnen, abgespeist mit leeren Worten, Versprechungen und Steuererhöhungen, nicht entlohnt seit Mai 2011,einem Produktionsstillstand in einer von den Eigentümern verlassenen Fabrik, haben die Arbeiter von Vio.Me in ihrer gewerkschaftlichen Vollversammlung beschlossen, sich nicht mit einer langfristigen Arbeitslosigkeit abzufinden, sondern darum zu kämpfen, die Fabrik zu übernehmen und selbst zu betreiben. Es ist nun an der Zeit für Arbeiterkontrolle bei Vio.Me!“(Proklamation der Offenen Solidaritätsinitiative und der Arbeiter Vio.Me. Der gesamte Text unter: www.viome.org )

Die Arbeiter von Vio.Me wurden seit Mai 2011 nicht mehr entlohnt, im Anschluss verließen die Eigentümer und Manager die Fabrik. Nach einer Reihe von Vollversammlungen entschlossen sich die Arbeiter, die Fabrik gemeinsam wieder in Betrieb zu nehmen. Seitdem haben sie die Fabrik und die für die Produktion benötigten Maschinen besetzt und geschützt. Sie haben sich außerdem mit anderen Arbeitenden und Kollektiven aus ganz Griechenland vernetzt und dadurch große Unterstützung erhalten. Dank der Solidarität und der Unterstützung all dieser Menschen, Individuen wie auch Gruppen, können die Arbeiter ihr Überleben und das ihrer Familien sichern.

Das Phänomen der Besetzung, der Wiederinstandsetzung und der Kontrolle von Unternehmen durch ArbeiterInnen ist nichts Neues – weder historisch noch gegenwärtig. Seit 2001 gibt es ungefähr 300 Betriebe in Argentinien, die demokratisch von ArbeiterInnen verwaltet werden; Gesundheitszentren, Zeitungen und Schulen, aber auch Metallfabriken, Druckereien und Hotels. Entwicklungen dort haben gezeigt, dass Arbeiter nicht nur in der Lage sind, Unternehmen ohne Chefs zu verwalten, sondern dies auch besser können. Das Beispiel Argentinien breitet sich in Südamerika aus und hat nun auch Europa und die Vereinigten Staaten erreicht. In Chicago haben die ArbeiterInnen von New World Windows, nach jahrelangen Kämpfen mit (ehemaligen) Eigentümern und Chefs, die Produktion in Selbstverwaltung aufgenommen. In Griechenland zeigen Arbeiter nun wieder, dass der Weg vorwärts – aus der Arbeitslosigkeit, der Krise trotzende – Arbeiterkontrolle und demokratische Selbstverwaltung ist.

„Wir fordern alle ArbeiterInnen, alle Arbeitslosen und all diejenigen, die am eigenen Leib die Krise erfahren haben, dazu auf, die Arbeiter von Vio.Me zu unterstützen. Jetzt, da sie daran gehen, in der Praxis zu beweisen, dass wir, die ArbeiterInnen, es auch ohne Bosse schaffen! Wir fordern sie auf, am Kampf teilzunehmen und den Kampf zu organisieren, wo immer sie arbeiten, mit Versammlungen, direkter Demokratie – ohne Bürokraten!“ (www.biom-metal.blogspot.gr)

Wie bei allen Fabrikwiedereröffnungen, so ist auch hier die Frage der anfänglichen Finanzierung von zentraler Bedeutung. War die bisherige Solidarität in der Lage, das Überleben der Arbeiter von Vio.Me und ihrer Familien zu sichern, so ist das Kapital, das zur Fortsetzung der Produktion notwendig ist, riesig. Die Arbeitergewerkschaft hat einen tragfähigen Geschäftsplan, aber es wird einige Zeit erfordern, bis er greifen wird. Die ersten Monate werden ausschlaggebend sein. Finanzielle Unterstützung kann dabei viel ausmachen und jeder Beitrag ist hilfreich.

Direkte finanzielle Unterstützung kann an die Arbeitergewerkschaft von Vio.Me in Thessaloniki über die Internationale Solidaritätswebseite geschickt werden:
www.viome.org

Solidaritätserklärungen und Fragen an: protbiometal@gmail.com

 



Unterzeichnet: Solidaritätsinitiative Thessaloniki, Brendan Martin (Working World), Dario Azzelini und Marina Sitrin

Vorläufige UntersrtützerInnen der Initiative:
David Harvey, Naomi Klein, Avi Lewis, John Holloway, Silvia Federici, George Caffentzis, David Graeber, Mag Wompel (labournet.de) und Cooperativa de Trabajo Lavaca, Buenos Aires, Argentina

nächstes Treffen von GSKK:      
19.Februar 19 Uhr Köln Alte Feuerwache, Melchiorstr.3 / Nähe Ebertplatz