Alle reden von Krise – wir werden aktiv ....
Bericht von den Aktionen in Köln zum bundesweiten Aktionstag am 17.09.09
Von Horst Hilse
Das Kölner Sozialbündnis hatte sich viel vorgenommen: Eine lange Tagesschicht von morgens um 09 uhr bis 19 uhr abends eingelegt, um im Rahmen des bundesweiten Aktionstages „Flagge zu zeigen“.
Morgens ging es mit ca. 120 Leuten bei der kölner ARGE los und es war wieder mal „Zahltag“ angesagt. Während draussen Transparente aufgehangen wurden, wurden innen von den Aktivisten der „KEAS“ und des „Zahltages“ Flugblätter verteilt, die sich an die dort Beschäftigten und die Erwerbslosen richteten.
Die Polizei hielt sich diesmal vornehm zurück, was bei den anderen „Zahltagen“ nicht immer der Fall war.
Gegen 11 Uhr kam der „rote Trecker“ zum Einsatz und hielt vor der ARGE und dem daneben befindlichen Gerichtsgebäude. Er wurde mit Transparenten behängt und dann tuckerte er los zum nächsten Einsatzort: Es ging zu Klöckner Humbold Deutz, wo Massenentlassungen nach Kurzarbeit anstehen. Begleitet von einem 18köpfigen Fahrradschwarm tuckerte er die 16 Kilometerstrecke ab und erregte überall Aufsehen, das durch die 5 begleitenden Motorräder und die beiden Fahrzeuge vom team-green nochmals verstärkt wurde. Dort vor dem Werkstor von KHD entwickelte sich dann ein Disput mit einem der Werkschutz-Kapos, der unbedingt das Fotographieren verbieten wollte. Die Polizei belehrte ihn, dass hier ein „öffentliches Interesse“ vorliegen würde. Zugleich wurde jedoch von einem Menschen aus der Vorstandsetage kräftig aus dem Werksgelände heraus fotografiert und uns wurde klar, dass es darum ging, die Belegschaft einzuschüchtern, damit sie bei Schichtwechsel nicht vor das Tor kam. Trotzdem kamen mehrere Gruppen und holten Flugblätter ab, die sie im Werk verteilten...
Eine sehr ähnlich wollwollende, aber von Vorsicht geprägte Aufnahme erfuhr eine andere Aktionsgruppe des Bündnisses, die mit PKW´s zum noch weiter entfernten Flughafengelände gefahren war, da dort die Sicherheitsfirma Kötter Druck auf die Kollegen ausübt, Lohneinbussen bei veränderten Verträgen hinzunehmen.
Nach der Mittagspause ging es dann wieder zurück in die Innenstadt und der „rote Trecker“ quälte sich durch den üblichen Feierabendstau. Trotzdem kam der Tross rechtzeitig zur Auftaktkundgebung vor dem Kölner Schauspielhaus. Dann folgte eine Demonstration durch die City mit jeweiligen kurzen Kundgebungsstopps vor der Esch-Oppenheim Bank, der Kölner Stadtsparkasse, Karstadt und schliesslich vor der Filiale der Deutschen Bank. Diese hatte ihre Schalter geschlossen und wies ihre Kunden per Aushang darauf hin, dass durch die Proteste eine kurzfristige Schliessung nötig sei.
Werner Rügemer hielt an allen Kundgebungsorten jeweils eine sehr informative Rede über die Machenschaften und den Filz der jeweiligen Institute und ihrer Vorstände. Viele Aktivisten trafen sich dann abschliessend bei einem Kölsch in dem Bürgerzentrum Alte Feuerwache, um eine erste Bilanz zu ziehen.
Ein ausführlicher Bilanzierungstermin ist von dem Bündnis für den 28. anberaumt. Sicherlich wird sich die Auswertung des Aktionstages mit der Wirkung des Aktionstages nach innen und aussen befassen müssen.
Es war feststellbar, dass die Aktion fast durchweg bei der Bevölkerung eine wohlwollende Aufnahme fand. Bis auf einige „Zwischenrufer“ am Straßenrand stiessen wir fast durchweg auf positives Interesse: einige Beifall klatschende Passanten am Straßenrand, die Nachfrage nach Informationsblättern von Leidensgefährten im Verkehrsstau sowie die an allen „Bankpunkten“ aufmerksam lauschenden Passanten sind eindeutige Indizien.
Eine große Aufmerksamkeit gebührt dem Verhalten den Belegschaften in den besuchten Betrieben, die eindeutig positiv mit Symphatie reagierten, sich jedoch aus Angst nicht offen solidarisierten. Dies stellt uns bei künftigen Aktionen vor einige diffizile Planungsaufgaben.
Eine weitere gewichtige Frage stellt sich durch die Tatsache, dass es uns trotz positiver wohlwollender Zustimmung nicht gelungen war, eine aktive Solidarisierung durch Teilnahme an den Aktionen zu initiieren. Die Mobilisierungsform muss überprüft werden.
Positiv ist jedoch der Umstand zu werten, dass es in Köln nach dem politisch motivierten Verlust des durch die SAV getragenen Sozialbündnisses nun wieder ein parteiunabhängiges linkes Bündnisprojekt zu geben scheint. Es könnte den Focus für Sozialproteste der Stadt bilden. Ob es Bestand haben wird, wird von der politischen Klugheit der beteiligten Organisationen abhängen. Die Bereitschaft zu einer dauerhaften Zusammenarbeit ist ausgeprägt. Diese Zusammenarbeit deutete sich bereits durch die erfolgreichen Veranstaltungen des „Rundumschlags“ an und dürfte sich nun weiter vertiefen. Dass es auch Kräfte in dem Bündnis gibt, die mangels vorweisbarer Eigenaktivität ihre Profilierung durch Diffamierung anderer Bündnispartner betreiben, dürfte dem Unverständnis für den Charakter von Bündnissen geschuldet sein.