Bundeswehr war auf dem Soldatenfriedhof unerwünscht
Gedenkveranstaltung auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof
VVN, DKP, PDL und Autonome protestierten gegen die Teilnahme einer Abordnung der Bundeswehr an einer Gedenkveranstaltung auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof am Gallberg in Düsseldorf. Die Veranstaltung wurde vom Bürger- und Heimatverein Gerresheim und der Bezirksvertretung 7 ausgerichtet. Grußworte sandten aus Moskau von Prof. Dr. Wladimir Naumov und Schülerinnen und Schüler der Schule 863.
Naumov mahnte als ehemaliger Ostarbeiter, der als Kind nach Deutschland verschleppt worden war, und Mitglied der Gesellschaft Russland-Deutschland: "Für uns als Zeugen und gezwungenermaßen Teilnehmer dieser Tragödie, die unsere Länder und Völker betroffen hat, ist sehr wichtig, dass in Deutschland so gute Traditionen erhalten werden wie das Gedenken an die Kriegsopfer, an die unersetzlichen menschlichen Verluste. Wir hoffen, dass sich auch unsere Enkel und Urenkel, unsere zukünftige Generation, diese Traditionen zu Herzen nehmen und sie fortsetzen werden." Vor neuen Gefahren durch den Nationalismus und Neofaschismus wiesen die Schüler hin. Viele ihrer Großväter und Urgroßväter hätten ihr Leben gegeben für ein Leben in Frieden und Freiheit. Ihnen gelte der Dank.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Uwe Koopmann als Vertreter der DKP im Gerresheimer Rathaus eine neue Konzeption für die Gedenkfeier gefordert. Die von ihm vermittelten historisch abgeleiteten Grußworte aus Moskau müssten eine Entsprechung auf deutscher Seite erfahren. Insbesondere müssten Schülerinnen und Schüler sowie junge Auszubildende Gelegenheit bekommen, mit neuen Formen und neuen Inhalten das Gedenken neu zu interpretieren. Um dem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, erinnerte er zur Kausalität an die Inschrift des Gedenksteins, der schon im Mai 1945 von den Überlebenden errichtet worden war: "Hier ruhen 1500 Sowj. Kriegsgefangene. Sie sind Opfer des mörderischen Nationalsozialismus, der sie wegen ihrer Standfestigkeit und Treue zermalmt hat. Kameraden setzten ihnen diesen Stein."
Vor 25 Jahren, am 14. August 1984, hatte die SDAJ Düsseldorf vom damaligen Oberbürgermeister Josef Kürten (CDU) offiziell die Patenschaft für das Sowjetische Ehrenmal verliehen bekommen. Kürten: "Im Namen der Landeshauptstadt spreche ich Ihnen mit dieser Urkunde meinen besten Dank aus." Unterzeichnet was die Urkunde auch von damaligen Oberstadtdirektor Gerd Högener (SPD).
Tina Lorscheidt ordnete diese Patenschaft in "Unsere Zeit" vom 27. Februar 1985 politisch ein: "Es geht uns mit dieser Patenschaft aber nicht nur um die Pflege des Friedhofes, sondern vor allem darum, unsere Verbundenheit mit dem Volk der Sowjetunion auszudrücken. Wir wollen deutlich machen, daß die Sowjetunion die Hauptlast des 2. Weltkrieges tragen mußte."
Um den historischen Kontext zu sichern, hatte Koopmann in der Vergangenheit mehrere Initiativen erfolgreich gestartet:
Ein russischer Text wurde über die Anlage angefertigt. Aus dem "Friedhof" wurde im offiziellen Kartenmaterial der Stadt Düsseldorf der "Sowj. Soldatenfriedhof". Andere Verlage übernahmen diese Bezeichnung.
Zwischenzeitlich wurden die politischen Koordinaten des Sowjetischen Soldatenfriedhofes mehrfach verschoben. Die SDAJ verlor die Patenschaft. Im elektronischen Suchsystem der Stadtverwaltung heißt es sogar: "Es wurden keine Resultate für
Ihre Suche (nach der SDAJ) gefunden." Der flache Gedenkstein am Eingang des Friedhofes, der in kyrillischer Schrift und auch in deutscher Sprache auf die NS-Verbrechen an den Zwangsarbeitern hinweist, wurde "ergänzt" um ein optisch dominierendes großes russisch-orthodoxes Kreuz, das am Ende der Mittelachse des Friedhofes errichtet wurde. Die Riten der russisch-orthodoxem Kirche begleiteten auch jetzt die aktuelle Veranstaltung. Gegen diese einseitige Vereinnahmung, bei der das Wort "Faschismus" in den Gedenkreden als Verursacher des Krieges nicht mehr auftaucht, wird sich die Gerresheimer DKP auch weiterhin wehren.