Kollegen von Viome machen ernst!
von ‘Griechenland-Solidarität-Komitée - Köln’ (GSKK)
LIEBE MITSTREITER/INNEN
Unsere Kollegen von Viome machen ernst! Letzten Montag und Dienstag übernahmen sie endgültig ihren Betrieb in Eigenregie!!
Nachricht VIOME 21.1.2013
Die Arbeiter von VIOME werden unmittelbar (Anfang Februar) den entscheiden Schritt zur Selbstverwaltung der Fabrik tun.
Außer allem Anderen wird auch eine konkrete Unterstützung beim Vertrieb des Produkts, das sie produzieren, notwendig sein.
Zu diesem Zweck wird Montag, 21.1. um 20.00 Uhr in Nosotros ein Treffen von Solidaritätskollektiven und συνεργατική οικονομία stattfinden, um die Bemühung zu diskutieren und zu koordinieren.
Ebenfalls wird am Dienstag, 22.1. um 19.00 in den Büros der Vereinigung der Angestellten Buch und Papier in Exarchia/Athen ein Treffen der Offenen Solidaritätsinitiative für den Kampf der Arbeiter von VIOME stattfinden. Zu dem Treffen sind Betriebsgewerkschaften und Arbeiterkollektive eingeladen zur Planung und zur Koordinierung der Solidaritätsaktionen.
Auf beiden Treffen wird Makis Anagnostou von der Versammlung der Arbeiter von VIOME anwesend sein, der uns über die unmittelbaren Schritte informieren wird, die zur Eröffnung der Fabrik unter einem Regime der Selbstverwaltung und zu den Bedürfnissen der Unterstützung und der Solidarität, die es geben wird, unternommen werden.
Unser "Griechenland-Solidarität-Komitée-Köln" (GSKK) bereitet die nächsten Auftritte vor.
Der Kampf in Griechenland geht derweil mit unverminderter Härte weiter!
Hier ein aktueller Bericht über die Räumung des U-Bahn Depots in Athen durch Polizeieinheiten:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenland-streiks116.html
Griechenland-Solidaritätskomitee Köln (GSKK)
Protokoll der Sitzung vom 8.1.2013
Anwesende: Konstantin, Manfred, Rosi, Winfried, Jannis, Hubert
Tagesordnung:
1. Vorstellung Jannis
2. VIOMET
3. Reader, Newsletter
4. POP (Initiativgruppe Griechische Kultur)
5. Veranstaltungen, Termine
6. Kontaktpflege
7. Info zu Andreas Kloke
Zu 1. Jannis Kostakis, Journalist aus Piräus, Mitglied in SYRIZA stellte sich vor.
Zu 2. VIOMET soll von Konstantin wieder kontaktiert werden. Dabei wollen wir unsere bisherige Solidaritätsarbeit darstellen. Unsere Broschüre wurde bereits an die Kollegen geschickt. Vorher müssen wir herauskriegen, was mit den von uns gesammelten 310,-€ ist, die wir gesammelt und an das Konto Klingele von der Gewerkschafter-Initiative überwiesen haben, von wo es weitergeleitet werden soll.
Zu 3.1. Reader: Dafür müssen neue aktuelle Texte ausgewählt und übersetzt werden. Vorschläge sind:
-SYRIZA: Text der Konferenz von Nov./Dez. 2012 (Übersetzung Hubert, Konstantin) -KKE: sie hat im Frühjahr ihren Parteitag, wo neue Texte verabschiedet werden sollen. -ANTARSYA: (Vielleicht den Text von Andreas Kloke über die SYRIZA-Konferenz?) -Xekinima: Proklamation und Bericht von der SYRIZA-Konferenz (bereits von Hubert übersetzt)
Aufgrund des Termins des KKE-Parteitages sollten wir diese Broschüre vielleicht im März herausbringen.
Zu 3.2. Newsletter: Es soll ein 14-tägiges Newsletter herausgegeben werden. Inhalte sollen Analysen, Statistisches Material, Kurzbeschreibung längerer Artikel mit Links zu diesen sein Manfred übernimmt die Herausgabe.
Zu 4. Initiativgruppe Griechische Kultur (POP): Dies ist ein deutsch-griechischer Kulturverein, der neugriechische Kultur in der BRD bekannt machen will. Er ist auch in der Städtepartnerschaft Köln-Thessaloniki aktiv. Seine Kassiererin Diana Siebert (Grüne) hat über die Kölner Grünen Kontakt zu dem Kölner Verantwortlichen für die Partnerschaft Frieder Wolf.
Wir wollen ein offizielles Treffen zwischen GSKK und dem POP-Vorstand erreichen, auf dem eine Zusammenarbeit ausgelotet werden kann.
Angedacht ist eine gemeinsame Veranstaltung zu den deutschen Nazi-Verbrechen in Griechenland während des Krieges/Besatzung 1941-44, insbesondere zu der Märtyrerstadt Distomo. Als Referent haben wir den Geschäftsführer der POP Jürgen Rompf gewonnen.
