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Hausbesetzung für ein Autonomes Zentrum

Besetzer_innen stellen eindeutige Forderungen

Köln -Am Abend des 16. Aprils 2010 wurde ein leerstehendes Gebäude von mehr als 100 Aktivist_innen und Unterstützer_innen der Kampagne „Pyranha - Für ein autonomes Zentrum“ in Köln-Kalk besetzt. Das Ziel der politischen Aktion ist dort ein selbstverwaltetes Zentrum für parteiunabhängige Politik, unkommerzielle Kultur und Kunst aufzubauen.

Bei dem besetzten Gebäude handelt es sich um die ehemalige Großkantine der „Klöckner-Humbold-Deutz AG“ welche sich seit über 10 Jahren im Besitz der Stadtsparkasse befindet. Es ist bekannt, dass diese Räume des ehemaligenFirmenareals seit mehreren Jahren leer steht und des weiteren keinen Nutzungsplänen unterliegt. „Die Bausubstanz und die Infrastruktur des Gebäudes sind so gut erhalten, dass es sofort genutzt werden kann und ein nicht auszuschließender Abriss unsinnig wäre. Es ist ausreichend groß und bietet Platz für Werkstätten, Ateliers, Konzerte, das erste rechtsrheinische Kino, Arbeitsräume für politische Gruppen und Kollektive, Seminarräume, Ausstellungsfläche, einen Umsonstladen und noch vieles
mehr.“ so eine Aktivistin des besetzten Hauses. In der direkten Nachbarschaft gibt es die auch aus einem KHD-Komplex entwickelte "Abenteuer Halle", mit Angeboten zur Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendlichen. Dies ist eines von mehreren Projekten auf diesem Gelände, in denen historische Bauten erhalten und umgenutzt wurden. „Ein stetes Anpassen an die neuen Bedürfnisse des Stadtteils, muss keine großflächige Umstrukturierungen und Abriss mit sich bringen. Für Kalk, das im Moment von einem ehemaligen Arbeiterquartier und Industriestandort in einen schicken, für zahlungskräftigere Menschen attraktiven Stadtteil umgewandelt wird, ist ein Autonomes Zentrum wichtig, um der Vertreibung von Menschen mit wenig Geld entgegenzuwirken und ihnen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.“ kommentierte ein Unterstützer des neuen Autonomen Zentrums.

Die Eigentümer des Gebäudes, wie auch die Lokalpolitik haben bislang keine offizielle Stellungnahme zu der Besetzung bezogen. Allerdings scheinen sie zumindest vereinzelt der Idee eines Autonomen Zentrums in dem rechtsrheinischen Stadtteil aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Neben den zahlreichen Nachbarn und Freunden des Projektes besuchten am Sonntag morgen Karin Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen), ebenso der Bezirksbürgermeister Markus Thiele (SPD)  das Autonomen Zentrum und bekundeten Sympathie und Unterstützung. „Wir müssen jetzt zusehen, dass ihr in eine Verhandlungsposition kommt“ bekräftigte Thiele die Kampagne. Worauf er eine eindeutige Antwort bekam: „Das sehen wir genauso! Das Gebäude wurde besetzt um Tatsachen zu schaffen. Wenn ähnlich genutzte, legal gemietete Räume, wie die ehemalige Schnapsfabrik, durch die Stadtverwaltung geschlossen werden, dann sehen wir in einer politischen Kampagne für ein Autonomes Zentrum die Konsequenz. Und wenn alles Fragen und Bitten nicht zu konkreten Ergebnissen führt, dann müssen wir uns selber helfen und besetzen.“ Dieses wurde auch unmissverständlich in einem zweiten Offenem Brief, dem sogenannten „Kommunique #2“, formuliert.

Das Interesse, die Besetzung möglichst bald in eine Nutzung übergehen zu lassen, ist deutlich sichtbar. Neben den Instandsetzungs- und Aufräumarbeiten, fanden bereits in den ersten beiden Tagen die ersten öffentlichen Veranstaltungen und Workshops statt, unter anderem ein Streetart-Workshop, ein Jonglage-Workshop, Infoveranstaltungen und eine Arbeitslosenberatung. Für die nächste Woche (19.-25. April) ist eine Bau- & Kreativwoche geplant, um das Gebäude für ein selbstverwaltetes Zentrum nutzbar zu machen. Dabei gilt der Anspruch alles weitestgehend unkommerziell, selbstverwaltet und hierarchiefrei zu organisieren. Öffentliche Stellungnahmen zu der unrechtmäßigen Nutzung des sonst leerstehenden Gebäudes seitens der Stadt und der Stadtsparrkasse sind Abzuwarten.

Autonomes Zentrum Köln
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