Ebenso wollen wir eine Geld-oder Medikamenten/Pflegematerial –Sammlung, Lieferung an Krankenhäuser oder Arzte/Pflege-Basisinitiativen in Thessaloniki durchführen. Hier könnte die POP mit ihren Kontakten zur Kölner Stadtverwaltung und nach Thessaloniki nützlich sein. Ideen dazu hat auch Claus Ludwig (Stadtrat DIE LINKE) entwickelt, der vor Allem die Gewerkschaft Verdi und die Personalräte der städtischen Krankenhäuser einbeziehen will. Auf der dem Thema Griechenland gewidmeten Sitzung des LINKE-OV Schäl Sick am 14.2.2013 sind wir eingeladen und können es dort diskutieren
Manfred nimmt Kontakt zu Diana Siebert auf, Hubert zu Jürgen Rompf und Claus Ludwig.
Zu 5. Veranstaltungen-Termine:
Als eigene Veranstaltung des GSKK schlägt Konstantin eine neue Veranstaltung über die politische Lage in Griechenland so wie unsere Veranstaltung im August 2012 vor. Als Referenten kommen Natalia Sakkatou und Jannis Kostakis, beides Journalisten, in Frage.
Termine zu Griechenland in den nächsten Monaten, wo wir hingehen sollten mit unserem Material, gibt es folgende:
Von Günter Seib, DIE LINKE Bielefeld haben wir nichts mehr gehört. Hubert versucht, den Kontakt zu reaktivieren.
Die Griechenland-Veranstaltung von DIE LINKE und „Der Funke“, Wiesbaden ist erst einmal verschoben, jedoch nicht aufgehoben.
Zu 6. Kontaktpflege:
Für uns sind insbesondere die Gewerkschaften als Organisationen der arbeitenden Bevölkerung wichtig. Besonders hier in Köln. Hier bieten sich mehrere Ansatzpunkte:
-IGM: Wolfgang Rasten hatte unsere VIOMET-Broschüre per Mail an Metallbetriebsräte
geschickt. -IG BAU: Hier können wir daran anknüpfen, dass VIOMET Baumaterialien produziert. -IG BCE Vorsitzender dieser Gewerkschaft ist der Grieche Vassiliadis. Manfred will Kontakt
aufnehmen.
-Verdi: Hier können wir über die Krankenhaus-Personalräte der städtischen Kliniken unsere Medikamenten/Materialsammlung voranbringen. Siehe Veranstaltung der LINKE Schäl Sick, wo auch Kontakte zu Krankenhaus-Personalräten besteht. Auch Rosi kennt hier Leute.
Zu 7. Andreas Kloke
Konstantin berichtet, dass Andreas, unser Referent auf der August-Veranstaltung, einen Schlaganfall erlitten und im Krankenhaus liegt. Konstantin soll ihm unsere besten Genesungswünsche übermitteln.
Das nächste GSKK-Treffen wird am Di., 22.1., 19.00 Uhr wieder im Restaurant der Alten Feuerwache stattfinden
Protokollant: Hubert
Bericht über unsere letzte Veranstaltung im DGB - Haus in der NRhZ.
Solidaritätsveranstaltung für griechische Kollegen im Kölner DGB-Haus
Das Leben nach dem sozialen Bankrott
von Klaus Fischer
Die griechische Gesellschaft ist mit aktiver EU-Hilfe in nur drei Jahren aller sozialen Errungenschaften beraubt und um Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Während die dünne reiche Oberschicht massenhaft Gelder aus dem Land zieht, wird die Masse der Bevölkerung auf das Lebensniveau eines Entwicklungslandes herabgedrückt. Das wurde sehr drastisch auf einer Veranstaltung vom "Kölner Solidaritäts-Komitee-Griechenland" in enger Zusammenarbeit mit der IG Metall-Verwaltungsstelle Köln-Leverkusen im DGB-Haus deutlich.
Der Referent, BR-Kollege Manfred Grzegorzic, berichtete lebendig von seinen Eindrücken als Teilnehmer einer Gewerkschafterdelegation, die sich vom15. bis 22. September in Griechenland bei den Kolleg/innen vor Ort über die aktuelle soziale Situation informierte.
Vertragsrecht gegenüber den Gewerkschaften abgeschafft
Nach seinen Informationen betrifft die soziale Verwüstung alle Bereiche: Das bürgerliche Vertragsrecht gegenüber den Gewerkschaften wurde abgeschafft! So kann nun nach den beschlossenen "Reformen" der Arbeitgeberverband alle geschlossenen Tarifverträge durch einseitige Willenserklärung einfach für unwirksam erklären. So etwas kannten die Griechen bisher nur unter der Militärdiktatur in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der
Mindestlohn wurde auf 586 Euro reduziert! Das Arbeitslosengeld beträgt 322 Euro (für 2 Jahre).
Bei Massenentlassungen war bisher ein vorheriges Gesprächsangebot an die
Gewerkschaften gesetzlich vorgeschrieben. Auch wurde abgeschafft! So kommt es im ganzen Land nun zu Massenentlassungen, ohne dass die Gewerkschaften zuvor überhaupt informiert werden.
Gesundheitssystem abgeschafft
Nachdem die Krankenkassen offiziell im Herbst ihren Bankrott erklärt hatten, sind dringend benötigte Medikamente zur Mangelware geworden. Der Kollege berichtete, dass sie mit einer entlassenen Oberschwester zur Apotheke "einkaufen" gingen und diese ihnen berichtete, dass sie noch vor 2 Jahren niemals geglaubt hätte, dass sie mitten in Europa mit gesammelten Spendengeldern Medikamente für todkranke Menschen besorgen müsste.
Er berichtete auch von einem ehemaligen Berliner Busfahrer, der noch vor zwei Jahren in Berlin ca. 2000 Euro verdient hätte und nun die gleiche Arbeit unter schlechteren Bedingungen in Athen für 480 Euro verrichtet, wovon er auch noch Steuern abzuführen hätte.
Nachdenklich meinte der Referent, dass sie auf ihrer Reise viele griechische Gewerkschaftskollegen vor Ort kennengelernt hätten, die noch unter Schockwirkung standen. Die griechischen Kollegen schilderten ihre Lage und wunderten sich selbst darüber, wie in nur drei Jahren mitten in Europa derartige Zustände möglich wurden.
Löhne und Renten gesenkt
Es kam bisher zu Lohnsenkungen von 30 bis 50 %, die Renten wurden um 15% gesenkt! Jugendliche unter 26 Jahren sind zu 60% arbeitslos! Eine massive Auswanderungswelle besonders qualifizierter Menschen hat begonnen und die Suizidrate ist sprunghaft angestiegen. Überall beginnen die Menschen nun Netzwerke und Selbsthilfegruppen aufzubauen. Ganze Krankenhausbelegschaften arbeiten inzwischen trotz Schließungen weiter und sind dringend auf Spenden der Bevölkerung angewiesen. Über 40 Betriebe sind mittlerweile aus Notwehr von den Belegschaften in Eigenregie übernommen worden, und die Kollegen arbeiten einfach ohne Bezahlung weiter.
Die aus Griechenland zurückgekehrten Kollegen wurden immer wieder darum gebeten, zu berichten, was in dem Land mit Hilfe der EU angerichtet werde. Solidarität sei bitter nötig, wurde immer wieder betont.
Betrieb besetzt und übernommen
Im zweiten Teil der Veranstaltung zeigte das "Solidaritäts-Komitee-Griechenland" einen kurzen Film über die Kollegen von VIOMET (Viomichaniki Metalleftiki), einem Betrieb in der Nähe von Thessaloniki, der Partnerstadt von Köln. Seit einigen Monaten hat das Kölner Komitee zu den Viomet-Kollegen vor Ort Kontakte entwickelt und unterstützt die Belegschaft ideell und materiell. Die griechischen Kollegen besetzten ihren Betrieb vor 18 Monaten, nachdem die Geschäftsleitung zuvor alle Gelder aus dem gut gehenden Werk rausgeholt hatte und es platt machen wollte. In einer "Solidaritätskarawane" zogen die Kollegen durch Nordgriechenland und machten diesen Skandal öffentlich.
Sie beschlossen nach einigen Monaten auf einer Vollversammlung die Weiterführung des Betriebes in Eigenregie und erarbeiteten einen eigenen Finanzierungsvorschlag sowie einen künftigen Produktionsplan, den sie dem zuständigen Athener Ministerium überreichten. Die Experten des Wirtschafts- und Finanzministeriums waren überrascht und bewerteten die Planungen zunächst sehr positiv. Allerdings stellte sich heraus, dass weder in der griechischen noch in der EU-Gesetzgebung ein Betrieb ohne eigene Geschäftsleitung vorgesehen war. Daraufhin erarbeiteten die Kollegen mit gewerkschaftlicher Hilfe einen rechtlichen Rahmen, der auf der argentinischen Gesetzgebung beruht und nun dem Ministerium vorliegt.
Doch das Ministerium reagiert seit Monaten nicht mehr, und so haben die Kollegen jetzt gezwungenermaßen die Produktion in Eigenregie wieder aufgenommen, da sie nicht mehr von eingehenden Spenden leben können und vom Hunger bedroht sind.
Solidarität und Spenden notwendig
Das Kölner Komitée hat eine kleine Broschüre über diese Belegschaft erstellt und vertreibt diese derzeit zu einem Solidaritätspreis. Die Einnahmen kommen der Belegschaft zugute.
Spenden sind möglich über das Solidaritätskonto der Gewerkschafterdelegation:
Manfred Klingele-Pape, Kontonummer 1211 478 910, Hamburger Sparkasse (BLZ 200 505 50), Verwendungszweck Viomet. (PK)
Einen früheren NRhZ-Bericht über das GSKK finden Sie hier:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18118
Kontakte zum "Griechenland-Solidarität-Komitée Köln" über
und